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Wie Mehrgenerationenhäuser Angebote umsetzen: Neues aus den Häusern

Abendbrot für alleinerziehende Mütter: Zusammen isst man weniger allein

Zwischen Kita, Job und Haushalt sind alleinerziehende Mütter oft besonders gefordert und erbringen logistische und emotionale Höchstleistungen – nicht selten auf Kosten der eigenen sozialen Kontakte. Anlässlich des Internationalen Frauentags blicken wir auf ein besonderes Angebot des Flaks e.V.-Zentrum für Frauen und Mehrgenerationenhaus Hamburg-Altona: Während ihre Kinder betreut werden, finden Alleinerziehende hier beim gemeinsamen Abendbrot Raum für Austausch, Vernetzung und gegenseitige Stärkung.

© Flaks e.V.-Zentrum für Frauen und Mehrgenerationenhaus Hamburg-Altona

Wer an einem späten Mittwochnachmittag das Flaks e.V.-Zentrum für Frauen und Mehrgenerationenhaus Hamburg-Altona betritt, trifft auf eine große, lebendige Runde am Abendbrottisch: Rund 30 Menschen – Mütter, Kinder, Betreuerinnen – lassen hier gemeinsam den Tag ausklingen. Auf dem Tisch stehen Obstsalat, Brötchen, Joghurt und Käse, manchmal gibt es auch Nudeln mit Tomatensoße oder andere warme Gerichte. Die lockere Atmosphäre ist geprägt von regem Austausch zwischen den Frauen.

Seit März 2024 veranstaltet das Flaks einmal wöchentlich dieses Abendessen für alleinerziehende Mütter und ihre Kinder. Es ist weit mehr als eine gemeinsame Mahlzeit: Das Angebot soll den Frauen echten Freiraum verschaffen, ihnen dabei helfen, Kontakte zu knüpfen – und ihnen die Möglichkeit geben, voneinander zu lernen. „Zuhause sitze ich allein und lerne nichts, hier erfahre ich immer vieles, was für mein Leben als alleinerziehende Mutter interessant ist”, sagt eine der Teilnehmerinnen. 

Alleinerziehende stehen vor besonderen Herausforderungen

In Deutschland ist jede fünfte Familie allein- oder getrennterziehend. Die Zahl der alleinerziehenden Mütter ist dabei deutlich höher als die der Väter. Alleinerziehende tragen die gesamte Verantwortung für ihre Familie, sorgen für den Lebensunterhalt, kümmern sich um den Haushalt und haben vor allem immer die Kinder, ihre Erziehung und Zukunft im Fokus. Dabei bleibt ihnen jedoch oft wenig Zeit für soziale Kontakte – und für sich selbst. 

Genau das war der Ausgangspunkt für Diplom-Pädagogin Gabriele May, die das Format ins Leben gerufen hat. Als Beraterin für Mütter begegnet sie im Flaks vielen Frauen, die ihre Kinder ohne familiäre Unterstützung großziehen und sich dabei manchmal isoliert fühlen. Viele der Mütter, die das Mehrgenerationenhaus besuchen, haben eine Flucht- oder Migrationsgeschichte. „Gerade diese alleinerziehenden Mütter erleben oft eine doppelte Herausforderung: Die Herkunftsfamilie ist weit weg und das soziale Netzwerk vor Ort noch dünn“, sagt May. 

Entlastung schaffen, Netzwerke knüpfen

Im Flaks finden sie Anschluss: Jeden Mittwochabend öffnet das Mehrgenerationenhaus seine Türen für eine feste Gruppe von etwa zwölf Frauen. Während ihre Kinder gemeinsam spielen, haben die Mütter in einer von Gabriele May begleiteten Gesprächsrunde die Möglichkeit, Fragen und Sorgen zu teilen. „Es kommen durchaus heftige Themen auf den Tisch, von Erziehungssorgen bis zu Gewalterfahrungen“, so May. „Eine professionelle Begleitung ist dabei wichtig, auch um Unterstützungsangebote aufzuzeigen und bei Bedarf direkt in die Einzelberatung überzuleiten.“

Vor allem aber lernen die Frauen viel voneinander – sei es im Hinblick auf den Umgang mit Behörden, die Erziehung oder ganz praktische Alltagshilfe, wie etwa Tipps für das Finden  eines bezahlbaren Schlüsseldienstes in einer Notsituation. In der Zeit, in der sich eine feste Gruppe immer regelmäßig im Flaks trifft, entsteht oft ein gegenseitiges Vertrauen, sodass auch sehr persönliche Erfahrungen ausgetauscht werden. Gabriele May schätzt diese Momente besonders. „Die Teilnehmerinnen kommen aus unterschiedlichen Herkunftskulturen und der Austausch darüber ist für alle sehr bereichernd“, sagt sie. Ihr Ziel: Dass aus den Begegnungen im Mehrgenerationenhaus langfristige private Netzwerke entstehen.

Auch ein Highlight für die Kinder

Schon während der Gespräche beginnen die Vorbereitungen für die gemeinsame Mahlzeit: Einige der Frauen schneiden Gemüse und Obst für die Salate, andere kümmern sich um die Brötchen. Um halb sechs setzen sich alle gemeinsam an den Tisch. Für viele der Kinder ist das wöchentliche Abendessen ein Highlight. „Einige sagen, es sei wie ins Restaurant zu gehen“, berichtet Gabriele May.

In einer Zeit, in der die finanziellen Belastungen durch steigende Lebenshaltungskosten insbesondere Alleinerziehende hart treffen, hilft das Abendessen auch ganz praktisch: Die Lebensmittel werden von der Hamburger Tafel gespendet. Oft bleibt nach dem Essen etwas übrig, das die Mütter mit nach Hause nehmen können. 

Begegnungen vor Ort schaffen

Das Format kommt bei den alleinerziehenden Müttern gut an. „Die Nachfrage ist hoch“, berichtet May. „Das Abendessen ist immer gut besucht. Ich würde mir wünschen, dass es in Deutschland mehr solcher Angebote gäbe.“ Das Mehrgenerationenhaus eignet sich dabei besonders gut als Ort der Begegnung, auch weil die Bedarfe dort oft zuerst erkannt werden. Zudem finden die alleinerziehenden Mütter im Haus weitere wichtige Angebote, die sie beispielsweise beim Wiedereinstieg in den Beruf oder bei der Verbesserung ihrer Deutschkenntnisse unterstützen.

Was rät Gabriele May anderen Mehrgenerationenhäusern, die ähnliche Formate umsetzen wollen? „Man braucht gute Kooperationspartner, wie wir sie zum Beispiel mit der Tafel haben”, betont sie. Wichtig sei zudem pädagogische Erfahrung, denn die Gespräche mit den alleinerziehenden Müttern seien oft nicht leicht. Und nicht zuletzt brauche es ein verlässliches Team – sowohl für die Kinderbetreuung als auch für die Küche. Im Flaks besteht dieses zum Teil aus Ehrenamtlichen, die früher selbst Unterstützung im Haus gefunden haben – und nun glücklich sind, etwas zurückgeben zu können.

Mehr Informationen zum Angebot gibt es auf der Flaks-Website.

© Privat
Diplom-Pädagogin und Gründerin des Formats Gabriele May.