Durchstarten nach der Familienpause im Mehrgenerationenhaus Gera
Das Kind ist geboren, besucht die Tagesstätte oder den Kindergarten und der Alltag kehrt ein. Viele junge Mütter würden in dieser Lage gern wieder arbeiten gehen. Sie sind aber häufig unsicher: Schaffe ich das? Wie kann ich Beruf und Familie miteinander vereinbaren? Mit einem Familienfrühstück bot das Mehrgenerationenhaus Gera Anfang Juli ein Beratungsangebot in entspanntem Umfeld. Bei Brötchen und Kaffee beantworteten Expertinnen alle Fragen rund um den beruflichen Wiedereinstieg.

Während die Kinder im Spielzimmer des Geraer Mehrgenerationenhauses bastelten oder vom Schoß aus mitlauschten, standen fünf Fachfrauen den Müttern mit ihrer Expertise in Sachen Arbeitsrecht, Chancengleichheit, Jobsuche und Beratungsmöglichkeiten Rede und Antwort. Die Koordinatorin des Mehrgenerationenhauses, Anke Fehrensen, hatte sich ganz bewusst für diese Form der Begegnung entschieden: „Wir wollten eine möglichst ungezwungene Atmosphäre schaffen, damit die Mütter ohne Scheu ihre Fragen stellen können."
„Kann ich trotz Berufstätigkeit stillen?", wollte etwa eine Teilnehmerin wissen. Die Arbeitsrichterin Maria Tonndorf bejahte. Stillende Mütter haben das Recht auf Pausen, in denen sie ihre Babys füttern können. Aber nicht nur arbeitsrechtliche Fragen wurden beantwortet. Sabine Kuchenbecker, Personalchefin des Energiedienstleistungszentrums DMS, gab den Teilnehmerinnen Tipps zur Bewerbung. Alice Günzel von der Perspektive Wiedereinstieg und Marion Metzner von der Agentur für Arbeit berieten sie zu finanziellen Fragen. Auf die Belange alleinerziehender Mütter ging Petra Beck vom Landesverband Alleinerziehender Mütter und Väter ein.
Betreuung und Beschäftigung – machbar mit guter Beratung
Die Ausgangssituation für Berufsrückkehrerinnen ist in Gera angesichts einer Frauenarbeitslosenquote von 10,5 Prozent nicht leicht. Ein Grund mehr, sich frühzeitig über Chancen und Möglichkeiten zu informieren. Die Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt, Marion Metzner, freut sich, dass sie ihre Informationen bei Veranstaltungen wie dem Familienfrühstück an die Frau bringen kann. „Die Leute kommen lieber ins Mehrgenerationenhaus als in die Arbeitsagentur – da sind sie weniger zurückhaltend und die Atmosphäre ist lockerer."
Synergieeffekte im Mehrgenerationenhaus
Die zahlreichen Kooperationen mit Unternehmen, der Agentur für Arbeit und anderen Beratungseinrichtungen zählen zum Erfolgsrezept des Mehrgenerationenhauses. Wichtig ist aber auch die bereichernde Zusammenarbeit innerhalb des Hauses. Eine Kindertagesstätte, ein Kinder-, Jugend- und Freizeitzentrum, eine Kinderkleiderkammer sowie ein Familienzentrum sind hier unter einem Dach vereint – auch wenn sie unterschiedliche Träger haben. „Als wir uns 2008 gemeinsam als Mehrgenerationenhaus beworben haben, stand für uns fest, dass wir eng zusammenarbeiten möchten", sagt Anke Fehrensen. Heute profitieren die Einrichtungen von Synergieeffekten.
Auch die Idee des Familienfrühstücks für junge Mütter kam auf diesem Wege zustande: „Durch die Kindertagesstätte stehen wir in engem Kontakt zu jungen Eltern. Von ihnen haben wir erfahren, dass es im Bereich Berufswiedereinstieg großen Informationsbedarf gibt und konnten dann eine entsprechende Veranstaltung anbieten". Und die Koordinatorin des Geraer Mehrgenerationenhauses ist sich sicher: Dies wird nicht das letzte Familienfrühstück zum Thema gewesen sein.