Kulturpaten in Jena: Durch gemeinsame Erlebnisse wachsen
In Jena entdecken Kinder und ihre Kulturpatinnen und Kulturpaten mit Unterstützung des Mehrgenerationenhauses gemeinsam die Stadt. Ein Tandem zeigt, wie durch geteilte Erlebnisse und Vertrauen wertvolle neue Erfahrungsräume für beide Seiten entstehen.

Wenn die achtjährige Pia und ihre Kulturpatin Kat gemeinsam durch Jena ziehen, verwandelt sich die Stadt in einen großen Entdeckungsraum. Man trifft die beiden vielleicht in der Straßenbahn auf dem Weg zum Planetarium, beim Experimentieren in der Imaginata oder auf einem der vielen Spielplätze in der Stadt. Kat Ludwig, die hauptberuflich an der Bauhaus-Universität Weimar arbeitet, wollte einen Beitrag für die Gesellschaft leisten und Kindern neue Perspektiven eröffnen. Seit fast einem Jahr sind die beiden nun im Rahmen des Projekts „Kulturpaten“ als Tandem unterwegs und zeigen, wie aus einem Ehrenamt eine vertrauensvolle, generationenübergreifende Verbindung entstehen kann.
Wo es hingeht, wird gemeinsam entschieden
Ein Kernaspekt der Kulturpatenschaft ist die Mitbestimmung. „Wichtig ist, dass wir etwas unternehmen, das uns beiden gefällt“, erklärt Kat Ludwig. Die Ausflüge werden stets gemeinsam geplant, wobei beide Seiten ihre Ideen einbringen können. Besonders viel Spaß macht es Pia, zusammen mit Kat etwas Neues auszuprobieren. So zeigte Pia auf dem SaurierPfad bemerkenswerte Ausdauer, als sie den Gipfel des Berg Jenzigs erklomm – das hätte sie sich anfangs kaum zugetraut, erzählt Kat. Momente wie dieser stärken das Selbstvertrauen und die Resilienz der Kinder. „Ich finde Ausflüge, bei denen Pia über sich hinauswächst, besonders toll.“
Auch außergewöhnliche Orte gehören zum Programm. Bei einem Besuch beim lokalen Radio OKJ durfte Pia selbst ans Mikrofon und sogar ein Lied einsingen. Durch diese kulturelle Teilhabe öffnen sich für die Kinder Räume, die ihnen sonst häufig verschlossen bleiben. Dabei entdecken sie neue Interessen wie beispielsweise das Bowling, bei dem Pia voller Stolz ihre ersten Würfe meisterte.
Beide Seiten lernen voneinander
Während Pia durch Kat mutiger und offener für Neues wird, lernt Kat von ihrem Patenkind, die Welt wieder mit staunenden Augen zu sehen. „Was ich von Pia gelernt habe, ist, meiner Kreativität freien Lauf zu lassen. Denn Pia ist unfassbar gut darin, sich Geschichten auszudenken und Fantasiewelten zu kreieren.“ Kat ist außerdem beeindruckt von Pias Fähigkeit, sich über kleine Dinge, wie einen Marienkäfer am Wegrand, aufrichtig zu freuen. „Die Fähigkeit im Hier und Jetzt zu leben, kann man sich als Erwachsener gut von Kindern abschauen“, so Kat.
Das Mehrgenerationenhaus als verlässlicher Partner
Das Projekt „Kulturpaten“ wurde vom Verein Tausend Taten ins Leben gerufen. Der Verein koordiniert das Projekt und begleitet die Ehrenamtlichen. Ziel ist es, Kindern unabhängig von der finanziellen Situation ihrer Familien den Zugang zu neuen Freizeitmöglichkeiten sowie kultureller Bildung zu erleichtern und dadurch die vorhandenen Chancenungleichheiten abzubauen. Dabei wird der Verein vom Mehrgenerationenhaus Jena mit einem umfangreichen Netzwerk aus Referentinnen und Referenten, Kulturpädagoginnen und Kulturpädagogen sowie anderen relevanten Akteuren unterstützt.
Durch die vom Verein Tausend Taten organisierten regelmäßigen Stammtische und gemeinsamen Kulturveranstaltungen haben die Patinnen und Paten die Möglichkeit, sich untereinander auszutauschen und ihre Erfahrungen zu reflektieren. Ein Kulturtagebuch mit speziellen Reflexionsseiten hilft den Tandems zudem, ihre gemeinsamen Erlebnisse festzuhalten und die pädagogische Wirkung der Ausflüge zu untermauern. Diese professionelle Struktur stellt sicher, dass die Patenschaften für beide Seiten eine nachhaltige Bereicherung sind.
Eine Verbindung, die bleibt
Für die Zukunft haben Pia und Kat schon Pläne geschmiedet: Ganz oben auf ihrer gemeinsamen Liste stehen eine Fahrradtour und ein Besuch im Trampolinpark. Kat ermutigt alle Interessierten, sich als Kulturpatinnen und Kulturpaten in Jena zu engagieren: „Es ist sehr wertvoll, was man mit dem Projekt erleben und leisten darf.“