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Wie Mehrgenerationenhäuser Angebote umsetzen: Neues aus den Häusern

Leseförderung und Integration durch Freiwillig Engagierte

Das Mehrgenerationenhaus Weinheim verbindet mit dem Projekt „Kita- und Grundschulpaten" (KiG) Bildung und Integration auf spielerische Weise. Freiwillig Engagierte besuchen regelmäßig Kindergärten und Schulen, um durch Vorlesen das Sprach- und Lesevermögen von Kindern zu stärken und sie für Bücher zu begeistern. Dabei werden gezielt auch Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund angesprochen.

Iris Weihrauch (63) - Lesepatin im Mehrgenerationenhaus Weinheim

 Die Kinder sitzen bequem auf bunten Kissen und Decken. Gespannt lauschen sie einer Geschichte, während auf der anderen Seite der Vorhänge im Lesezelt das bunte Treiben des Moscheefests weitergeht. Mit der Aktion soll auf das Projekt „Kita- und Grundschulpaten" (KiG) des Mehrgenerationenhauses aufmerksam gemacht werden. Freiwillig engagierte Lesepatinnen und Lesepaten geben ihre Begeisterung für Bücher weiter und vermitteln Lese- und Lernfreude. 17 Freiwillig Engagierte sind dafür regelmäßig in der hauseigenen Kita, in vier Grundschulen und einer Förderschule in Weinheim im Einsatz. „Durch das Programm haben die Kinder Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner, die ihnen ungeteilte Aufmerksamkeit schenken", beschreibt die Koordinatorin des Hauses Khadija Huber, die mit der Idee ein bedarfsgerechtes Angebot im Schwerpunktthemenfeld des Aktionsprogramms „Integration und Bildung" etablieren möchte.

Freiwilliges Engagement zwischen Generationen und Kulturen

Zwei der Freiwillig Engagierten sind Chris Franzen (75) und Iris Weihrauch (63), die Lesepatinnen an einer Grundschule in Weinheim sind. Nach dem Ende ihrer beruflichen Tätigkeit im Verlagswesen möchte Chris Franzen etwas an die Gemeinschaft zurückgeben und sich im Bildungsbereich engagieren. „Ich hatte einfach das Gefühl, etwas Sinnvolles machen zu wollen!", erzählt die ausgebildete Fremdsprachenkorrespondentin. Chris Franzen liest den Schülerinnen und Schülern einer ersten Klasse altersgerechte Literatur vor und übt mit ihnen spielerisch die Texte aus dem Unterricht. „Am schönsten für mich ist, wie lieb die Kinder mich immer wieder aufnehmen und sich über mein Kommen freuen – das ist wirklich herzerwärmend", schwärmt die Lesepatin.

Enge Zusammenarbeit für den gemeinsamen Erfolg

Das KiG Projekt ist Teil des kommunalen Programms „Weinheimer Bildungskette". Maßgeblich unterstützt wird das Angebot von der Freudenberg Stiftung. Die Umsetzung des KiG-Projektes erfolgt in enger Zusammenarbeit mit dem örtlichen LIONS-Club, der Weinheimer Ehrenamtsbörse, dem Generali Zukunftsfonds sowie den fünf Weinheimer Grund- und Förderschulen. Speziell bei der Zusammenarbeit mit den Schulen musste zu Beginn des Projekts viel Vertrauen aufgebaut werden. Inzwischen sind die Lesepatinnen und Lesepaten ein fester Bestandteil des regulären Deutschunterrichts geworden. Sie lesen der Klasse während des Unterrichts vor und unterstützen, in enger Zusammenarbeit mit dem Lehrpersonal, auch Kinder, die zusätzliche individuelle Förderung benötigen. „Wir werden als wichtiger Partner der kommunalen Bildungskette wahrgenommen. Die gute Einbindung und die enge Begleitung ist Garant des Projekts", erklärt die Projektverantwortliche Elke König. Durch die Zusammenarbeit mit dem Generali Zukunftsfonds konnten mit gezielten Qualifizierungsangeboten noch bessere Anreize für die Freiwillig Engagierten geschaffen werden. In regelmäßigen Seminaren werden didaktische Techniken, die Literaturauswahl oder auch die Einbindung digitaler Medien trainiert. Die stetige Qualifizierung trägt dabei entscheidend zur Qualität und damit auch zur Akzeptanz des Projekts bei.

Mehrsprachigkeit als Bereicherung

Mit KiG werden auch gezielt Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund angesprochen, um diese insbesondere bei ihrem Schuleinstieg zu unterstützen. Der interkulturelle Ansatz des Projekts soll in Zukunft durch mehrsprachiges Vorlesen noch stärker zur Geltung kommen. Über den Weinheimer Moscheeverein, seit Jahren ein fester Partner des Mehrgenerationenhauses, konnte vor kurzem die erste mehrsprachige Lesepatin für das Projekt gewonnen werden.

Und der nächste große Schritt im Projekt steht bereits vor der Tür: Im Herbst 2015 werden 200 Flüchtlinge in Weinheim erwartet. Das Mehrgenerationenhaus hat sich vorgenommen, aktiv zu einer Willkommenskultur beizutragen sowie die zügige Integration der Familien und insbesondere der Kinder zu begleiten. Die Integration der Kinder in den Schulalltag soll auch durch die Lesepatinnen und -paten erleichtert und gefördert werden. „Wir wollen als Partner der Kommune und als Ort der Begegnung einen guten und gemeinsamen Weg ohne Angst aufzeigen", erklärt Khadija Huber die Rolle des Mehrgenerationenhauses. Die bisherigen Erfolge zeigen, wie Integration und Bildung als gemeinsames Projekt aller gut gelingen können.