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Wie Mehrgenerationenhäuser Angebote umsetzen: Neues aus den Häusern

Die „Aktion zusammen wachsen" in den Mehrgenerationenhäusern

Patenkind Josiph und Schülerpatin Inge Stremmel – dieses Duo versteht sich. Und das seit 2007. Seitdem treffen sich die beiden jeden Montag, um gemeinsam Hausaufgaben zu machen, Diktate zu schreiben, zusammen zu rechnen, für Klassenarbeiten zu üben oder Märchenbücher zu lesen.

Schülerpatin und Patenkind beim Lernen: Inge Stremmel und Lucija

InsbesonderedasLesenhält Frau Stremmel für eine Schlüsselqualifikation: „Wer nicht gut lesen kann, hat auch keinen Erfolg in der Schule". „Pippi Langstrumpf" war das erste Buch, das sie gemeinsam mit Josiph gelesen hat. Auch dank der Hilfe seiner Schülerpatin hat der kroatische Junge aus Rosenheim, der in der ersten Klasse noch mit Problemen in Deutsch zu kämpfen hatte, den Sprung auf die Realschule geschafft. Die heute 74-Jährige bleibt jedoch bescheiden: „Das ist allein Josiphs Erfolg. Ich habe ihm nur Hilfestellung gegeben." Als Josiphs jüngere Schwester Lucija in die Schule kam, wurde Frau Stremmel auch ihre Schülerpatin - mit Erfolg: Lucija wird im Sommer von der Grundschule auf das Gymnasium wechseln, wie Frau Stremmel mit Stolz berichtet.

Das Projekt „Schülerpaten" legt das Fundament für eine erfolgreiche Integratio

Zusammengefunden haben Frau Stremmel und ihre Patenkinder über das Projekt „Schülerpaten" des Mehrgenerationenhauses Rosenheim, das seit 2007 in enger Kooperation mit der örtlichen Grundschule Erlenau angeboten wird: Die Schule vermittelt die Kinder der Klassen eins bis vier. Die Patinnen und Paten kommen aus dem Mehrgenerationenhaus. Meist sind es Seniorinnen und Senioren, aber auch andere Altersgruppen, darunter Studentinnen und Studenten, die freiwillig und unentgeltlich für ihre Patenkinder da sind.

Durch ihr freiwilliges Engagement tragen die Schülerpatinnen und Schülerpaten dazu bei, Bildungsdefizite bei Kindern mit Migrationshintergrund abzubauen und dadurch das Fundament für eine erfolgreiche Integration zu legen. „Mit unserem Bildungsangebot sollen die Schulkarrieren von Kindern mit Migrationshintergrund frühestmöglich positiv beeinflusst werden", sagt der Leiter des Projekts und Koordinator des Mehrgenerationenhauses Rosenheim, Klaus Schindler.

Die „Aktion zusammen wachsen" steht Patenschaftsprojekten mit Rat und Tat zur Seite

Bei seiner Integrationsarbeit vor Ort kann das Mehrgenerationenhaus Rosenheim auf die Unterstützung des Bundesprogramms „Aktion zusammen wachsen" zählen. Mit diesem Programm fördert das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) in Kooperation mit der Bundesbeauftragten für Migration, Flüchtlinge und Integration bestehende Patenschaftsprojekte und regt die Gründung neuer Angebote an. Auch die Vernetzung der verschiedenen Projekte untereinander und das Werben für Patenschaftsmodelle gehören zu den Aufgaben der „Aktion zusammen wachsen". Ziel des Bundesprogramms ist es, allen Kindern und Jugendlichen die gleichen Bildungschancen zu ermöglichen und so die Integration von Zuwandererfamilien in Deutschland zu fördern.

Bei allen Fragen zum Programm ist die Bundesservicestelle im Bundesamt für Familie und gesellschaftliche Aufgaben (BAFzA) in Köln der richtige Ansprechpartner. Sie stellt Informationen bereit und vermittelt praktisches Wissen rund um Patenschaften. Wer im Rahmen seiner laufenden Projekte Beratung und Unterstützung sucht, wird sie bei der Bundesservicestelle finden. Sie steht auch denjenigen mit Rat und Tat zur Seite, die die Gründung eines Patenschaftsprojekts planen. Daneben können sich alle Patenschaftsprojekte auf der Website der „Aktion zusammen wachsen" (www.aktion-zusammen-wachsen.de) in einer Projektdatenbank registrieren lassen. Interessierte werden dort auch das Angebot „Schülerpaten" des Mehrgenerationenhauses Rosenheim finden.

Hauskoordinator Klaus Schindler hält insbesondere die Informationsmaterialien der Bundesservicestelle „für eine tolle Geschichte". „Wenn mich Gemeinden und andere Mehrgenerationenhäuser auf unser Projekt ansprechen, gebe ich ihnen immer auch die Informationsmaterialien der Bundesservicestelle mit", so Schindler. Als besonders hilfreich erwies sich der bundesweite Aktionstag „Bildungspatenschaften direkt - gemeinsam aktiv!" am 25. Mai 2011. Zum Aktionstag fand deutschlandweit eine Vielzahl von Veranstaltungen mit zahlreichen Patenschaftsprojekten statt, um die öffentliche Aufmerksamkeit für Patenschaften zu stärken. Klaus Schindler nahm diesen Tag zum Anlass, um regionale Journalistinnen und Journalisten zu einem Pressegespräch in das Mehrgenerationenhaus einzuladen und sie über die Projekte des Hauses zu informieren – Positivschlagzeilen in der regionalen Presse waren da vorprogrammiert. Am 26. September 2012 ergibt sich dafür die nächste Chance – dann findet wieder ein bundesweiter Aktionstag „Voneinander lernen – Füreinander da sein" statt.

Alle Mehrgenerationenhäuser können von der „Aktion zusammen wachsen" profitieren

Doch auch die Patenschaftsprojekte anderer Mehrgenerationenhäuser profitieren von der Arbeit der „Aktion zusammen wachsen". Für Renate Klute, Leiterin der „Aktion Leselust" des Mehrgenerationenhauses Hildesheim, war vor allem eine von der Bundesservicestelle organisierte Landestagung über Integrationsprojekte ein echter Gewinn: „Die Gespräche, die man bei solchen Veranstaltungen führt, helfen immer weiter. Man lernt andere Programme und Angebote kennen und kann untereinander Erfahrungen austauschen", so Klute. Bei der „Aktion Leselust" lesen Patinnen und Patinnen einmal in der Woche gemeinsam mit Gruppen von Kindergarten- und Grundschulkindern, unter ihnen viele mit Migrationshintergrund. Das Mehrgenerationenhaus koordiniert das Projekt, bildet die Lesepatinnen und Lesepaten aus – momentan sind 128 Personen ehrenamtlich aktiv – und vermittelt sie in die Einrichtungen der lokalen Kooperationspartner.

Die „Aktion zusammen wachsen" erleichtert das Zusammenkommen von Patinnen und Paten mit ihren Patenkindern – Patinnen wie Inge Stremmel und Patenkindern wie Josiph und Lucija. Für Frau Stremmel steht die Firmung Josiphs vor der Tür, zu der sie von seiner Familie eingeladen wurde. Momentan überlegt sie, was sie Josiph schenken könnte. „Vermutlich wird es ein Buch", sagt sie.