Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Aus der Praxis III Interview mit Jakob Ruch, MGH Stralsund: „Der Austausch war für mich unglaublich lehrreich.“

Was sagen junge Menschen eigentlich selbst über die Mehrgenerationenhäuser? Ein Interview mit Jakob Ruch, 20, ehemaliger Bundesfreiwilligendienstleistender im Mehrgenerationenhaus Stralsund.

 

Sie haben von Herbst 2018 bis 2019 Ihren Bundesfreiwilligendienst im Mehrgenerationenhaus Stralsund geleistet. Was haben Sie dort gemacht?

Im Mehrgenerationenhaus habe ich mich vor allem um die Öffentlichkeitsarbeit gekümmert. Ich war zum Beispiel verantwortlich für die Website. Außerdem habe ich den Internetstammtisch betreut. Zunächst waren wir sieben Personen, die sich gemeinsam angeschaut haben, wie Smartphone und Co. funktionieren. Gegen Ende ist die Gruppe sogar auf zwölf Personen angewachsen. Darüber hinaus habe ich den Spielenachmittag und den täglichen integrativen Freizeittreff für Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam mit meinen Kolleginnen geplant und organisiert.

Was genau gefällt Ihnen an dem Mehrgenerationenhaus?

Ich fand und finde immer noch toll, dass das Haus ein Ankerpunkt für so viele unterschiedliche Menschen ist. Kein Tag gleicht dem anderen. Die Arbeit und der Ort sind sehr vielfältig. Er ist Treffpunkt sowohl älterer als auch jüngerer Menschen. In Stralsund kommen durch den integrativen Freizeittreff automatisch Menschen mit und ohne Behinderung in Kontakt. Für mich war es eine tolle Erfahrung, meine alltäglichen Gewohnheiten zu verlassen. Das baut Berührungsängste und Vorurteile ab. Außerdem fand ich immer toll, von den älteren Generationen zu lernen. Ich habe auf jeden Fall die Erfahrung gemacht, dass der Austausch mit Menschen, denen man sonst in seinem Alltag nicht begegnet, nicht nur Spaß macht, sondern unglaublich lehrreich ist.

Was glauben Sie: Was macht Mehrgenerationenhäuser für junge Menschen attraktiv und wie könnten die Häuser es schaffen, mehr junge Menschen für sich zu gewinnen?

In unserem Haus in Stralsund zählen junge Menschen nicht vorrangig zu den Besuchern, in anderen Häusern ist das sicherlich anders. Was ich allerdings sagen kann ist, dass Au-ßenwerbung wie zum Beispiel die Website, gezielte Angebote wie Hausaufgabenbetreuung oder Freizeitangebote wie ein Billardtisch oder ähnliches junge Menschen interessiert. Aber auch Kooperationen mit Schulen oder anderen Netzwerken können gute Möglichkeiten sein, junge Menschen für die Häuser zu gewinnen. 

Und wie profitieren Mehrgenerationenhaus und Jugendliche voneinander?

Ich glaube vor allem erstmal dadurch, dass Ängste abgebaut werden, einfach, weil die Generationen in Kontakt kommen. So hat man als junge Person weniger Angst vorm Älterwerden. Die Häuser profitieren von Jugendlichen aber auch durch ihr Know-how, zum Beispiel im digitalen Bereich. Durch die Mehrgenerationenhäuser lernen Jugendliche allgemein ihre Nachbarschaft, ihre Stadt und ihr Umfeld besser kennen.

Was nehmen Sie aus der Zeit im Mehrgenerationenhaus mit?

Auf jeden Fall, dass ich von anderen Generationen lernen kann. Die Zeit mit meinen Kolleginnen hat mir viel Spaß gemacht und ich nehme nochmal eine große Portion Wertschätzung für die Häuser und ihre Arbeit mit. Und eines steht für mich nun auch fest: Ich möchte mit Menschen arbeiten. Vor dem Bundesfreiwilligendienst wollte ich etwas ganz anderes machen. Durch das Jahr habe ich mich aber dazu entschieden, Soziale Arbeit zu studieren.