Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Dynamisch auf Digitalisierungs- und Nachbarschaftskurs

Ein neues Corona-Kooperationsprojekt unterstützt die Mehrgenerationenhäuser bei der Digitalisierung ihrer Angebote und dem Ausbau der Nachbarschaftshilfen.

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend hat am 7. April ein neues „MGH-Corona-Kooperationsprojekt“ gestartet, um die Mehrgenerationenhäuser im Bundesprogramm bei der Umstellung ihrer Angebote und beim Aus- und Aufbau von Nachbarschaftshilfen zu unterstützen. Kooperationspartner sind die nebenan.de Stiftung, Deutschland sicher im Netz e.V. (DsiN) und das BMFSFJ-Innovationsbüro. Neben den Unterstützungsangeboten der Kooperationspartner konnten die Mehrgenerationenhäuser zudem zusätzliche finanzielle Mittel von bis zu 1.000 Euro pro Haus erhalten.

Ziel des Kooperationsprojekts ist es, neue und für die Corona-Situation passende, vor allem nachbarschaftliche „Verbünde“ zu schaffen. Die Mitarbeitenden in den Mehrgenerationenhäusern sollen zu Multiplikatorinnen und Multiplikatoren der Nachbarschaftshilfe werden. Sie entwickeln Angebote „auf Distanz“ und unterstützen beispielsweise Familien und ältere Personen, die vorrangig auf Hilfe und Unterstützung angewiesen sind, bei der Kontaktaufnahme und -pflege.

Die Kooperationspartner informieren, schulen und unterstützen mit praxisnahen Angeboten

Die nebenan.de Stiftung bietet allen Mitarbeitenden der 534 Mehrgenerationenhäuser regelmäßige Informations- und Austauschmöglichkeiten in Online-Seminaren, Onlinesprechstunden, über eine Hotline oder per E-Mail. Außerdem stellt die Stiftung in diesem Jahr kostenlose Organisationsprofile auf der Nachbarschaftsplattform nebenan.de zur Verfügung.

Der Verein Deutschland sicher im Netz kooperiert mit dem Bundesprogramm im Rahmen des Projekts Digitaler Engel mit zahlreichen – der aktuellen Situation angepassten – Angeboten: Eine tägliche Telefonsprechstunde sowie ein täglicher Treffpunkt Marktplatz digital wurden als Gesprächs- und Beratungsangebote eingerichtet, um insbesondere älteren Menschen, aber auch den Nutzerinnen und Nutzern der mehr als 100 Mehrgenerationenhäuser, die sich am Projekt des Digitalen Engels beteiligen und nun nicht mehr mit dem Infomobil besucht werden können, die Möglichkeit zu geben, Fragen rund um Digitalisierung zu stellen. So werden viele Menschen niedrigschwellig, alltagsnah und persönlich bei der Nutzung digitaler Angebote unterstützt.

Über den Treffpunkt Marktplatz digital erreichten die Digitalen Engel unter anderem Fragen zum Einsatz von Videokonferenztools, aber auch allgemeine Fragen zum Einrichten eines digitalen Angebotes und zu möglichen Kosten. Zudem entstehen aktuell kurze Erklärvideos, die häufige Fragen zur Digitalisierung beantworten. Die ersten beiden Videos zum Thema „Smartphone-Kauf“ und „Einrichtung eines neuen Smartphones“ werden voraussichtlich noch im Juni fertiggestellt.

Das BMFSFJ-Innovationsbüro bietet den Mehrgenerationenhäusern darüber hinaus fachliche Unterstützung in Form von „Erste-Hilfe“-Telefonkonferenzen. Bis Ende Mai fanden bereits vier Online-Termine statt. Hier bekamen die Koordinationsteams der Mehrgenerationenhäuser, die noch ganz am Anfang der Digitalisierung ihrer Angebote stehen, grundlegende Informationen und Ideen zur Digitalisierung ihrer Angebote. Insgesamt nahmen bislang 480 Interessierte aus den Mehrgenerationenhäusern an diesen digitalen Konferenzen teil und gaben den Veranstaltern umfassend positives Feedback.

Die Maßnahmen werden sehr gut angenommen: Allein an den drei Online-Seminaren der nebenan.de-Stiftung haben mehr als 250 Personen teilgenommen Die digitalen Kompetenzen der Teilnehmenden verbessern sich spürbar, Hemmschwellen und technische „Berührungsängste“ sinken. Vor allem im ländlichen Raum wurden außerdem viele neue Organisationsprofile auf der Plattform nebenan.de von den Mehrgenerationenhäusern eingerichtet, um die Menschen in ihrem Umfeld auch darüber erreichen zu können. So erschließen sich zudem neue Zielgruppen für die Mehrgenerationenhäuser.

Einsatz zusätzlicher Mittel für besondere Projekte

Nach Auskunft des Bundesamts für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA), das die administrative Umsetzung des Projekts koordiniert, sind bis Ende Mai insgesamt 309 Anträge auf Fördermittel eingegangen. Die meisten Mehrgenerationenhäuser arbeiten bereits mit den zusätzlichen Mitteln und haben schnell und mit überwältigendem Engagement auf die Corona-Pandemie reagiert. Neue kreative Projektideen sind entstanden, die wir auch hier auf der Programmwebsite vorstellen. Mit den zusätzlichen Fördermitteln entstehen neue Projekte in den Mehrgenerationenhäusern wie zum Beispiel:

Mehrgenerationenhaus Nuthetal (Brandenburg)
Einrichtung eines YouTube-Kanals
„Insbesondere aufgrund der Corona-Situation wollen wir unseren Nutzerinnen und Nutzern und allen Interessierten eine Plattform bieten, um sich zu beschäftigen, neue Inspirationen zu bekommen und mit unserem Mehrgenerationenhaus in Verbindung zu bleiben. Mittlerweile haben wir mit einigen Kursleiterinnen und Kursleitern die Idee entwickelt, kurze Anleitungen zum Beispiel zum Malen/Zeichnen (unser Zeichenkurs) per Kurzfilm/Tutorial zugänglich zu machen.“

Mehrgenerationenhaus Rödermark (Hessen)
Seniorenzeitung
„Um den Kontakt zu den Seniorinnen und Senioren in Rödermark in der Zeit des Corona-Virus zu halten und sie unter anderem mit wichtigen Informationen zu versorgen, wird aktuell eine Zeitung erstellt. Diese soll mit der Auflage von 1000 Stück an Seniorinnen und Senioren in Rödermark verteilt werden.“
 
Mehrgenerationenhaus Orangerie-Kiezspinne (Berlin)
Fahrradreparatur während Corona
„Uns erreichen vermehrt Anfragen für Fahrradreparaturen aus dem Kiez, was auf die Vermeidung der öffentlichen Verkehrsmittel zurückzuführen sein wird. Diesem Bedarf würden wir gerne entgegenkommen, indem einer unserer ehrenamtlichen Mitarbeiter an zwei Tagen die Woche unter strenger Einhaltung der Hygienevorschriften Fahrräder in unserer Werkstatt repariert.“
 
Mehrgenerationenhaus Kiezanker (Berlin)
Überraschungszaun
„Wir haben für Familien und Kinder einen „Überraschungszaun“ eingerichtet, an dem Beutel mit wöchentlich wechselnden Inhalten hängen: Bastelideen inkl. Material; Spieletipps; Fragebögen für Kinder und Erwachsene; Kurzgeschichten und vieles mehr.“

Tonarbeiten für daheim
„An unserem Gartentor haben wir Tonstücke ausgegeben, die zuhause von der Kieznachbarschaft bearbeitet werden können. Egal ob Eierbecher, eine kleine Suppenschüssel oder eine Tonfigur – Die Stücke sollen nach Möglichkeit im Mehrgenerationenhaus gebrannt, bemalt und Fotos davon im Haus ausgestellt werden (mit kurzen Statements der Künstlerinnen und Künstler).“