Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Gerade jetzt für Sie da – Teil 3

Auch während der Corona-Pandemie sind die Mehrgenerationenhäuser zuverlässig für die Menschen in ihren Kommunen da. Ob während des Lockdowns oder nach der ersten Öffnung – die Häuser haben unterschiedliche Angebote und Strategien entwickelt, um mit Groß und Klein in Kontakt zu bleiben.

Werbemotiv für die Live-Sendung des Mehrgenerationenhaus Borken. Zwei junge Menschen sind darauf zu sehen, darunter steht "Live, täglich um 15:00 Uhr"

Das Jugendhaus des Mehrgenerationenhauses Borken entwickelte eine eigene Live-Sendung inklusive Logo.

Mehrere aus Brettern errichtete, kleinere Hütten stehen auf einer Wiese, drumherum spielen Kinder.

Im Abenteuerland des Mehrgenerationenhauses Lauchringen toben mittlerweile wieder die Kinder.

Eine Frau mit einem lilanen Shirt sitzt auf einem Stuhl und hat ein Tuch in der Hand, im Hintergrund steht eine andere Frau an einem Bügelbrett.

Das Mehrgenerationenhaus Freudenstadt hält auch in Corona-Zeiten verschiedene Wege des Dialogs offen.

Auch während der Corona-Pandemie sind die Mehrgenerationenhäuser zuverlässig für die Menschen in ihren Kommunen da. Ob während des Lockdowns oder nach der ersten Öffnung – die Häuser haben unterschiedliche Angebote und Strategien entwickelt, um mit Groß und Klein in Kontakt zu bleiben.

Mehrgenerationenhaus Borken – Instagram Live Videos für Jugendliche

Jungen Menschen Raum zur eigenen Entwicklung zu geben – das hat sich das Jugendhaus Nr. 1, einer von drei Standorten des Mehrgenerationenhauses Borken, zur wichtigsten Aufgabe gemacht. Zu den Angeboten wie dem offenen Jugendtreff und Freizeitangeboten wie Yoga oder Kino ist jeder und jede willkommen. Als das Haus im März wegen Corona schließen musste, verlegte das pädagogische Team, bestehend aus Henning Lütjann und Svenja van Stegen, den offenen Jugendtreff kurzerhand ins Internet: „Ich erinnere mich noch genau. Freitag kam die Nachricht vom Lockdown, Montag haben wir beide noch aufgeräumt, und Dienstag unser erstes Live Video im sozialen Netzwerk Instagram gedreht“, berichtet Lütjann, sozialpädagogischer Leiter des Hauses.

Aus der spontanen Idee wurde schließlich eine tägliche Sendung. Lütjann und van Stegen informierten darin über die aktuelle Nachrichtenlage und klärten über Verschwörungstheorien auf, boten aber auch Unterhaltungsformate wie Mitmachspiele. Weil die Jugendlichen während dem Livestream und im Anschluss daran Fragen über die Kommentarfunktion stellen konnten, entwickelten sich immer neue Themen, diein die Sendung des Folgetags einflossen.

Schnell schauten mehr als 100 Personen zu. Auch die Reichweite des Instagram-Kanals des Jugendangebots entwickelte sich rasant: „Vor der Pandemie sind uns ungefähr 100 Leute bei Instagram gefolgt. Mittlerweile sind es mehr als 400“, sagt Lütjann nicht ohne Stolz. Darüber hinaus befeuerten er und seine Kollegin die Zahl der Follower durch eine lustige Aktion: „Weil Challenges gut bei den Jugendlichen ankommen, habe ich im Spaß vorgeschlagen, mir die Haare raspelkurz schneiden zu lassen, sollten wir die Marke der 300 Abonnentinnen und Abonnenten für unseren Kanal knacken.“ So musste Kollegin van Stegen in der Live-Sendung dann tatsächlich zum Rasierer greifen und bekam dafür viele Likes.

Inzwischen können einige Angebote schon wieder stundenweise und unter Einhaltung der Hygieneregeln vor Ort im Jugendhaus 1 stattfinden. Doch auch die Online-Angebote, allen voran der erfolgreiche Instagram-Kanal, werden weiterhin genutzt.
 

Mehrgenerationenhaus Lauchringen – Rückkehr ins Abenteuerland

„Alle freuen sich riesig, dass das Familienzentrum Mehrgenerationenhaus Lauchringen wieder geöffnet hat“, beschreibt Ulla Hahn, Koordinatorin des Mehrgenerationenhauses, die Reaktionen der letzten vier Wochen. „Auch die Kinder toben nun seit Anfang Juli wieder im Abenteuerland herum.“ Das Abenteuerland ist ein 2.000 Quadratmeter großes Naturgelände mit Spielscheune für die Kinder der Kleinstadt Lauchringen. Unter der Anleitung des Mehrgenerationenhauses lernen die jungen Besucherinnen und Besucher Gemüse anzubauen, Brot zu backen, Holzhütten zu bauen, Feuer zu machen oder sich um Hasen zu kümmern. Veranstaltungen auf der Naturbühne, das Scheunen-Café und eine Hausaufgabenbetreuung runden das Angebot ab.

Dass das Abenteuerland nun wieder geöffnet hat, sei besonders für die Eltern eine Entlastung: „Bald beginnen bei uns in Baden-Württemberg die Ferien. Viele Eltern haben ihre Kinder für ein bis vier Wochen zu unserem Ferienprogramm angemeldet.“ Auch die Kinder nehmen in diesem Jahr noch mehr als sonst wahr, wie wichtig ihnen das Abenteuerland ist. „Draußen zu toben, die Natur zu erfahren und sich auch mal dreckig machen zu können, all das ist nun – wenn auch unter Einschränkungen – wieder möglich“, sagt Hahn. Normalerweise betreut das Abenteuerland in den Ferien täglich bis zu 80 Kinder mit und ohne Behinderung. Durch Corona können in diesem Jahr nur maximal 35 Kinder das Angebot nutzen, damit Abstände leichter eingehalten werden. Wichtige Bestandteile des Hygienekonzepts sind außerdem regelmäßiges, gemeinsames Händewaschen und die Desinfektion von Sitzmöglichkeiten und Tischen.

Mit den örtlichen Schulen ist das Mehrgenerationenhaus gut vernetzt – und half ihnen daher gern vor den Ferien aus: Weil es in den Schulen oftmals nicht ausreichend Platz gab, um Abstands- und Hygieneregeln einzuhalten, wichen sie ins Abenteuerland aus. „Die Betreuung, die normalerweise nachmittags in den Horten stattfand, wurde kurzerhand zu uns verlegt“, berichtet Hahn. Noch ist ungewiss, ob es zu einem zweiten Corona-Lockdown kommt. Für die Koordinatorin und ihr Team steht jedoch fest: Sie wollen alles dafür tun, um Kindern und Familien auch und gerade während der Pandemie Raum zur Entfaltung zu geben.
 

Mehrgenerationenhaus Freudenstadt – Menschen weiterhin stärken

Das Mehrgenerationenhaus Freudenstadt weiß, wie man Menschen mit unterschiedlichen Lebensgeschichten zusammenbringt, wie Teilhabe und Inklusion erfahrbar werden. Bereits seit den 1990er-Jahren liegt ein Schwerpunkt des Hauses in der Wiedereingliederung und Integration von Personen mit psychischen Erkrankungen, mit Schwerbehinderungen oder sozialen Beeinträchtigungen, von Menschen in Langzeitarbeitslosigkeit oder Personen, die straffällig geworden sind. Zwischen zehn und fünfzehn dieser Menschen sind in den verschiedenen Bereichen des Mehrgenerationenhauses tätig. Sie unterstützen bei der Instandhaltung des Hauses, im Cafébetrieb, in der Holzwerkstatt, beim Bügelservice, bei den Freizeit- und Bildungsangeboten sowie im administrativen Bereich.
Als das Haus wegen Corona schließen musste, waren Sorgen und Ängste bei den Betroffenen und ihren Angehörigen groß. Die gewohnten Strukturen, die für diese Menschen besonders wichtig sind, drohten wegzubrechen. „Deshalb war es ein Segen, als wir von den zuständigen Behörden erfuhren, dass diese Menschen weiterhin im MGH betreut und beschäftigt werden können – wenn auch unter veränderten Bedingungen“, sagt Marianne Reißing, Vorstand und ehrenamtliche Geschäftsführung des Mehrgenerationenhauses. Neue Aufgabenbereiche wurden gefunden: Menschen, die im Offenen Treff oder den Bildungsangeboten des Hauses unterstützten, kümmerten sich nun beispielsweise um die Instandhaltung des Hauses. Mit allen Beteiligten wurden die notwendigen Hygienemaßnahmen besprochen. Reißing und ihr Team achteten in persönlichen Gesprächen außerdem besonders darauf, dass es diesen Menschen auch seelisch weiterhin gut geht.
„Wenn Personen an unserem Wiedereingliederungsprogramm teilnehmen, heißt das für uns vor allem, Stabilisierungs- und Befähigungsprozesse zu verorten, individuelle perspektivische Schritte mit den Betroffenen anzubahnen, deren Leben vielfach von lebens- als auch berufsbiografisch gescheiterten Verläufen geprägt war“, erzählt Marianne Reißing. Ziel ist es, den Programmteilnehmerinnen und -teilnehmern nicht nur neue Fertigkeiten zu vermitteln, sondern insbesondere auch das Selbstwertgefühl zu stärken. Gleichzeitig gehöre zum Miteinander im Mehrgenerationenhaus auch, die Toleranzschwelle der Besucherinnen und Besucher des Hauses zu heben, Vorurteile abzubauen und Dialog zu ermöglichen. Aktuell findet diese gelebte „Vision einer Vielfaltsgesellschaft unter einem Dach“ größtenteils auch im Garten des Hauses und im nahen Park statt, da das Haus noch nicht wieder wie gewohnt öffnen darf. Für den offenen Dialog mit Menschen unterschiedlicher Biographien einzutreten, wird den 87 Mitarbeitenden (davon 60 freiwillig Engagierte) im Mehrgenerationenhaus Freudenstadt - ob mit oder ohne Virus - weiterhin eine Herzensangelegenheit sein nach dem Leitmotto: Würdevolle und bedingungslose Teilhabe für alle Menschen!