Niedrigschwellige Betreuungsangebote für demenziell Erkrankte
Im Mehrgenerationenhaus Bitterfeld-Wolfen gibt es seit etwa einem Jahr das Betreuungsangebot „Begegnungsstätte Demenz". Freiwillig Engagierte, die im Mehrgenerationenhaus an einer speziellen Qualifizierungsmaßnahme teilgenommen haben, betreuen mit Unterstützung einer Fachkraft demenziell Erkrankte stundenweise zu Hause oder im Rahmen einer Betreuungsgruppe im Mehrgenerationenhaus.

Das Projekt „Begegnungsstätte Demenz" bietet pflegenden Angehörigen die Möglichkeit, ihre demenziell erkrankten Familienmitglieder stundenweise im Mehrgenerationenhaus betreuen zu lassen oder im eigenen Zuhause Hilfe zu erhalten. Die Erkrankten freuen sich über die persönliche Betreuung in vertrauter Umgebung, während die Angehörigen entlastet werden. Drei freiwillig Engagierte, die im Mehrgenerationenhaus speziell zur Betreuung von Menschen mit Demenz ausgebildet wurden, betreuen die Erkrankten ganz nach deren persönlichen Wünschen und Vorlieben. Gemeinsame Spaziergänge, Singen, Lesen oder einfach Kaffee trinken und sich austauschen, die freiwillig Engagierten sind zuverlässige und regelmäßige Begleiterinnen und Begleiter. Auch Besuche im Literatur Café oder der Töpferwerkstatt des Mehrgenerationenhauses sind beliebte gemeinsame Unternehmungen.
Ein bedarfsgerechtes Angebot
Die Idee zu dem Projekt entstand, als der „Demenzreport 2011" des Berliner Instituts für Bevölkerung und Entwicklung veröffentlicht wurde. „Der Landkreis Anhalt-Bitterfeld belegte mit den Erkrankungen Sachsen-Anhalt-weit den traurigen dritten Platz und die Prognosen für 2025 sind erschreckend", erzählt die Quartiersmanagerin Melanie Kerz, von der Stadtentwicklungsgesellschaft Bitterfeld-Wolfen, dem Träger des Mehrgenerationenhauses. „Da der lokale Bedarf so deutlich wurde, war es uns wichtig, schon frühzeitig entsprechende Angebotsstrukturen zu etablieren und dieser Entwicklung so aktiv zu begegnen", sagt Birgit Wessel, Koordinatorin des Mehrgenerationenhauses.
In Kooperation mit der Landesvereinigung für Gesundheit Sachsen-Anhalt (LVG), der Sozialagentur Sachsen-Anhalt und den Landesverbänden der Krankenkassen entstand das Projekt „Begegnungsstelle Demenz". Die LVG unterstützt das Mehrgenerationenhaus Bitterfeld-Wolfen bei seinen Aktivitäten und bietet auch sonst fachlichen Rat. Die Sozialagentur Sachsen-Anhalt und die Landesverbände der Krankenkassen erkennen das Projekt als niedrigschwelliges Betreuungsangebot gemäß der Pflegebetreuungsverordnung an und unterstützen das Projekt finanziell bei den Qualifizierungsmaßnahmen und der Beschäftigung der Fachkraft. Als niedrigschwellige Anlaufstelle ist das Mehrgenerationenhaus dabei der optimale Ort für ein solches Projekt. „Viele Angehörige wissen zuerst gar nicht, dass sie Anspruch auf diese Leistungen habe. Wir beraten sie dann hier im Haus und unsere Fachkraft hilft auch bei der oft komplizierten Antragstellung", sagt Melanie Kerz.
Qualifizierungsmaßnahmen im Mehrgenerationenhaus
Ein wichtiger Bestandteil des Projekts ist die Qualifizierung der freiwillig Engagierten. Bei dem Schulungsprogramm handelt es sich um eine Erweiterung der Fortbildung zur Seniorenbegleiterin oder zum Seniorenbegleiter, die schon früher im Mehrgenerationenhaus angeboten wurde. Die spezialisierte Fortbildung besteht aus elf Blöcken zu jeweils drei Stunden.
Die Themen sind sind vielfältig: von der richtigen Ernährung bei Demenz, über rechtliche Grundlagen, Nothilfe bei Seniorinnen und Senioren, Möglichkeiten der Freizeitgestaltung bis hin zum Thema „Gewalt in der Pflege". Außerdem gehören zu der Qualifizierungsmaßnahme ergänzende jährliche Schulungen mit einem Umfang von acht Stunden, die dazu genutzt werden, Fragen aus der Praxis zu diskutieren. Die ausgebildete Fachkraft begleitet die Freiwilligen bei den ersten Besuchen und steht ihnen auch danach mit Rat und Tat zur Seite.
An der ersten Schulungsreihe im Jahr 2013 nahmen sieben Freiwillige teil. Die Fortbildung ist für alle Interessierten offen. Einzige Voraussetzung ist, dass es sich bei den Teilnehmenden um Freiwillig Engagierte handelt.
Bereichernde Arbeit mit Seniorinnen und Senioren
Eine der freiwillig Engagierten ist Hannelore Praczyk (62). Die Hausfrau engagierte sich bereits einige Jahre in der Betreuung von Seniorinnen und Senioren, als sie auf die Qualifizierungsmöglichkeit des Mehrgenerationenhauses aufmerksam wurde. Die besonderen Rahmenbedingungen bei der Arbeit mit demenziell Erkrankten versteht sie als neue spannende Herausforderung und wichtige Aufgabe der Gemeinschaft. „Die Tätigkeit macht mir großen Spaß! Am schönsten ist die Dankbarkeit, wenn man jemandem eine wirkliche Freude gemacht hat. Außerdem mag ich das Gefühl gebraucht zu werden", erzählt die freiwillig Engagierte.
Aufgrund der hohen Nachfrage ist die nächste Schulungsreihe bereits in Planung. Hannelore Praczyk wünscht sich vor allem, dass durch die zweite Qualifizierungsmöglichkeit viele neue freiwillig Engagierte für das Projekt „Begegnungsstätte Demenz" gewonnen werden können, vor allem auch junge Menschen.