Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Factsheet Mehrgenerationenhäuser

Was sind Mehrgenerationenhäuser?

Mehrgenerationenhäuser sind Begegnungsorte für Menschen jeden Alters und jeder Herkunft. Sie bieten Raum für gemeinsame Aktivitäten und schaffen ein nachbarschaftliches Miteinander in ihrer Kommune. Mehrgenerationenhäuser stehen allen Menschen offen und laden ein zum Verweilen, Mitmachen und Mitgestalten. Von Kinderbetreuung über Ermöglichung eines selbstbestimmten Lebens im Alter bis hin zur Bewältigung von Einsamkeit – die Häuser sind Kümmerer und unterstützen die Bürgerinnen und Bürger bei der Bewältigung ihrer Herausforderungen. Gleichzeitig füllen sie Lücken, bündeln Angebote, sind kompetente Ansprechpartner und Vernetzer sowie Knotenpunkte für freiwilliges Engagement in der Kommune. Die rund 540 Mehrgenerationenhäuser in Deutschland sind Orte der Solidarität und sorgen für eine menschenfreundliche Gesellschaft, in der jede und jeder zählt.

Was ist der Zweck des Bundesprogramms Mehrgenerationenhaus?

Das Bundesprogramm steht im Kontext der Demografiestrategie der Bundesregierung aus dem Jahr 2015. Hier wurde unter anderem das Ziel gesetzt, den sozialen und gesellschaftlichen Zusammenhalt der Menschen in Deutschland zu stärken und die Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse in ländlichen und städtischen Regionen zu sichern. Die Bedingungen sind in den Kommunen in Deutschland sehr unterschiedlich. Überall gibt es andere demografische Herausforderungen, wie zum Beispiel mancherorts einen hohen Anteil sozial benachteiligter Gruppen, starke gesellschaftliche Alterung oder andernorts Abwanderungstendenzen, denen begegnet werden muss. Ziel des Bundesprogramms ist es, die Kommunen bei der Bewältigung dieser Herausforderungen mithilfe der Mehrgenerationenhäuser zu unterstützen. Als gut vernetzte Partner in den Kommunen, die aufgrund ihrer offenen und wertschätzenden Haltung nah dran sind an den Menschen und ihren Bedürfnissen, haben die Mehrgenerationenhäuser die besten Voraussetzungen, um diese Aufgabe erfolgreich zu bewältigen. Das Bundesprogramm gewährt den Häusern für Ihre Arbeit eine große inhaltliche Flexibilität, denn nur individuell passende Lösungen und Angebote können wirksam sein. Gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern vor Ort und in enger Abstimmung mit den Kommunen wird die Lebensqualität erhöht und der Zusammenhalt in der Kommune gestärkt.

Wie wird das geleistet?

Die Mehrgenerationenhäuser kennen die Situation vor Ort: Was fehlt, was gebraucht wird und was da ist. Sie schaffen Angebote, mit denen den Bedürfnissen der Menschen in der Kommune begegnet wird. Das können Angebote zur digitalen Bildung sein, Kinderbetreuung, Integrationskurse oder Grundbildung für Erwachsene und vieles mehr. Gleichzeitig fungieren die Häuser als Sprachrohr der Bürgerinnen und Bürger in die Gemeinde und geben wichtige Impulse für Veränderungen.

Welche Schwerpunkte gibt es in den Angeboten?

  • obligatorisch: Gestaltung des demografischen Wandels (alle Mehrgenerationenhäuser)
  • freiwillig: Integration von Menschen mit Migrations- und Fluchtgeschichte (rund 430 – also etwa 80 Prozent der Mehrgenerationenhäuser)
  • freiwillig: Förderung der Lese-, Schreib- und Rechenkompetenzen im Rahmen der Alpha-Dekade (175 Mehrgenerationenhäuser)

Welche Rolle spielt das freiwillige Engagement?

Das freiwillige Engagement ist eine Querschnittsaufgabe im Bundesprogramm. Das bedeutet, dass das Engagement prägender Bestandteil der Mehrgenerationenhäuser sein soll. Mehrgenerationenhäuser sind ein Knotenpunkt für Engagement aller Generationen. Durch ihre offenen Strukturen und die vielfältigen Inhalte ihrer Angebote können die Mehrgenerationenhäuser auf die jeweiligen Interessen und Bedürfnisse von Freiwilligen eingehen. Freiwillige können selbst Angebote entwickeln und entsprechend ihrer Fähigkeiten und Vorstellungen durchführen. Sie können sich ausprobieren und sich weiterentwickeln, denn die Häuser sind auch aktiv, wenn es um die Qualifizierung der Engagierten geht. So gibt es zum Beispiel Angebote, um Schlüsselqualifikationen zu erwerben, Fortbildungen und Feedbackgespräche. Die Engagierten werden ernst genommen und wertgeschätzt, indem man Ihnen auf Augenhöhe begegnet. Dies sind wesentliche Faktoren, ein Engagement aufzunehmen, Spaß daran zu haben und zu behalten.

Die Mehrgenerationenhäuser in Zahlen (Stand Mai 2020)

  • Rund 540 Mehrgenerationenhäuser bundesweit – damit ist in fast jeder Kommune ein Mehrgenerationenhaus angesiedelt.
  • Das Programm ist auf vier Jahre angelegt und läuft vom 01.01.2017 bis zum 31.12.2020.
  • Jedes im Bundesprogramm geförderte Mehrgenerationenhaus hat bis einschließlich 2019 jährlich 30.000 Euro vom Bund und eine Kofinanzierung in Höhe von 10.000 Euro von der Kommune, dem (Land-)Kreis und/oder (anteilig) dem Land erhalten. In den Jahren 2020 und 2021 wird der Bundeszuschuss bei gleichbleibender Kofinanzierung auf 40.000 Euro pro Mehrgenerationenhaus angehoben.
  • Rund 3.650 Hauptamtliche und über 39.000 freiwillig Engagierte kümmern sich um circa 63.000 Gäste pro Tag – zusammen würden sie nicht einmal in Deutschlands größtes Fußballstadion in Dortmund passen.
  • Mehr als 23.500 auf die Bürgerinnen und Bürger zugeschnittene Angebote gibt es in den Mehrgenerationenhäusern, darunter fast 3.500 Angebote im Schwerpunkt Integration von Menschen mit Migrations- und Fluchtgeschichte und etwa 1.200 Angebote zur Förderung der Lese-, Schreib- und Rechenkompetenzen Erwachsener.
  • Über 11.000 Kooperationspartnerschaften mit Kommunalpolitik und -verwaltung werden gepflegt – dies bedeutet für ein durchschnittliches Haus, dass es mit 21 Partnern aus diesen Bereichen kooperiert.

Bundesprogramm Mehrgenerationenhaus 2019

Die wichtigsten Kennzahlen aus insgesamt rd. 540 Häusern im Überblick

Die wichtigsten Kennzahlen aus insgesamt rd. 540 Häusern im Überblick

Textversion der Grafik "Die wichtigsten Kennzahlen aus insgesamt rd. 540 Häusern im Überblick" (eingeklammert: Zahlen aus dem Jahr 2018):

  • Das Bundesprogramm umfasst insgesamt 3638 (3468) Hauptamtliche und 39122 (36980) freiwillig Engagierte.
  • Pro Tag nutzen 62688 (60954) Menschen die Angebote, aus einem Angebot von insgesamt 23629 (21839) Angeboten. Diese teilen sich auf drei Schwerpunkte auf:
  • Schwerpunkt "Gestaltung des demografischen Wandels": 18977 (17305) Angebote.
  • Schwerpunkt "Integration von Menschen mit Migrations- und Fluchtgeschichte": 3469 (3525) Angebote in 431 MGH.
  • Sonderschwerpunkt "Förderung der Lese-, Schreib, und Rechenkompetenzen": 1183 (1009) Angebote in 175 (162) MGH.
  • Im Durchschnitt öffnen die MGH jede Woche 39 (39) Stunden als "Offener Treff" ihre Türen. Das wird an einem durchschnittlichen Tag von 24403 (24180) Nutzerinnen und Nutzer wahrgenommen.
  • Der Generationenindex liegt bei 0,90 (0,90).
  • 11096 (10980) Kooperationspartner kommen aus Kommunalpolitik und -verwaltung.

Das durchschnittliche Mehrgenerationenhaus

Das durchschnittliche Mehrgenerationenhaus

Textversion der Grafik "Das durchschnittliche Mehrgenerationenhaus" (eingeklammert: Zahlen aus dem Jahr 2018):

  • Jeden Tag kommen 117 (113) Nutzerinnen und Nutzer in das MGH. Davon sind 65 (59) % weiblich, 27 (21) % haben eine Migrations- und 15 (11) % eine Fluchtgeschichte.
  • Es engagieren sich 6,8 (6,4) Hauptamtliche und 73 (68,7) Freiwillige für das MGH. Die Angebote unterteilen sich in drei Schwerpunkte:
  • "Gestaltung des demografischen Wandels": 35 (32) Angebote täglich
  • "Integration von Menschen mit Migrations- und Fluchtgeschichte": 8 (8) Angebote täglich 
  • "Förderung der Lese-, Schreib- und Rechenkompetenzen": 7 (6) Angebote täglich
  • "Offener Treff"-MGH sind pro Woche 39 (39) Stunden geöffnet und empfangen jeden Tag 45,5 (44,9) Nutzerinnen und Nutzer
  • Das MGH hat 21 (20) Kooperationspartner aus Kommunalpolitik und -verwaltung
  • Es werden 25 (22) Angebote mit Generationenbegegnungen angeboten.

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