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Wie Mehrgenerationenhäuser Angebote umsetzen: Neues aus den Häusern

Ein Zukunftsplan für die Kommune: Alt und Jung schmieden Visionen

Der demografische Wandel stellt gerade Kommunen im ländlichen Raum vor große Herausforderungen: Wie können zum Beispiel die speziellen Bedürfnisse älterer (alleinlebender) Menschen hier erfüllt werden? Wie können die Kommunen aber auch attraktiv für Jugendliche gemacht werden? Das Mehrgenerationenhaus Wunsiedel lud Jugendliche und ältere Menschen ein, gemeinsam Lösungen zu entwickeln, um die Kleinstadt für das Jahr 2025 fit zu machen. Heraus kamen neben einer Broschüre auch viele spannende Begegnungen zwischen den Generationen.

Bei dem generationenübergreifenden Projekt zwischen älteren Menschen und Teenagern entstanden nicht nur spannende Gespräche, sondern auch eine ansprechende Broschüre, die den teilnehmenden Seniorinnen abschließend überreicht wurde.

Welchen Bedarf haben ältere Menschen mit Blick auf die lokale Infrastruktur und die Versorgung vor Ort? Antworten auf diese Fragen können am besten die älteren Menschen selbst geben – das stand für die Koordinatorin des Mehrgenerationenhauses Wunsiedel, Heike Syma, fest. Um aktuelle wie auch zukünftige Anforderungen an die Kommune zu ermitteln, brachte sie Alt und Jung an einen Tisch: Heike Syma und ihre Mitarbeiterinnen luden einerseits gezielt ältere Menschen ein, mitzumachen. Andererseits wandten sie sich an die örtliche Realschule, ihren langjährigen Kooperationspartner, um auch die Perspektive und die Erwartungen junger Menschen einzubringen.

Zehn hochmotivierte Seniorinnen – die meisten über 80 Jahre alt – und eine Gruppe engagierter Neuntklässler ergriffen die Chance. Die Seniorinnen wurden mit dem Bürgerbus abgeholt und zur Schule gebracht, wo sie bereits von den Teenagern erwartet wurden: Wer Hilfe beim Aussteigen oder Treppensteigen brauchte, konnte sich auf helfende Hände verlassen. Kaffee und Kuchen brachen rasch das Eis. „Die Kleingruppen aus je zwei Seniorinnen und zwei Teenagern sind in sehr intensive Gespräche gekommen – das hat sogar beim ersten Treffen schon geklappt!", freut sich die Koordinatorin des Mehrgenerationenhauses.

Jeder kann etwas zum gelungenen Miteinander beitragen

Neuntklässler und Seniorinnen analysierten zunächst gemeinsam die Ist-Situation in Wunsiedel. Sie lernten die Sichtweise der anderen Generation kennen und stellten fest, dass sie trotz unterschiedlicher Perspektiven durchaus einige Meinungen teilen. „Kopfsteinpflaster ist zwar hübsch, aber weder für Rollatoren noch für Inlineskates oder für Kinderwagen geeignet – da waren sich alle Generationen einig", stellt Syma fest. 

Bei den regelmäßigen Treffen entwarfen Jugendliche und Seniorinnen konkrete Lösungsansätze. Sie untersuchten, welche Akteurinnen und Akteure zusammenarbeiten müssen, wo es Bedarf zum Beispiel an Fahrstühlen und einer verbesserten Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr gibt und wie Lieferdienste das Leben älterer Menschen erleichtern können. „Damit ein gutes Leben im Alter zuhause möglich wird, genügt eine Hightech-Ausstattung in der Wohnung allein nicht. Gebraucht wird auch menschliche Unterstützung", sagt die Koordinatorin des Hauses. Die entstandenen Ideen werden nun dem Bürgermeister vorgelegt. „Es ging aber nicht nur darum, Forderungen an die Verwaltung und Politik zu stellen. Vielmehr haben sich Alt und Jung auch die Frage gestellt, was sie selber für ein gelungenes Miteinander tun können und wollen." Außer Frage stand dabei die Rolle des 2008 neu gegründeten Mehrgenerationenhauses: „Der Wunsch nach generationenübergreifender Begegnung ist auf allen Seiten groß. Dass er durch das Mehrgenerationenhaus ermöglicht wird, ist in Wunsiedel selbstverständlich", sagt Heike Syma.

Ein Großprojekt an die Menschen herantragen

Den Anstoß für die Aktion gab ein Projekt der Metropolregion Nürnberg. In einem Innovationscluster werden derzeit technische Lösungen entwickelt, die eine medizinische Daseinsvorsorge in ländlichen Räumen sichern sollen. Der Bedarf an und die Anwendung von intelligenten Assistenzsystemen werden nun in der oberfränkischen Kreisstadt Wunsiedel erforscht. „Das Konzept war ideal, um es generationenübergreifend im Kleinen umzusetzen", sagt die Koordinatorin des Mehrgenerationenhauses Wunsiedel. Von dem Austausch profitierten damit alle: Für die soziale Entwicklung von Jugendlichen erwies sich der Kontakt zu älteren Menschen als wichtige Prägung. Die Seniorinnen genossen nicht nur den anregenden Austausch, sondern gewannen zudem ein Sprachrohr für ihre Wünsche. Nicht zuletzt freut sich der Bürgermeister: Er erhielt durch das Projekt des Mehrgenerationenhauses wichtige Informationen über die Bedürfnisse seiner Bürgerinnen und Bürger in Form einer ansprechenden Broschüre.