Weihnachten der Kulturen im Mehrgenerationenhaus Lauchhammer
Finden kolumbianische Kinder ihre Geschenke auch unter einem echten Tannenbaum? Was essen die Menschen in der Ukraine traditionell an Weihnachten? Über diese und viele weitere Fragen rund um die Weihnachtsbräuche in anderen Ländern tauschten sich am 11. Dezember 2012 die Besucherinnen und Besucher des „Interkulturellen Weihnachtscafés" im Mehrgenerationenhaus Lauchhammer aus. Dabei waren die Gäste so verschieden wie die Weihnachtstraditionen auf der Welt: Jung und Alt, Frauen, Männer und Kinder – viele von ihnen mit unterschiedlicher Herkunft

Organisiert wurde die vorweihnachtliche Veranstaltung von Ludmila, Yulianne und Nadezda. Die jungen Frauen stammen aus der Ukraine, Kolumbien und Russland und kommen regelmäßig in das Mehrgenerationenhaus. Pünktlich zur Weihnachtszeit kam ihnen der Gedanke, anderen Besucherinnen und Besuchern des Hauses in gemütlicher Atmosphäre zu vermitteln, wie Weihnachten in ihren Heimatländern gefeiert wird. Zugleich waren sie auch voller Neugier, über den eigenen Tellerrand hinaus zu schauen.
Die Vorbereitungen für die Weihnachtsfeier trieben die drei Frauen mit viel Elan voran: Gemeinsam mit einer Bundesfreiwilligendienstleistenden des Hauses erarbeiteten sie das Programm und schrieben Einladungen an die Gäste. Dabei wurden sie tatkräftig von Carola Werner, der Koordinatorin des Hauses, bei der Öffentlichkeitsarbeit unterstützt. Über einen örtlichen Fernsehsender, eine regionale Zeitung und eigens gestaltete Flyer, die sie auf dem Weihnachtsmarkt in Lauchhammer verteilte, machte Frau Werner ein breites Publikum auf die Veranstaltung im Offenen Treff aufmerksam.
Die Bemühungen der fünf Frauen wurden schließlich belohnt. Das Angebot, mehr über die Weihnachtstraditionen anderer Kulturen zu erfahren und eigene Bräuche rund um das Fest vorzustellen, stieß in Lauchhammer und Umgebung auf großes Interesse. So konnten Ludmila, Yulianne und Nadezda zahlreiche Besucherinnen und Besucher empfangen, darunter Menschen mit und ohne Migrationshintergrund, Kinder mit ihren Eltern sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Hauses.
Kutja in der Ukraine, Plastikbäume in Kolumbien
Die Gäste folgten gespannt den russischen Erzählungen von Nadezda, sangen traditionelle ukrainische Lieder mit Ludmila und tauschten sich über kulinarische Köstlichkeiten aus, die in anderen Ländern zum Fest auf den Tisch kommen. Dazu berichtete Ludmila, dass in der Ukraine, wo Weihnachten erst am 6. Januar gefeiert wird, Körnerspeisen sehr beliebt sind. Ihr Lieblingsessen ist zum Beispiel Kutja, ein Gericht aus gekochtem Weizen mit Honig, Nüssen, Mohn und Rosinen. Wie am anderen Ende der Welt Weihnachten begangen wird, konnte Yulianne eindrucksvoll beschreiben. So erzählte sie, dass die Menschen in Kolumbien ohne Schnee, dafür aber mit sommerlichen Temperaturen feiern. Deshalb liegen die Weihnachtsgeschenke in dem südamerikanischen Land auch nicht unter einem echten Tannenbaum.
„In meiner Familie gab es zwar immer einen Weihnachtsbaum, aber einen aus Plastik", erinnert sich die Kolumbianerin. Diese und andere Anekdoten machten den Nachmittag für alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu einem unvergesslichen Erlebnis und überzeugten auch diejenigen, die das Mehrgenerationenhaus Lauchhammer zum ersten Mal besuchten. „Es war ein sehr informativer und interessanter Nachmittag. Ich war zuvor noch nie hier und bin begeistert, wie angeregt sich Jung und Alt über ihre verschiedenen Weihnachtstraditionen ausgetauscht haben", sagte eine Besucherin. „Außerdem konnten wir so die Liedtexte für das Singen am Heiligen Abend auffrischen."
Fruchtbarer Austausch der Generationen und Kulturen
Auch für Carola Werner war die Weihnachtsfeier der etwas anderen Art ein großer Erfolg: „Ich bin sehr froh, dass viele Männer und Frauen mit Migrationshintergrund den Weg zu uns gefunden haben. Veranstaltungen wie das „Interkulturelle Weihnachtscafé" fördern das gegenseitige Verständnis und das tägliche Miteinander der Kulturen", sagt sie. Für die Koordinatorin ist der interkulturelle Dialog ein Herzensanliegen – nicht nur zur Weihnachtszeit.
Das Mehrgenerationenhaus Lauchhammer bringt ganzjährig Menschen verschiedener Nationalitäten vor Ort zusammen. Diesen bietet die Einrichtung etwa beim gemeinsamen Stricken oder einem gemeinsamen Frühstück mit anderen Besucherinnen und Besuchern des Hauses regelmäßig Gelegenheiten zum ungezwungenen Austausch. Darüber hinaus gibt es spezifische Bildungsangebote wie zum Beispiel einen Deutschkurs. Doch damit nicht genug. Carola Werner möchte die Türen ihres Hauses noch weiter für andere Kulturen öffnen: „Bei uns sollen auch in Zukunft Menschen aus aller Herren Länder Raum finden, um sich zu begegnen, auszutauschen und voneinander zu lernen."