Freiwilliges Engagement sorgt für leuchtende Augen bei Jung und Alt
Im Süden Lüneburgs (Niedersachsen) haben Lehren und Lernen ein Zuhause. Dafür sorgt nicht nur die hier angesiedelte Universität. Vielmehr findet ein generationenübergreifender Austausch von Wissen und Erfahrungen vor allem auch im nahegelegenen Mehrgenerationenhaus statt. Möglich macht dies unter anderem eine enge Zusammenarbeit mit der benachbarten Hochschule. Kooperationen wie diese stärken in Lüneburg das Miteinander von Menschen verschiedener Lebensalter – und lassen zudem das Freiwillige Engagement vor Ort bestens gedeihen.

Am Anfang bewegen sich die Stricknadeln nur langsam und unsicher in den Händen der jungen Studentinnen und Studenten. Nicht anders sieht es aus, wenn einige Räume weiter, Seniorinnen und Senioren in einem Computer-Kurs ihre ersten Übungen mit Tastatur und Maus machen. Diese beiden Beispiele zeigen: Im Mehrgenerationenhaus Lüneburg gibt es zahlreiche Angebote, in deren Rahmen Jung und Alt einander Neues beibringen und sich näherkommen. Denn Freiwillig Engagierte verschiedener Lebensalter bringen sich mit ihren Fähigkeiten und Fertigkeiten bei diesem Austausch ein.
Seniorinnen und Senioren erklären beispielsweise Studierenden verschiedene Handarbeits-techniken. Im Gegenzug können Ältere in Kursen das Wichtigste über High-Tech-Geräte wie Handy und PC erlernen. Auch der Fremdsprachenunterricht bietet ihnen die Gelegenheit, von den Kenntnissen und Kompetenzen der Jüngeren zu profitieren. Wie diese auch von ihren „Schülern" mit Lebenserfahrung lernen, davon kann beispielsweise Daniel Sloot berichten. Der 21-Jährige gibt im Rahmen seines Einsatzes im Mehrgenerationenhaus Seniorinnen und Senioren Englischunterricht. „Mein Engagement bereichert mich persönlich – und bringt mich auch inhaltlich weiter. Ich lerne beispielsweise, Wissen besser zu vermitteln. Dabei kann ich im Austausch mit älteren Menschen auch von deren Kenntnissen profitieren", sagt der Wirtschaftspsychologie-Student von der Leuphana Universität Lüneburg über seinen Einsatz.
Stabile Kooperationen zum Nutzen aller Beteiligten
Ausgangspunkt für einen derart lebendigen Austausch und die Arbeit im Mehrgenerationenhaus Lüneburg sind oftmals Kooperationen mit anderen Institutionen aus der Umgebung. Ob beispielsweise in der Zusammenarbeit mit dem örtlichen Gymnasium oder eben im Schulterschluss mit der Leuphana Universität Lüneburg: Die Vernetzung des Hauses macht vieles möglich – und bietet Vorteile für alle Beteiligten. „Wir haben eine ganze Reihe von Kooperationen angestoßen und Strukturen geschaffen, die es möglich machen, dass Menschen in unserem Haus vom Wissen und Können anderer profitieren können", sagt Hausleiterin Claudia Kuchler. „Ich höre aber immer wieder von den Engagierten, dass auch sie im Gegenzug viel aus ihrem Einsatz ziehen." Das kann Daniel Sloot nur bestätigen. Für ihn ist das Engagement beispielsweise eine gute Möglichkeit, Verantwortung zu übernehmen und dabei auch gleich die Gewohnheiten und den Alltag älterer Menschen kennenzulernen.
Während des Englischkurses fügt sich im Austausch mit den Seniorinnen und Senioren – ganz beiläufig zum Spracherwerb – Stück für Stück das Bild vom Leben einer anderen Generation zusammen. „Wir haben in der Weihnachtszeit beispielsweise darüber gesprochen, wie wir das Fest feiern. Es war interessant zu sehen, welche (Kindheits-)Erinnerungen jeder mit dem Weihnachtsfest verbindet und wie die Einzelnen diese Zeit für sich und die Familie ganz individuell gestaltet", sagt der Student über seine Arbeit. So wächst im Mehrgenerationenhaus nicht nur das Verständnis füreinander, sondern auch das Interesse an der Lebensgeschichte und den Erlebnissen der anderen Generation. Das kennt auch Indra Vogel. Sie war als Studentin ebenfalls freiwillig engagiert im Mehrgenerationenhaus tätig und zeigt sich bis heute dankbar für diese Erfahrung. „Dieser Austausch bereichert mich so sehr. Er lässt mich auch positiv und neugierig ans Älterwerden denken", berichtet sie.
Die große Nachfrage zeugt vom großen Erfolg
Daniel Sloot und Indra Vogel stehen mit ihrer Meinung nicht alleine. Ganz im Gegenteil. Dass das Mehrgenerationenhaus für alle Nutzerinnen und Nutzer sowie die Freiwillig Engagierten einen echten Gewinn darstellt, hat sich herumgesprochen. So werden die Angebote und Dienstleistungen des Hauses mittlerweile von Menschen aus den gesamten Stadtgebiet und dem Landkreis geschätzt. Und auch der Zulauf bei den Freiwillig Engagierten ist groß. Claudia Kuchler steht dabei auch schon mal vor einer besonderen Aufgabe wenn es zum Beispiel gilt, einen echten Ansturm von Aktiven in die richtigen Bahnen zu lenken. „So ging es mir beispielsweise, als sich vor einiger Zeit 26 Schülerinnen und Schüler eines benachbarten Gymnasiums bei mir mit dem Wunsch angemeldet haben, sich zu engagieren", erzählt Claudia Kuchler mit einem Schmunzeln.
Insgesamt 115 Freiwillig Engagierte zählen derzeit zum festen Stamm im Haus, das sich in Trägerschaft des Caritasverbandes Lüneburg befindet. Die „festen" Helferinnen und Helfer im Alter zwischen 11 und 76 Jahren werden zudem immer wieder auch von Freiwilligen unterstützt, die nicht regelmäßig im Mehrgenerationenhaus tätig sind. Das rege Interesse aber auch die Rückmeldungen der Freiwillig Engagierten zeugen von der erfolgreichen Arbeit im Haus. „Immer wieder sehe ich leuchtende Augen bei jungen und älteren Freiwillig Engagierten, wenn sie bei uns tätig sind oder über ihre Aufgaben sprechen", berichtet Claudia Kuchler. „Das ist zum Beispiel der Fall, wennStudierende und ältere Menschen in unserem Erzählcafé im Wochenrhythmus zusammenkommen, um über ausgewählte Themen zu diskutieren. Dabei kommt es zu einem ganz engen Austausch mit Neugier auf beiden Seiten", beschreibt die Hausleiterin das Angebot. Wenn es beispielsweise um „Heimat und Zugehörigkeit" geht, bringen die Teilnehmenden ihre persönlichen Erfahrungen mit ein. Jeder kann im Austausch mit dem Gegenüber eigene Positionen neu überdenken und einordnen.
Erfolgsfaktoren, die sich bewährt haben
Was genau ist ausschlaggebend für die verschiedenen positiven Rückmeldungen? Nach den Erfolgsfaktoren für die Arbeit im Haus befragt, kann die diplomierte Sozialarbeiterin Claudia Kuchler gleich eine Reihe von Faktoren aufzählen: „Wir bieten Freiwillig Engagierten beispielsweise vielfältige Einsatzmöglichkeiten, persönlichen Gestaltungsspielraum und Flexibilität. Ich glaube, das motiviert die Menschen", berichtet die Hausleiterin. Freiwillig Engagierte können Verantwortung für ihr eigenes Umfeld übernehmen, durch ihr Engagement die Angebote in der Kommune mitgestalten und damit auch andere Interessierte motivieren. Aber das ist bei weitem nicht alles. Wichtig ist für die erfolgreiche Arbeit im Mehrgenerationenhaus auch, dass die Angebote alle Generationen ansprechen und beworben werden.
„Um Interessierte aller Altersgruppen in unser Haus zu bringen, kümmern wir uns intensiv um die Öffentlichkeitsarbeit und machen auf uns und die vielfältigen Angebote aufmerksam. Zudem stoßen wir eben viele Kooperationen an – zum Beispiel mit Kirchengemeinden, die Kinder aus Firmungsgruppen bei uns Erfahrungen sammeln lassen – und versuchen so schon bei den jungen Menschen Interesse für ein Freiwilliges Engagement zu fördern", berichtet Claudia Kuchler aus ihrem spannenden Alltag. Die leuchtenden Augen der Menschen im Haus belohnen sie für den Einsatz immer wieder aufs Neue.