Ideenlabor im Mehrgenerationenhaus Rottweil
Im Frühjahr 2012 startete im Mehrgenerationenhaus Rottweil in Baden-Württemberg ein Dialogforum der besonderen Art. Bürgerinnen und Bürger aller Altersgruppen diskutieren regelmäßig über die Zukunft ihrer Stadt und denken darüber nach, wie sie diese gemeinsam gestalten können.

Viele kennen den Begriff der „Nachhaltigkeit" aus aktuellen Debatten, zum Beispiel im Zusammenhang mit Klima- und Umweltpolitik. Was bedeutet aber nachhaltiges Handeln im kommunalen Umfeld und was kann jeder Einzelne persönlich dazu beitragen? Dieser Frage gingen die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Rottweil beim Start des Forums: „ErneuerBar" im örtlichen Mehrgenerationenhaus nach. Das Forum bietet Jung und Alt die Möglichkeit, sich über Zukunftsthemen und gesellschaftliche Fragen in der eigenen Stadt auszutauschen sowie eigene Ideen und Visionen einzubringen.
Auf Einladung von Oberbürgermeister Ralf Bross wurde am 19. April 2012 im Rahmen der ersten Rottweiler „Nachhaltigkeitswoche" die „ErneuerBar" im Offenen Treff des Mehrgenerationenhauses eingeweiht. Die Idee zur „ErneuerBar" hat das Mehrgenerationenhaus gemeinsam mit der „Lokalen Agenda 21 Rottweil" entwickelt. „Lokale Agenden 21" beschäftigen sich auf kommunaler Ebene seit 1992 weltweit mit Zukunftsfragen im jeweiligen lokalen Umfeld.
Ideen finden, Gedanken austauschen und Wissen nachhaltig vernetzen
Im Mittelpunkt der Diskussion steht die Frage: „Was heißt für uns nachhaltig?". Bürgerinnen und Bürger, der Seniorenrat, das Kinder- und Jugendreferat, der Stadtjugendring, die Mitmachinitiative Rottweil und auch der Bürgermeister selbst bringen Gedanken und Ideen zu dieser Frage ein. Nach dem Vorbild der Workshop-Methode „Weltcafé" wurden gemeinsam Antworten zu den konkreten Fragen „Was ist in Rottweil verbesserungswürdig?" und „Was können wir dafür tun?" erarbeitet. „Wir haben uns bewusst für dieses Beteiligungsformat entschieden, da sich die meisten bei den üblichen Vorträgen und in großen Diskussionsrunden eher passiv verhalten", so Jutta Steffens vom Arbeitskreis „Umwelt und Klimaschutz" der Lokalen Agenda 21. Auch die Koordinatorin des Mehrgenerationenhauses Anja Schaber hofft, dass dieses neue Format viele freiwillig Engagierte und Interessierte motiviert, sich einzubringen und ihr regionales Umfeld aktiv mitzugestalten.
„Ein Blumenstrauß der Nachhaltigkeit"
Ausbau der Radwege, sparsamere Straßenbeleuchtung, Stärkung des Öffentlichen Nahverkehrs und der Einsatz von Elektroautos als Dienstwagen sind nur einige von vielen Ideen, die zum Thema „Nachhaltiges Rottweil" zusammengekommen sind. In einem „Blumenstrauß der Nachhaltigkeit" werden die Ergebnisse Oberbürgermeister Bross offiziell übergeben. „Die Beteiligung an der Auftaktveranstaltung im April war sehr gut. Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer diskutierten bis in die späten Abendstunden, obwohl wir nur von 19 bis 21 Uhr geplant hatten", freut sich die Koordinatorin des Mehrgenerationenhauses.
Das Diskussionsforum findet seither einmal im Monat zu wechselnden Schwerpunktthemen statt. „Welche Werte wollen wir unseren Jugendlichen vermitteln?" steht zum Beispiel im September auf dem Programm. Mit dem Oktoberthema „PARTyZIPATION - Einmischen in die Lokalpolitik" sollen in Kooperation mit dem Kinder- und Jugendreferat und dem Stadtjugendring insbesondere Jugendliche und junge Erwachsene angesprochen und motiviert werden, sich einzubringen und mitzumachen. Zur Vertiefung sollen sich die Schülerinnen und Schüler der örtlichen Gymnasien dann mit Seniorinnen und Senioren in Projektarbeiten im Mehrgenerationenhaus über nachhaltige Themen austauschen.
Das Mehrgenerationenhaus Rottweil hat sich zu einem echten Ideenlabor entwickelt. Generationenübergreifend werden Antworten auf die zukünftigen Herausforderungen der Stadt diskutiert und alle Interessierten können aktiv mitgestalten. Ein gutes Beispiel für das Zukunftspotenzial der Mehrgenerationenhäuser.