Gelebte Integration im Mehrgenerationenhaus Merseburg
Das Mehrgenerationenhaus Merseburg fördert den Dialog zwischen Menschen mit verschiedenen kulturellen Hintergründen und unterschiedlichen Alters und gibt ihnen die Möglichkeit, das tägliche Leben gemeinsam zu gestalten. Für die umfangreiche Integrationsarbeit wurde das Haus bereits im Jahr 2013 ausgezeichnet und bekam den Titel „Respekt! Kein Raum für Rassismus" von der gleichnamigen Initiative verliehen. Im Oktober 2014 würdigte außerdem Ministerpräsident Dr. Reiner Haseloff bei einem Besuch die wertvolle soziale und zivilgesellschaftliche Arbeit des Mehrgenerationenhauses.

Im Mehrgenerationenhaus Merseburg treffen viele verschiedene Kulturen aufeinander. Um dies als Chance zu nutzen und den interkulturellen und generationenübergreifenden Dialog zu fördern, liegt ein Schwerpunkt der Angebote des Mehrgenerationenhauses im Bereich Integrationsarbeit. So bietet das Mehrgenerationenhaus unter anderem regelmäßig Kommunikationskurse und offene Treffen an, mit deren Hilfe die Migrantinnen und Migranten zum einen die deutsche Sprache erlernen und zum anderen Unterstützung bei der Bewältigung von Alltagsproblemen erfahren.
„Die Begegnungen in der Einrichtung sorgen dafür, dass die Menschen in den Austausch treten und sich mit den verschiedenen Kulturen auseinandersetzen. Dies ist der beste Weg, die gegenseitige Scheu zu überwinden und den kulturellen Austausch zu stärken", sagt Peter Wetzel, Leiter des Mehrgenerationenhaus Merseburg.
Die Möglichkeiten im Haus sind vielfältig und sprechen alle Generationen an. So reichen beispielsweise die Angebote für Kinder und Jugendliche mit und ohne Migrationshintergrund von Theatergruppen über eine Ferien- und Hortbetreuung bis zur Hausaufgabenhilfe und thematischen Projekttagen. Dies wirkt sich häufig auch auf das Interesse der Eltern und weiteren Familienangehörigen aus, die sich dann oft selbst von den Aktivitäten im Mehrgenerationenhaus überzeugen lassen. „Schon das Zusammenkommen im Mehrgenerationenhaus Merseburg ist gelebte Integration. Den Menschen wird ein Ort geboten, an dem sie am Alltag gleichberechtigt teilnehmen können", sagt Peter Wetzel.
Verknüpfung von Integration und Engagement
In den Projekten, aber auch im Austausch mit anderen Nutzerinnen und Nutzern, bringen die Menschen mit Migrationshintergrund ihre eigenen Kompetenzen ein und können diese stärken. „Unser Haus ist ein Ort, an dem die Menschen viele Möglichkeiten haben, wenn sie diese nutzen wollen", sagt Peter Wetzel. Das Freiwillige Engagement gerade auch von Menschen mit Migrationshintergrund ist im Mehrgenerationenhaus in Merseburg ein wichtiger Bestandteil für die alltägliche Arbeit. Bereits seit etwa zwölf Jahren bieten beispielsweise drei ältere Frauen mit Migrationshintergrund ein Unterstützungsangebot für andere Migrantinnen und Migranten in alltäglichen Angelegenheiten. Als sogenannte Migrationslotsen begleiten die Freiwillig Engagierten etwa Behördengänge, helfen bei Verständnisschwierigkeiten und geben eigene Erfahrungen weiter. Da dieses Angebot sehr gut angenommen wird, soll der Dienst ausgeweitet und in Zukunft zusätzlich auch von Bundesfreiwilligendienstleistenden angeboten werden.
Daneben sind zahlreiche Nutzerinnen und Nutzer mit Migrationshintergrund im Mehrgenerationenhaus mit kleineren Projekten aktiv und bieten zum Beispiel eigene Kurse in der Kreativwerkstatt an oder arbeiten in der Küche mit. Seit kurzer Zeit unterstützen außerdem zwei afrikanische Migranten das Mehrgenerationenhaus als Freiwillig Engagierte und helfen dem Hausmeister bei verschiedenen Aufgaben. „Die beiden Männer haben hier in der Einrichtung ein Praktikum absolviert und dadurch bereits ein wenig Deutsch gelernt. Weil sie sich bei uns so wohlfühlen, sind die handwerklichen Aufgaben für sie eine tolle Möglichkeit, im Mehrgenerationenhaus engagiert zu bleiben und ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten in diesem Bereich auszubauen", sagt Peter Wetzel. Die Angebote und Möglichkeiten im Mehrgenerationenhaus sollen auch dabei helfen, die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund in den Arbeitsmarkt voranzubringen. Dies ist kein einfaches Vorhaben, dennoch wurden bisher bereits neun Personen erfolgreich in den Arbeitsmarkt vermittelt.
Neben der Integrationsarbeit ist das Mehrgenerationenhaus Merseburg auch gegen rechte Gewalt engagiert. Im Projekt „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage" kooperiert das Haus mit Schulen in der Region, um aktiv gegen Unwissenheit und Ausländerfeindlichkeit vorzugehen. Für den toleranten und offenen Umgang mit allen Kulturen wurde dem Mehrgenerationenhaus im September 2013 der Titel „Respekt! Kein Platz für Rassismus" im Rahmen des gleichnamigen gemeinnützigen Projekts verliehen.
Würdigung durch den Ministerpräsidenten
Durch die vielfältige, interkulturelle und generationenübergreifende Arbeit, die das Haus schon seit vielen Jahren kontinuierlich leistet, ist es zu einer wichtigen Plattform für die Familien- und Entwicklungspolitik in Sachsen-Anhalt geworden. „Mehr profitieren kann eine Stadt von einem Mehrgenerationenhaus nicht", sagte der Ministerpräsident Dr. Reiner Haseloff bei seinem Besuch im Mehrgenerationenhaus Merseburg am 15. Oktober 2014. Im Rahmen seiner Reise zum Thema „Familienfreundliches Sachsen-Anhalt" wurde das Mehrgenerationenhaus Merseburg für den Besuch des Ministerpräsidenten ausgewählt und für die Verknüpfung von Integration und Engagement gelobt. Der Hausleiter Peter Wetzel schaut optimistisch in die Zukunft und verfolgt das Ziel, die qualitativ hochwertige Arbeit und die Vielzahl der Angebote weiterhin aufrechtzuerhalten. „Ganz besonders wünsche ich mir, dass das Mehrgenerationenhaus zukünftig zur permanenten Infrastruktur Merseburgs gehören wird", so Peter Wetzel.