Kick-off für die Karriere: Fußball verbindet Generationen – auf dem Platz und für die Ausbildung
Beim Projekt „Mein Talent. Meine Zukunft. Mein Heimspiel.“ tauschen Schülerinnen und Schüler die Bewerbungsmappe gegen Fußballschuhe. Das Prinzip ist so simpel wie gut: Erst spielen die Jugendlichen ein Hallenturnier gegen Unternehmen aus der Region – danach haben sie in lockerer Atmosphäre Zeit für Gespräche mit potentiellen Ausbildungsbetrieben.

Ob in der Altenpflege oder im Bauwesen, im Landkreis Harz werden in vielen Bereichen dringend Arbeitskräfte gesucht. Aber wie schafft man es, junge Menschen für eine Ausbildung in der Region zu gewinnen? „Wir haben dafür mit dem Projekt ‚Mein Talent. Meine Zukunft. Mein Heimspiel.‘ ein Erfolgskonzept gefunden“, sagt Detlef Rutzen vom Mehrgenerationenhaus „MGH-hoch-3“ in Halberstadt und erklärt: „Statt um steife Vorstellungsgespräche geht es dabei um Bewegung und Begegnungen auf Augenhöhe.“
Das Herzstück des Projekts ist das Turnier „Spiel gegen deinen künftigen Chef“, bei dem gemischte Mannschaften aus Halberstadt, Quedlinburg und Wernigerode gegeneinander antreten – in der Sporthalle und bei einem Wissensquiz in der Halbzeitpause. Auf der einen Seite stehen Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe aus vier Schulen. Auf der anderen Seite drei Mannschaften regionaler Unternehmen sowie eine Mannschaft der Agentur für Arbeit und der Wirtschaftsförderung. Am Ende gewinnt das Team, das sowohl beim Fußball als auch beim Quiz punktet. Die Quizfragen drehen sich um die regionale Wirtschaft und die Ausbildungsbetriebe, um Berufsbilder und Berufsausbildung.
Echte Begegnungen statt Bewerbungsstress
Schon vor dem Anpfiff können die Teilnehmenden die ersten Kontakte knüpfen, wenn die Mannschaften aus Schülerinnen und Schülern mit den Unternehmensmannschaften in der Sporthalle zusammentreffen. „Wenn alle die Fußballschuhe anhhaben, geht es nach und nach auf den Platz. Alle Mannschaften spielen gegeneinander – und spätestens dann spielen Hierarchien keine Rolle mehr. Deswegen ist das Turnier der perfekte Eisbrecher für die späteren Gespräche”, erklärt Rutzen, der für die Koordination des Projekts verantwortlich ist. Denn schließlich geht es bei dem Turnier nicht nur um Tore, nicht nur ums Gewinnen. Hinter dem sportlichen Spaß steckt das große Ziel, dem Fachkräftemangel entgegenzutreten. Um die Jugendlichen für sich zu gewinnen, präsentieren sich die Unternehmen rund um die Wettbewerbe mit Info-Ständen – und die Sporthalle verwandelt sich in eine lebendige Berufsmesse. „Auf der es aber dank des vorangegangen gemeinsamen Sportevents viel entspannter zugeht, als auf einer klassischen Messe. Man kommt viel einfacher und natürlicher ins Gespräch“, sagt Rutzen. Die Jugendlichen besuchen aktiv die Stände, die sie interessieren. Dieser niedrigschwellige Austausch ist enorm erfolgreich: Auf dem Turnier wurden schon viele Praktika vereinbart. Und dass die teilnehmenden Schülerinnen und Schüler noch weitere Klassen ihrer Schule zur Unterstützung mitbringen, die dann auch die Messe besuchen, macht das Projekt noch erfolgreicher.
Gemeinsam neue Perspektiven schaffen
Das Projekt ist eine Kooperation zwischen der Bundesagentur für Arbeit, dem VfB Germania Halberstadt, dem Kreissportbund Harz e. V., dem Kreisfachverband Fußball Harz – und dem „MGH-hoch-3“ in Halberstadt. Das Mehrgenerationenhaus engagiert sich bereits seit rund zwanzig Jahren im Bereich Berufsorientierung. 2012 wurde dann die Verbindung zum Projekt „Mein Talent. Meine Zukunft. Mein Heimspiel.“ geknüpft. „Wir sind verantwortlich für die Organisation und Koordination, von der Verwaltung der Startgebühren bis zur Abrechnung“, so Rutzen.
Ein Gewinn für alle Generationen
Die Unternehmen hingegen zahlen eine Startgebühr, während die Teilnahme für die Teams aus den Schulen kostenfrei ist. Die Einnahmen finanzieren nicht nur den Transport und die Verpflegung der Schülerinnen und Schüler, sondern fließen als Preisgelder direkt zurück an die Schulen. So wird aus einem Sportturnier ein echtes „Heimspiel“ für die Zukunft der Jugendlichen im Harz.