Mehr Raum für Entfaltung: Wie Jugendarbeit im Heidetreff Gemeinschaft stärkt
Mit einem modernen Anbau setzt das Mehrgenerationenhaus Heidetreff in Gelbensande neue Maßstäbe für die offene Jugendarbeit. Jugendsozialarbeiter Tobias Friedrich zeigt, wie Räume für Entfaltung und ein starkes Netzwerk Teilhabe vor Ort stärken.

Ein großer Tisch, bunte Stifte und Jugendliche, die konzentriert arbeiten: Im Jugendclub des Mehrgenerationenhauses „Heidetreff” in Gelbensande entstehen kleine Kunstwerke aus Schrumpffolie. Tobias Friedrich sitzt dabei nicht als Aufsichtsperson am Rand, sondern ist mittendrin. „Mir geht es darum, den Kindern auf Augenhöhe zu begegnen, um ihnen Dinge vermitteln zu können. Wenn sie merken, dass Erwachsene auch mal locker sein und mit ihnen scherzen können, dann bekommt man einen ganz anderen Zugang zu ihnen“, sagt er.
In dieser Atmosphäre lernen die jungen Besucherinnen und Besucher beispielsweise, achtsam miteinander umzugehen. Wenn jemand beim Basteln besonders konzentriert sein muss, nehmen sie Rücksicht und bremsen sich auch mal gegenseitig aus. „Normalerweise sind Kinder miteinander etwas rauer, denken weniger an den anderen und wie es ihm geht. Aber durch dieses gemeinschaftliche Gefühl entstehen viele Lernimpulse, die ich zu verstärken versuche.“
Für Tobias Friedrich sind es genau diese Momente, die seine Arbeit so wertvoll machen. Seit Anfang 2025 ist der ausgebildete Kommunikationspsychologe als Jugendsozialarbeiter im Mehrgenerationenhaus tätig. Nach seinen Erfahrungen in der stationären Jugendhilfe hat er sich ganz bewusst für die offene Jugendarbeit entschieden. Ihm war es wichtig, in einem Umfeld zu arbeiten, das auf Freiwilligkeit basiert und einen ungezwungenen Zugang zu den Jugendlichen ermöglicht.
Mehr Raum für Entfaltung: Der neue Anbau
Als Tobias Friedrich seine Arbeit im Mehrgenerationenhaus aufnahm, wurde dieses gerade durch einen modernen Anbau erweitert, der den dringend benötigten Freiraum schuf. Zuvor war der Jugendclub lediglich durch eine Schiebewand vom großen Saal des Hauses getrennt gewesen. Bei täglich 15 bis 20 Gästen – an Spitzentagen tummeln sich sogar bis zu 30 junge Menschen im Heidetreff – führte dies unvermeidbar zu einer extremen Geräuschkulisse. Die räumliche Erweiterung hat die Situation spürbar entzerrt.
Der Anbau ist mit zwei gemütlichen Sitzecken, einer Switch-Konsole, einem Fernseher und einer großen Auswahl an Kreativmaterialien ausgestattet und hat sich so zum neuen Herzstück der Jugendarbeit entwickelt. Die Jugendlichen haben den Raum sofort ins Herz geschlossen, ohne dass die übrigen Räume des Hauses an Lebendigkeit verlieren. So ist ein Ort der echten Teilhabe entstanden, der den Bedürfnissen der jungen Generation gerecht wird.
Erholung bieten, Erlebnisse schaffen und den Horizont erweitern
„Der Club soll ein geschützter Rückzugsort sein, an dem sich die Jugendlichen ohne schulischen oder familiären Druck einfach erholen können“, erklärt Tobias Friedrich. Dabei lässt er bewusst Raum für Ideen und setzt im Alltag auch mal Phasen des scheinbaren Nichtstuns ein. Aus dieser vermeintlichen Langeweile, so Friedrichs feste Überzeugung, erwachsen oft die eigenständigsten und kreativsten Impulse. Auch wenn es manchmal Geduld erfordert, bis die Jugendlichen ihre eigenen Wünsche formulieren, bindet er sie kontinuierlich in die Gestaltung ein.
Besondere Highlights sind die abwechslungsreichen Ausflüge, die vor allem in den Ferien stattfinden und von der Gemeinde Gelbensande unterstützt werden. Ob im Kletterpark Schwaan, auf der Sommerrodelbahn Bad Doberan, beim actionreichen Lasertag oder beim Testspiel des F.C. Hansa Rostock – diese Erlebnisse ermöglichen es den Kindern und Jugendlichen, aus dem Alltag herauszukommen und neue Horizonte zu entdecken.
Starke Netzwerke für erfolgreiche Jugendarbeit
Für andere Mehrgenerationenhäuser, die ähnliche Angebote für Jugendliche aufbauen möchten, hat Tobias Friedrich einen Rat: „Es ist wichtig, ein Netzwerk zu entwickeln, mit dem man gut arbeiten kann. Gerade in dünn besiedelten Regionen wie Mecklenburg-Vorpommern sorgt eine verlässliche Vernetzung dafür, dass kein junger Mensch unterm Radar bleibt oder den Anschluss verliert.“ Dabei komme es auf die richtige innere Haltung an, so Friedrich. Es brauche mutige Menschen, die im Kleinen anfangen und Schritt für Schritt ein tragfähiges Netzwerk des Miteinanders knüpfen.
Ein wichtiger Kooperationspartner des Heidetreffs ist beispielsweise der NABU (Naturschutzbund Deutschland) e. V. Wie Tobias Friedrich berichtet, haben die Jugendlichen gemeinsam mit dem NABU den Außenbereich umgestaltet, Naschhecken für Insekten gepflanzt und Gemüsebeete angelegt. Durch regelmäßige Treffen mit regionalen Schulsozialarbeitenden, der Volkssolidarität und benachbarten Jugendclubs wie dem in Graal-Müritz entstehen zudem immer wieder neue Ideen für Angebote. Die Engagierten unterstützen und stärken sich gegenseitig und bilden so ein multiprofessionelles Team.
Der Jugendclub im Mehrgenerationenhaus Heidetreff zeigt damit eindrucksvoll: Wenn motivierte Menschen zusammenarbeiten, entsteht ein lebendiges, krisenfestes Miteinander, von dem die gesamte Region nachhaltig profitiert.