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Engagiertenporträts

Roswitha Stahr

„Mit dem Nachhilfeunterricht habe ich offene Türen eingerannt“

Vom Beruf ins Ehrenamt: Die ehemalige Lehrerin Roswitha Stahr erzählt, wie sie es schafft, dass Hausaufgaben plötzlich Spaß machen und dass sie sogar drei Generationen einer Familie bereits als Lehrerin zur Seite stehen konnte.

Roswitha Stahr vor dem Mehrgenerationenhaus

Wie kamen Sie auf die Idee, sich ehrenamtlich im Mehrgenerationenhaus zu engagieren?

Die Idee für ein Ehrenamt stand für mich mit meinem letzten Arbeitsjahr als Lehrerin in der Regelschule fest. Wenn man in Rente geht, kann sich schnell jeder Tag wie Wochenende anfühlen. Da ist es umso wichtiger, sich regelmäßig Abwechslung und neue Herausforderungen zu suchen. Mein Beruf als Lehrerin hat mir immer viel Spaß gemacht – da wollte ich meine Tätigkeit in einem netten Umfeld gerne als Ehrenamt weiter ausüben. Also habe ich im Sommer letzten Jahres das Mehrgenerationenhaus in Roßleben kontaktiert und vorgeschlagen, Nachhilfeunterricht und Hausaufgabenbetreuung anzubieten. Als ehemalige Stadträtin kenne ich das Haus schon lange und habe mich ihm immer verbunden gefühlt.

Welche Aufgaben übernehmen Sie bei Ihrem Ehrenamt im Mehrgenerationenhaus?

Ich unterstütze die Kinder einmal in der Woche bei den Hausaufgaben in allen Fächern. Meistens unterrichte ich in kleinen Gruppen mit vier Kindern. Da nicht alle Schülerinnen und Schüler zur selben Zeit aus der Schule kommen, verteilen sich die Kleingruppen über den Nachmittag ganz gut. Die Zeit, die ich bei meinem Engagement zur Verfügung stelle, möchte ich gerne optimal nutzen. Manchmal sind die Kinder müde, wenn sie von der Schule kommen. Dann schaffe ich es, sie mit einem spielerischen Zugang wieder zum Lernen zu motivieren. So üben wir zum Beispiel Englisch-Vokabeln, indem wir sie nicht bloß aufschreiben, sondern auch malen. Dann macht das Lernen auch wieder Spaß!

Wie erleben Sie den Nachhilfeunterricht mit den Kindern – vor allem in der derzeitigen Pandemie?

Durch die Corona-Pandemie gab es im Schulunterricht natürlich Einschränkungen, zum Beispiel durch digitales Lernen zu Hause. Einige Kinder kamen mit dem Lernstoff nicht mehr mit. Aber auch Lehrerinnen und Lehrer schaffen es mitunter nicht, das gesamte Lernpensum zu vermitteln. Und genau da setze ich mit meinem Angebot an. In den Kleingruppen kann ich viel direkter als in der Schule noch einmal Dinge erklären. Dadurch erleben die Kinder einen Aha-Effekt und die Hausaufgaben laufen plötzlich wie von selbst. Die Schülerinnen und Schüler suchen aber auch nach Abwechslung und engen sozialen Kontakten, die während der Pandemie auf der Strecke geblieben sind. Für mich ist es so schön zu sehen, wie die Kinder sich auf mich und den Unterricht freuen – da nehmen mich die ganz Kleinen vor Unterrichtsbeginn auch gerne mal in den Arm. Für die Kinder bin ich viel mehr als nur eine Lehrerin. Und ich selbst kann auch nochmal ganz anders mit den Kindern in Kontakt treten als zu Schulzeiten als Lehrerin.

Welche Bedeutung hat Ihr Angebot vor Ort?

Mit dem Nachhilfeunterricht habe ich offene Türen eingerannt. Viele meiner Nachhilfeschülerinnen und -schüler bekommen zu Hause mitunter nicht genügend Unterstützung. Mein Vorteil ist, dass ich die meisten Kinder noch aus meiner Zeit als Lehrerin kenne – bis auf die ganz Kleinen aus der ersten und zweiten Klasse. Deren Eltern kenne ich wiederum sehr gut, weil ich sie früher unterrichtet habe. Gerade habe ich sogar drei Generationen einer Familie als Lehrerin kennengelernt – das ist schon etwas Besonderes. Mein Ehrenamt ermöglicht mir zudem, im ständigen Austausch zu sein – mit den Eltern, mit meinen ehemaligen Kolleginnen und Kollegen, der Sozialarbeiterin der Schule und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Mehrgenerationenhaus. Wir sind optimal vernetzt, um den Kindern bestmöglich im Schulalltag helfen zu können.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Zunächst freue ich mich, dass wir mit dem Mehrgenerationenhaus bald in neue und größere Räumlichkeiten ziehen können, sodass ich mehr Platz und Möglichkeiten für die Schülerinnen und Schüler habe. Dabei wäre es ein großer Wunsch von mir, vor allem digitale Geräte zum Lernen vor Ort zu nutzen. Aber auch an Unterrichtsmaterialien wie Heftern, Anspitzern, Stiften und Papier mangelt es bei manchen Kindern – wenn ich sie in größerer Menge den Kindern zur Verfügung stellen könnte, wäre das toll. Das Wichtigste ist es aber, auch in Zukunft nie den Respekt vor den Kindern zu verlieren und sich für eine gute Bildung für alle einzusetzen.

Über Roswitha Stahr

Roswitha Stahr ist 63 Jahre alt. Seit Sommer 2021 engagiert sich die pensionierte Lehrerin ehrenamtlich im Mehrgenerationenhaus Roßleben-Wiehe. Sie rät allen Menschen, deren Alltag es zulässt, ein freiwilliges Engagement auszuprobieren und eigene Kenntnisse und Interessen aus dem Beruf hier einzubringen.

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