Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Editorial

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

die Coronavirus-Pandemie führt uns vor Augen, wie wichtig gesellschaftlicher Zusammenhalt ist. Wir halten Abstand und geben aufeinander Acht. Wir sind solidarisch und akzeptieren gemeinsam die Einschränkungen des täglichen Lebens zum Schutz der Menschen, die durch Alter oder Vorerkrankungen besonders gefährdet sind. So sind wir bisher vergleichsweise gut durch diese Zeit gekommen. Dafür bin ich sehr dankbar.

Menschen brauchen Gemeinschaft. Dafür sind Achtsamkeit, Akzeptanz und Mitgefühl notwendig. All das ist nicht immer einfach und nicht selbstverständlich. Zusammenhalt ist auch Arbeit, aber sie lohnt sich. Denn stabile persönliche Beziehungen sind eine Voraussetzung für gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Die Mehrgenerationenhäuser leisten diese wichtige Arbeit jeden Tag. Sie sind Anlaufpunkte, die Menschen aller Generationen zusammenbringen, die Gemeinsamkeiten und Gemeinschaft schaffen. Das sehen und schätzen auch die Kommunen. Und das belegen die Zahlen aus unserer Programmevaluation. Unsere Praxisbeispiele aus Bad Harzburg und Bad Oldesloe zeigen, worin diese Arbeit bestehen kann. In Bad Harzburg unterstützen Mehrgenerationenhaus und Kommune neu zugezogene Familien und „Alteingesessene“ beim Zusammenwachsen. In Bad Oldesloe bringt das Mehrgenerationenhaus Konfliktparteien miteinander ins Gespräch, wenn es mal schwierig wird.

Manchmal ist es nur ein schmaler Grat zwischen Meinungsverschiedenheit und Hetze. Damit müssen auch die haupt- und ehrenamtlich Engagierten in den Mehrgenerationenhäusern immer wieder umgehen, beispielsweise mit Anfeindungen von Rechts. In diesem Themendossier wird berichtet, wie Hetze und Spaltung vorgebeugt und mit welchen Strategien im konkreten Fall darauf reagiert werden kann.

Auch für die Bundesregierung ist der Kampf gegen Extremismus und Rassismus ein zentrales Thema. Neben der wichtigen Arbeit der Sicherheitsbehörden braucht es dafür eine gute Präventionsarbeit vor Ort, in enger Zusammenarbeit mit unserer vielfältigen Zivilgesellschaft. Mit der Frage, wie wir Demokratiearbeit und Extremismusprävention weiter verbessern und stärken können, beschäftigt sich auch der neu eingesetzte Kabinettsausschuss Rechtsextremismus und Rassismus. Bis zum Oktober dieses Jahres soll er dazu einen konkreten Maßnahmenkatalog vorlegen.

Für mich ist klar: Demokratiearbeit ist nichts, was man mal macht und dann wieder lässt. Sie ist eine Daueraufgabe. Deshalb müssen wir zivilgesellschaftliche Initiativen, die sich tagtäglich für unsere Demokratie, für Menschenrechte und ein friedliches Miteinander einsetzen, langfristig absichern. Daher setze ich mich für ein Demokratiefördergesetz ein. Finanzielle Sicherheit und Planbarkeit brauchen auch die Mehrgenerationenhäuser. Es ist ein gutes Signal, dass wir für das Bundesprogramm Mehrgenerationenhaus ab 2021 eine Laufzeit von acht Jahren erreichen konnten. Das schafft für alle Beteiligten Planungssicherheit. So können die Mehrgenerationenhäuser ihre wichtige Arbeit für den Zusammenhalt und ein respektvolles, demokratisches Miteinander erfolgreich weiterführen.

Ich wünsche Ihnen eine spannende Lektüre.

Ihre

Dr. Franziska Giffey