„Reparieren statt wegwerfen" lautet das Motto des „Repair Cafés" im Mehrgenerationenhaus Langen
Im Mehrgenerationenhaus Langen in Hessen findet seit November 2013 ein monatliches „Repair Café" statt. Freiwillig Engagierte unterstützen dort Jung und Alt dabei, ihre mitgebrachten kaputten Alltagsgegenstände zu reparieren. Dabei stehen die Vermittlung von Know-how und der generationenübergreifende Austausch im Vordergrund.

Eine tropfende Kaffeemaschine wegwerfen? Statt des kaputten Staubsaugers einen neuen kaufen? Eine defekte Lichterkette im Sondermüll entsorgen? Häufig ist das Wegwerfen kaputter Geräte und Alltagsgegenstände nicht der einzige Ausweg. Vieles lässt sich reparieren, doch oftmals fehlt dazu das notwendige Wissen. Hilfe bieten neben Werkstätten nun auch sogenannte „Repair Cafés", die seit kurzer Zeit in vielen deutschen Städten entstehen. Dort helfen Hobbytüftlerinnen und -tüftler bei der Reparatur der Geräte und geben hierfür erforderliches Know-how weiter, um das handwerkliche Geschick der Café-Besucherinnen und Besucher zu fördern.
Seit November 2013 wird auch im Mehrgenerationenhaus Langen ein „Repair Café" angeboten – das erste dieser Art, das in der Stadt und der nahen Umgebung entstand. Die Idee geht auf Ronny Habel, den heutigen Projektleiter des „Repair Cafés" in Langen, zurück, der sich für die ursprünglich aus den Niederlanden stammende Bewegung begeisterte. „Ich bin über den Gedanken gestolpert, dass Sachen nicht sofort weggeworfen werden müssen, wenn sie nicht mehr funktionieren, sondern sich der Versuch einer Reparatur immer lohnen kann. Je mehr ich mich über den Ansatz der „Repair Cafés" informierte, umso neugieriger wurde ich, welche Gegenstände mit dem richtigen Know-how und einfachen Mitteln repariert werden können", erklärt er.
Erfolgreiche Umsetzung im Mehrgenerationenhaus
Auf der Suche nach einem passenden Ort für die Einrichtung eines „Repair Cafés" stieß Ronny Habel auf das Mehrgenerationenhaus Langen. Mit einer Ideenpräsentation im Haus, bei der die vielfältigen Möglichkeiten eines „Repair Cafés" vorgestellt wurden, weckte er das Interesse der Besucherinnen und Besucher. „So eine überwältigende Resonanz hätte ich nicht erwartet. Ich war positiv überrascht von der Begeisterung aller Anwesenden für die Einrichtung eines solchen „Repair Cafés" im Mehrgenerationenhaus", freut sich Ronny Habel rückblickend.
Schnell waren ein geeigneter Raum für das regelmäßige Angebot im Haus und die ersten freiwilligen Reparateure gefunden. Mit Flyern und der hauseigenen Zeitschrift „Die Langenerin" wurde das neue Projekt bereits vor dem ersten Treffen beworben.
Seit der Eröffnung im November 2013 wird das „Repair Café" im Mehrgenerationenhaus Langen von allen Altersgruppen sehr gut angenommen. „Das Projekt ist ein voller Erfolg. Bei unseren ersten „Repair Café"-Treffen wurden wir regelrecht überrannt von den Besucherinnen und Besuchern, die kaputte Gegenstände mitbrachten oder bei einer Tasse Kaffee zusehen wollten, was bei uns passiert", erinnert sich Ronny Habel.
Einfaches Prinzip, vielseitige Erfolge
Das Prinzip des „Repair Cafés" ist genauso einfach wie genial: Gemäß der Maxime „alles, was man tragen kann", bringen die Gäste ihre kaputten Alltagsgegenstände zu dem Treffen, das monatlich im Mehrgenerationenhaus Langen stattfindet. Insgesamt vierzehn Reparateure engagieren sich dort freiwillig. Mindestens die Hälfte von ihnen ist bei jedem Treffen anwesend und kümmert sich um die kleinen und großen Probleme der Nutzerinnen und Nutzer.
Einer der Freiwilligen ist der 69-jährige Roland Schwarz, der bereits seit fünf Jahren regelmäßig das Mehrgenerationenhaus besucht und aushilft, wenn sein handwerkliches Geschick gebraucht wird. „In so einem Haus ist jede Woche etwas anderes zu tun. Ich habe dort schon viele Stühle repariert und sogar einen Bauwagen ausgebaut, in dem nun Spielzeug für die Kinder gelagert wird", berichtet er. Seit der Eröffnung des „Repair Cafés" nimmt der gelernte Möbelschreiner regelmäßig an den Treffen im Mehrgenerationenhaus teil, hilft bei Reparaturen und gibt sein Wissen weiter.
Jede und jeder Freiwillig Engagierte im „Repair Café" verfügt über ein eigenes Spezialgebiet: Von versierten Handwerkerinnen und Handwerkern über geschickte Handarbeiterinnen, Hobbybastlerinnen und -bastler bis hin zu Elektronik-Profis sind alle vertreten. Roland Schwarz' Spezialgebiet ist das Holz, doch er assistiert auch gern bei Elektronik oder Fahrrädern. „Man lernt noch immer viel dazu und sammelt wichtige Erfahrungen, wann eine Reparatur noch möglich und lohnenswert ist", sagt der Rentner. Die Bandbreite der defekten Gegenstände ist sehr vielfältig und saisonal abhängig. So kommen im Sommer viele Nutzerinnen und Nutzer mit kaputten Fahrrädern, in der Weihnachtszeit sind insbesondere Beleuchtungsketten und traditionelle Lichterbögen reparaturbedürftig. „Es kommt auch vor, dass die Geräte gar nicht kaputt sind, sondern nur falsch bedient werden. Dann muss man gar nicht viel machen und doch ist nachher die Freude der Besitzerinnen und Besitzer groß", erzählt Roland Schwarz.
Hilfe zur Selbsthilfe
Die Reparatur der Geräte erfolgt im „Repair Café" nicht wie in einer herkömmlichen Werkstatt, denn die Gäste sind dazu aufgefordert, selbst mit anzupacken. Im Sinne einer Hilfe zur Selbsthilfe wird das Fachwissen von den Freiwillig Engagierten weitergegeben und gemeinsam nach einer Lösung des Problems gesucht. „Vielen Nutzerinnen und Nutzern des Angebots, die erstmalig mit einem kaputten Gegenstand ins Mehrgenerationenhaus kommen, ist nicht bewusst, dass sie bei uns das Reparieren lernen und selbst Hand anlegen sollen. Die meisten probieren es dann aber gern aus und sind erstaunt, wozu sie in der Lage sind", erzählt Ronny Habel. So ist es im „Repair Café" im Mehrgenerationenhaus Langen nicht verwunderlich, wenn eine ältere Dame mit einem Schraubenzieher an ihrer defekten Kaffeemaschine schraubt und sichtlich Freude an ihrem neu entdeckten handwerklichen Geschick zeigt.
Im „Repair-Café" lernen Jung und Alt viel Neues. Die hier gesammelten Erfahrungen führen auch dazu, dass die Nutzerinnen und Nutzer des Angebots Alltagsgegenstände auf eine andere Art wahrnehmen und wertschätzen. Ronny Habel ist dieser Aspekt sehr wichtig: „Wir suchen gezielt das Gespräch, um gemeinsam nach Reparaturmöglichkeiten zu suchen und dafür zu sensibilisieren, dass nicht jedes defekte Gerät direkt im Müll landen muss. So tragen wir dazu bei, die nachhaltige Nutzung von Materialien zu stärken", erklärt er.
Außerdem bietet das „Repair Café" eine gute Gelegenheit zum generationenübergreifenden Austausch. Das Angebot ist ein beliebter Treffpunkt für Menschen jeden Alters geworden, die hier ihr handwerkliches Know-how weitergeben oder ausbauen, aber auch gern bei einer Tasse Kaffee über Alltagsthemen sprechen. „Ich schätze bei den regelmäßigen Treffen in unserem „Repair Café" vor allem die Kommunikation mit den Nutzerinnen und Nutzern. Der Austausch zwischen den Generationen ist ein wichtiger Wert, der bei uns aktiv gelebt wird", sagt Ronny Habel.