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Wie Mehrgenerationenhäuser Angebote umsetzen: Neues aus den Häusern

Der Leseclub in Solingen: Wo Bücher Kindern eine ganze Welt eröffnen

Gemeinsam in Geschichten eintauchen und Freude am Lesen entdecken: Das Mehrgenerationenhaus schafft mit dem von der Stiftung Lesen geförderten Angebot einen Raum für Kinder aus aller Welt, in dem sie Ruhe finden und ihre Bildungschancen wachsen.

Mädchen liest konzentriert in einem Buch.

Im Mehrgenerationenhaus Solingen tobt das Leben: 420 Quadratmeter groß und zentral gelegen am Mevlüde-Genç-Platz ist es viel mehr als eine bloße Begegnungsstätte. Hier gibt es ein Café, mehrere Küchen, Seminar- und Arbeitsräume und Familienzimmer. Aber in einem Raum ist es heute ganz ruhig – obwohl 17 Kinder darin zusammensitzen. Ein Mädchen hält ein Buch in der Hand und liest den anderen vor. Nach ein paar Seiten gibt sie das Buch weiter, dann ist das nächste Kind dran.

Kulturelle Bildung macht Kinder zu starken Menschen

Gemeinsam tauchen die Kinder in die Geschichte von Mevlüde Genç ein. Die Friedensbotschafterin hatte im Mai 1993 zwei Töchter, zwei Enkelkinder und eine Nichte durch einen rechtsextremen Brandanschlag verloren – und sich danach trotz dieses Verlustes und großen Leids immer wieder für Versöhnung und Zusammenhalt stark gemacht. „Zum dreißigsten Jahrestag des Anschlags wurde der Platz, an dem unser Mehrgenerationenhaus steht, zum Mevlüde-Genç-Platz umbenannt“, erklärt Claudia Schäfer, Erzieherin im Mehrgenerationenhaus. „Nicht nur deswegen ist es uns ein großes Anliegen, ihr Erbe lebendig zu halten.”  

Seit 2023 findet im Mehrgenerationenhaus Solingen dreimal pro Woche der Leseclub statt. „Wir möchten damit die Freude am Lesen und das Leseverständnis fördern. Und dabei geht es um weit mehr als um das Entziffern von Buchstaben“, sagt Claudia Schäfer. „Es geht um Bildungschancen, aktive Teilhabe und Persönlichkeitsentwicklung.“

Wenn gelesen wird, kehrt Ruhe ein

Die Kinder, die montags, dienstags oder donnerstags im Leseclub zusammenkommen, sind zwischen sechs und zwölf Jahre alt. Ihre familiären Wurzeln liegen in der Türkei, in der Ukraine, in Syrien, Sri Lanka, oder Bulgarien. „Es ist wunderbar zu beobachten, wie sich die Atmosphäre im Raum verändert, wenn die Vorleserunden beginnen“, sagt Schäfer. „Die Kinder sind während des Leseclubs erstaunlich ruhig und konzentriert.“ Die Auswahl der Lektüre ist dabei breit gefächert – der ganze Raum steht von oben bis unten voller Bücher. Mal geht es, wie in „Mevlüde bleibt!“, um ernste Themen. Andere Bücher wie „Die kleine Hummel Bommel“ stärken die Kinder mit mutmachenden Botschaften: Sei du selbst, glaub an dich und du kannst alles schaffen! Und bei „Die drei ??? Kids“ wird es einfach richtig spannend und die Kinder fiebern mit den Protagonisten mit. 

Dabei werden die Bücher nicht nur gelesen: „Wir sprechen über die Inhalte, dann erzählen die Kinder von ihren eigenen Erfahrungen. Und wir transportieren sie ins echte Leben. Wenn es zum Beispiel um einen Schatz ging, basteln wir einen. Oder wenn es eine Weihnachtsgeschichte war, backen wir Plätzchen. Die Kinder verinnerlichen eine Geschichte immer besser, wenn sie sie mit allen Sinnen erfahren“, so Schäfer.

Ein Ort, an dem Kinder wachsen können

Warum kommen die Kinder so gerne und regelmäßig? Die Antwort des Teams vor Ort ist berührend simpel: Sie freuen sich über das Angebot, weil es ein Ort ist, an dem sie gelobt werden und Anerkennung erfahren. Außerdem ist der Leseclub eingebettet in ein breites Netzwerk weiterer Hilfen im Haus, von der Hausaufgabenhilfe bis zur Beratung für migrationsspezifische Themen. In diesem geschützten Raum wachsen nicht nur Lesekompetenzen, sondern vor allem das Selbstwertgefühl – ein unschätzbarer Beitrag zur aktiven Teilhabe und zum Erbe von Zusammenhalt am Mevlüde-Genç-Platz.