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Wie Mehrgenerationenhäuser Angebote umsetzen: Neues aus den Häusern

„Armut hört nicht am Ortsschild auf“: Wie das Mehrgenerationenhaus Bernsdorf Familien stärkt

Mit der Initiative „Mehr Chancen für Kinder im ländlichen Raum“ knüpft das Mehrgenerationenhaus Bernsdorf ein verlässliches Hilfsnetz gegen Kinderarmut. Projektleiter Silvio Thieme zeigt, wie enge Kooperation im gesamten Landkreis echte Perspektiven für Familien schafft.

© Adobe Stock/lordn

Wenn man Silvio Thieme fragt, ob es Momente gibt, in denen er merkt, dass seine Arbeit Wirkung zeigt, antwortet er: „Das Allerschönste ist für mich, wenn Vernetzung wirklich funktioniert. Ein Beispiel war ein Workshop, nach dem eine Fachkraft aus der Familienhilfe direkt Kontakt zu unserem Team aufgenommen hat, um gemeinsam ein Angebot für ein betreutes Kind zu entwickeln.“ Genau das sei sein Ziel: Die Arbeit soll nicht an der eigenen Schreibtischkante enden – damit Hilfen nicht im Sande verlaufen, sondern direkt bei den Kindern ankommen.

Ein starkes Netz für den ganzen Landkreis 

Einfach machen – das gilt auch für den Diplom-Sozialpädagogen und Koordinator des Mehrgenerationenhauses Bernsdorf. Als Geschäftsführer der Regionalen Arbeitsstellen und Angebote für Bildung, Beratung und Demokratie (RAA) Sachsen e. V. verantwortet Thieme die Initiative „Mehr Chancen für Kinder im ländlichen Raum“ im Landkreis Bautzen: „Im Mittelpunkt stehen Kinder und Jugendliche, die von Armut betroffen sind oder ein erhöhtes Risiko haben. Gleichzeitig richtet sich das Projekt aber auch an Fachkräfte, Ehrenamtliche und Familien, denn wir wollen bestehende Unterstützungssysteme stärken und besser vernetzen“, erklärt Thieme.

Seit 2025 setzt das Mehrgenerationenhaus das Projekt gemeinsam mit dem Deutschen Kinderhilfswerk, der Stadt Bernsdorf und dem Landratsamt Bautzen um. Als die Zusage kam, war Thieme sofort klar: „Natürlich freue ich mich, wenn wir hier in Bernsdorf etwas bewegen. Aber Armut hört nicht am Ortsschild auf. Wir wollten ein starkes Netz knüpfen, das dem gesamten Landkreis zugutekommt.“

Die echten Probleme anpacken – statt am Reißbrett planen

Statt fertige Maßnahmen von oben herab zu verteilen, hat das Team im ersten Schritt die Profis an einen Tisch geholt. In drei großen Workshop-Reihen in Hoyerswerda, Bautzen und Kamenz trafen sich Fachkräfte, die täglich mit Kindern und Jugendlichen arbeiten – von der Schulsozialarbeit über Sportvereine und Krankenkassen bis hin zu Verwaltung und Ehrenamt. Gemeinsam suchten sie nach Antworten auf Fragen wie: Welche Themen spielen im Alltag der betroffenen Kinder und Jugendlichen eine besondere Rolle? Und wie kann man ihnen begegnen, um Kinderarmut vorzubeugen?

Schnell war klar: Der Schuh drückt überall anders. In einer Region stellten die Fachkräfte fest, dass es zwar viele Hilfsangebote gibt, diese aber oft nicht ankommen – vor allem, weil bei zugewanderten Familien schlicht die Sprachbarriere im Weg steht. In einer anderen Region waren dagegen ungesunde Ernährung und Bewegungsmangel ein Thema. „Darauf aufbauend entwickeln wir gerade passgenaue Maßnahmen, etwa präventive Ernährungs- und Bewegungsangebote für Kitas und Schulen. Wichtig war uns, nicht einfach fertige Lösungen vorzugeben, sondern gemeinsam mit den Menschen vor Ort zu erarbeiten, was wirklich gebraucht wird“, sagt Thieme.

Starke Allianzen: Verwaltung und freie Träger an einem Tisch

Dass im Projekt unterschiedliche Strukturen – von freien Trägern bis hin zum Jugend- und Gesundheitsamt – zusammenarbeiten, ist laut dem Projektleiter der Schlüssel zum Erfolg, auch wenn das Miteinander manchmal herausfordernd war: „Da treffen lange Verwaltungswege auf unsere gewohnte Entscheidungsfreiheit. Am Ende haben wir diese Hürden aber super gemeistert, auch durch die enge Kooperation mit allen Beteiligten.“

Mit dem Projekt „Mehr Chancen für Kinder im ländlichen Raum“ belegt das Mehrgenerationenhaus Bernsdorf eindrucksvoll: Wenn Kommunen, Fachkräfte und Initiativen Hand in Hand arbeiten, wird Prävention im ländlichen Raum greifbar – und sorgt dafür, dass kein Kind unterm Radar bleibt.

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