Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Projektsteckbrief

Projektsteckbrief Diakonische Hausgemeinschaft Schweizer Hof e.V.

Kinderhotel


Schlagworte: Beratung und Unterstützung von Familien, Freizeitgestaltung, Inklusion, Integration von Menschen mit Migrations- und Fluchtgeschichte, Kinderbetreuung, Teilhabe, Vereinbarkeit Beruf und Familie, Vereinbarkeit Beruf und Pflege

Demografietyp: 2 Zentren der Wissensgesellschaft


Siedlungstyp: Städtischer Raum


Das Kinderhotel bietet eine Über-Nacht-Betreuung für alle Kinder unabhängig ihrer Herkunft, sozialen Lage und Behinderung.


Projektbeschreibung

Zwar hat Heidelberg viele Angebote für Kinder- und Jugendliche am Nachmittag, jedoch gibt es ein Betreuungsloch in den Abend- und Nachstunden. Aus der Nachbarschaft wurde der Bedarf an uns herangetragen, ein solches Betreuungsangebot zu schaffen. Im Quartier Hasenleiser gibt es einen hohen Anteil an Familien mit Migrationshintergrund, Einelternhaushalten und Haushalten mit 3/mehr Kindern. Verstärkt wird die Situation durch den Neubau von Wohnungen, die konzeptionell Alleinerziehende und mobilitätseingeschränkte Menschen vorsehen und durch eine Unterbringung für bis zu 140 geflüchtete Menschen. Wir möchten die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erleichtern und den Eltern die Möglichkeit geben, sich einen Abend Zeit für sich, ein Geschwisterkind, für Freunde/Familie zu nehmen, oder 1 Mal pro Woche eine Nachtschicht anzunehmen. Die Kinder sollen an Selbständigkeit gewinnen und im Kontakt mit anderen Berührungsängste der Andersartigkeit verringern oder abbauen. Hierzu zählen Behinderungen, Fluchthintergründe, oder Armut. Die Idee entstand im Gespräch mit einer Bewohnerin des MGH. Gemeinsam haben wir ein Konzept geschrieben und die ersten Nächte angeboten. Die Geschichte wurde auf unseren Kanälen (Facebook, Website, Newsletter, interne Aushänge), über die regionale Presse (RNZ, MM, BNN, Die Stadtredaktion) und über überregionale Medien (SWR: https://cutt.ly/Ve5Wlk8) verständlich und bildhaft erzählt. Es gab zudem einen Interview-Radiobeitrag von RTL.


Bildergalerie


Einbindung der Querschnittziele

Die Ideengeberin übernahm die ehrenamtliche Projektleitung. 2 Mal pro Monat stehen je 2 fachlich qualifizierte ehrenamtliche Betreuende für 17 Stunden und 12 Kinder zur Verfügung. Ressourcen wie feste Tagesstrukturen, gemeinsame Tageszeiten und Zeit füreinander werden immer rarer. Die Drei-Generationen-Beziehung zu den Großeltern wird schwächer - viele Familie leben über ganz Deutschland oder die ganze Welt verteilt. Das Angebot setzt an dieser Stelle an. In einem geschützten Raum sammeln die Kinder die für ihre Entwicklung so wichtige Selbstständigkeitserfahrung. Durch gemeinsame Mahlzeiten kommen sie in direkten Kontakt mit unseren Hausbewohnenden (die Älteste ist rüstige 90 Jahre alt) und lernen so Lebenskonzepte kennen, die Behinderungen und psychische Erkrankungen integrieren. Im Sinne der Projektnachhaltigkeit greifen wir auf unser breites Netzwerk an Kooperationspartnern im Bereich der Kinder- und Familienarbeit zurück, so zum Beispiel der russische Kinderverein „Modellierton“ oder „KulturTandem International e.V.“. Enge Kontakte zu den lokalen Kitas und Schulen bestehen. Es gibt kostenfreie Plätze für Kinder von geflüchteten Familien. Wir kooperieren an dieser Stelle mit der lokalen Asylunterkunft, dem Asylarbeitskreis, der Arbeitsgruppe Asyl - Rohbach sagt ja dem Migration Hub und Über den Tellerrand. Unser Jubiläumsfest 2018 haben wir zum Sammeln von Feedback genutzt und unser Angebot angepasst (zum Beispiel Einführung von Schnupperstunden).


Wirkung

Wir sind stets ausgebucht (1/12 Kinder mit Behinderung; 3/12 geflüchtete Kinder). Es gibt Freiplätze für geflüchtete Kinder. Kinder aus ärmeren Familien zahlen 25€ statt 40€ pro Nacht oder werden gesponsort. Das Feedback der Eltern ist positiv. Durch Vertrauensarbeit wurde die Hürde für Eltern von behinderten Kindern niedriger, sie bei uns abzugeben. Die Kinder sind stolz, dass sie ohne Eltern im Hotel waren. Unerwartet gibt es zur Kinderbetreuung eine Vernetzung der Eltern untereinander. Die Nachfrage ist auch nach 4 Jahren so groß, dass wir weitermachen. Jeder Abend steht unter einem neuen Motto - so wird das Angebot für Kinder nicht langweilig. Wir wurden mehrfach kontaktiert (zum Beispiel von der Stadt) und nach dem Konzept befragt. Wir ermuntern zum Nachahmen und beraten gern! Wir erhielten den SocialDesignAward von SpiegelOnline (insgesamt 240 eingereichte internationale Projekte) und den Demografiepreis 2020. Das Angebot hat sich fest etabliert (bisher über 500 Kinder).


Erfahrungsbericht

Zu Beginn haben wir konzeptionell festgelegt, dass die Kinder eine ganze Nacht bleiben. Unser Augenmerk lag auf dem Gruppenprozess. Dies haben wir dann innerhalb des ersten Jahres (nachdem immer wieder Anfragen kamen, ob es auch möglich ist, das Kind nur für einige Stunden abzugeben) angepasst. Wir haben erfahren, dass man eine gewisse Sicherheit der Betreuenden gegenüber als Eltern braucht. Es tat den Kindern gut, sich schrittweise an dieses Abenteuer heranzutasten. Daher würden wir unbedingt empfehlen, auch Schnupperstunden möglich zu machen und Elternteilen ermöglichen, einen Abend dabei sein zu können, um Vertrauen aufzubauen.Dieses Projekt eignet sich auch wunderbar, mit Firmen zusammenzuarbeiten, wenn man es etwas größer aufziehen möchte. Wir werden immer wieder angefragt, ob es auch möglich ist, Kinder während der Geschäftsreise aufzunehmen. Die für das Betreungspersonal benötigten Führungszeugnisse sind als gemeinnützige Organisation kostenfrei.

Kontaktdaten

Diakonische Hausgemeinschaft Schweizer Hof e.V.

info@mgh-heidelberg.de

www.mgh-heidelberg.de


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