Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Demografische Profile

Laut dem „Wegweiser Kommune“ der Bertelsmann Stiftung finden sich in Deutschland neun Demografietypen, die auch für das Bundesprogramm Mehrgenerationenhaus als Orientierung dienen.

Demografietyp 1: Stabile ländliche Städten und Gemeinden

Überwiegend kleine Städte und Gemeinden im ländlichen Raum mit geringer Einwohnerdichte, jedoch stabiler Einwohnerzahl durch Zuwanderung von Familien. Abwanderung junger Menschen, wenig Arbeitsplätze für Hochqualifizierte und deutliche Alterung. Materiell geht es der Bevölkerung relativ gut. Die sozialen Belastungen der Kommune sind eher gering, aber Steuereinnahmen nur mäßig (der Handlungsspielraum der Gemeinde ist recht eng begrenzt).

Demografietyp 2: Zentren der Wissensgesellschaft

Großstädte und kleinere Kommunen in ihrem Umfeld, Universitätsstädte. Zentren hoch qualifizierter Arbeit (Forschung, Entwicklung, hoch qualifizierter Dienstleistung und Produktion), sehr starkes Bevölkerungswachstum und Urbanität (hohe Bevölkerungsdichte, hoher Anteil Einpersonenhaushalte). Hohe Einkommen und Steuereinnahmen, soziodemografisch heterogen.

Demografietyp 3: Prosperierende Kommunen im Umfeld dynamischer Wirtschaftszentren

Kleine und mittelgroße Städte und Gemeinden. Stark wachsende Kommunen durch Zuzug von Familien und Erwerbstätigen, relativ hohe Einwohnerdichte. Suburbane Siedlungsstruktur mit Wohngemeinden und Wirtschaftszentren mit hochwertigen Arbeitsplätzen. Hohe Kaufkraft der Bewohnerinnen und Bewohner und sehr hoher Anteil von Akademikerinnen und Akademikern. Kommunen haben hohe Steuereinnahmen und relativ geringe Sozialausgaben. Hinsichtlich der demografischen und sozialen Struktur relativ homogen.

Demografietyp 4: Wohlhabende Kommunen in ländlichen Räumen

Kleine ländliche Kommunen in einem von der Landwirtschaft geprägten Raum. Sehr geringe Einwohnerdichte und Siedlungsdichte. Viele Familien, junge Bevölkerung (höchster Anteil Kinder, niedrigster Anteil Einwohner ab 65 Jahren), aber Verluste von jungen Erwachsenen. Bedeutung als Wirtschaftsstandort sehr gering, kaum Arbeitsplätze. Hohe Kaufkraft, wenig Armut. Finanzielle Lage der Kommunen entspannt.

Demografietyp 5: Städte und Gemeinden in strukturschwachen ländlichen Räumen

Kleine und mittlere Gemeinden und Städte im ländlichen Raum, fernab der großen Zentren, oft in strukturschwachen Räumen. Stagnierende Einwohnerzahl bzw. Einwohnerrückgang und verstärkte Alterung wird in den nächsten Jahren voraussichtlich zum prägenden Entwicklungsmuster. Geringes Wirtschaftswachstum, unterdurchschnittliche Kaufkraft, niedriges Einkommensniveau der Bevölkerung, relativ großes Ausmaß an sozialen Notlagen. Angespannte finanzielle Situation der Kommunen durch relative geringe Steuerkraft.

Demografietyp 6: Stabile Mittelstädte

Mittelstädte und viele mittelgroße Kommunen: regional bedeutsame Wirtschafts- und Versorgungszentren und Wohngemeinden. Bevölkerungswachstum durch hohe Wanderungsgewinne, vor allem durch Familien. Hohes Arbeitsplatzwachstum in den letzten Jahren und solide Einkommenssituation. Kaufkraft der Privathaushalte etwas höher als im Durchschnitt, die Armutsquoten etwas geringer. Solide finanzielle Ausstattung der Kommunen, relativ hohe Steuerkraft bei relativ geringen sozialen Belastungen. Sehr heterogen: zum einen Kommunen mit städtischem Charakter, relativ vielen Arbeitsplätzen und höhere Einwohnerdichte zum anderen suburbane, ländliche Wohngemeinden und touristisch geprägte Orte: weniger verdichtet, familiengeprägt und wohlhabend.

Demografietyp 7: Wirtschaftszentren mit geringerer Wachstumsdynamik

Wirtschaftszentren, große Industriestädte, mittelgroße regionale Zentren, Universitätsstädte und Umlandgemeinden, Tourismusorte und Altersruhesitze sowie Kommunen im Umland von Großstädten. Kommunen haben einen sehr urbanem Charakter: dichte Bebauung, sehr hohe Einwohnerdichte, Zuwanderung vor allem junger Menschen. Sehr hoher Anteil Einpersonenhaushalte, sozial und ethnografisch heterogene Bevölkerung. Viele Arbeitsplätze aus dem industriellen und gewerblichen Bereich, Ausbildungs- und Fremdenverkehr. Viele Hochqualifizierte am Arbeits- und Wohnort. Geringe wirtschaftliche Dynamik, niedrige Einkommen, geringe Kaufkraft. Hohe Soziallasten, viele Einwohner sind auf soziale Unterstützung angewiesen. Angespannte Haushaltslage: hohe Einnahmen aus der Gewerbesteuer, dabei extrem hohe Schulden und Soziallasten.

Demografietyp 8: Stark alternde Kommunen

Städte und Gemeinden in strukturschwachen Regionen; verstädterte Regionen viele durch alte Industrie geprägt oder strukturschwache ländliche Regionen. Kleinere Gemeinden, aber auch größere Städte. Abwanderung junger Menschen und Familien, relativ alte Bevölkerung. Geringe Kaufkraft und hohe Armutsquoten: Einkommensniveau der Privathaushalte gering und 10% von SGB II abhängig, jedes sechste Kind lebt in einer Bedarfsgemeinschaft. Angespannte finanzielle Situation der Kommunen, Steuerkraft der Gemeinden gering, Armutsquoten, Arbeitslosigkeit und Verschuldung der kommunalen Haushalte hoch.

Demografietyp 9: stark schrumpfende Kommunen mit Anpassungsdruck

Viele regionale Versorgungs- und Wirtschaftszentren, kleine Kommunen und größere Städte. Starker Bevölkerungsrückgang durch Abwanderung junger Menschen und hohe Sterbeüberschüsse. Viele alte Menschen. Perspektive: weitere Abnahme der Einwohnerzahl und starke Alterung. Niedrige Kaufkraft und hohe Einkommensarmut. Sozioökonomische Situation der Bevölkerung ist die mit Abstand prekärste der neun Demografietypen. Wirtschaftliche Entwicklung sehr verhalten, prekäre Finanzsituation der Kommunen: Steuerkraft außergewöhnlich schwach, hohe Sozialausgaben, hohe Verschuldung.