Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Projektsteckbrief

Projektsteckbrief MGH Zwickau

"grenzenlos" - Magazin für gute Nachbarschaft


Schlagworte: Bildung, Bürgerbeteiligung, Freiwilliges Engagement, Integration von Menschen mit Migrations- und Fluchtgeschichte, Teilhabe

Demografietyp: 9 Stark schrumpfende Kommunen mit Anpassungsdruck


Siedlungstyp: Städtischer Raum


Das MGH Zwickau unterstützt eine Gruppe Geflüchteter, die ein Magazin von Geflüchteten für Geflüchtete und ihre Nachbarn initiiert hat.


Projektbeschreibung

Die Initiative kam von Frauen und Männern, die nach ihrer Flucht vor dem Krieg im Nahen Osten mit ihren Familien in Zwickau ein neues Zuhause suchten. Sie wollten ein Stadtmagazin auf die Beine stellen, das sich an Geflüchtete, Einwanderer sowie deren Nachbarn - schließlich alle Zwickauer – richtet. Journalistische Erfahrungen hatten nur wenige, dafür aber Ideen und Enthusiasmus. Mit Unterstützung des Mehrgenerationenhauses und einer Journalistin haben sie das kostenfreie Magazin gemeinsam entwickelt und zum Tag des Flüchtlings am 28. September in der Stadt verteilt. Die Finanzierung organisierte das Mehrgenerationenhaus über die Partnerschaft für Demokratie und das Programm „Demokratie leben“. Unterstützer fanden sich über das weitverzweigte Netzwerk des Hauses in Form einer Kooperation mit dem ehrenamtliche Sprach- und Kulturmittlerdienst der Stadt Zwickau. Jeder Artikel des Magazins erscheint jeweils in der Muttersprache des Autors oder der Autorin und in Deutsch. So können sich auch Einheimische über die Themen informieren, mit denen sich Geflüchtete und Einwanderer beschäftigen. Zukünftig soll es viermal im Jahr erscheinen. Das nächste erscheint zu Weihnachten unter dem Thema: „Weihnachten grenzenlos!?“. Bisher arbeiteten zehn Autorinnen und Autoren mit. Sie kommen aus Syrien, Iran, Libanon, Indien, Armenien und Tadschikistan. Jede neue Ausgabe interessiert neue Mitstreiter.


Bildergalerie


Einbindung der Querschnittziele

Das Projekt steht Menschen jeden Alters offen, die Interesse am Schreiben, Fotografieren oder Zeichnen sowie Layout-Arbeit haben. Der Zugang besteht also nicht über das Alter, sondern über dem Interesse für kreative Medien. Die Arbeit in der Redaktion moderiert die Koordinatorin des MGH. Gemeinsam wird eine Headline für die nächste Ausgabe vereinbart. Dann kann jede/r Themen vorschlagen und verfolgen. Besonders die Erstellung des Layouts setzt umfangreiche Internetkenntnisse voraus, deshalb entstehen regelmäßig auch Aufgaben für Schülerinnen und Schüler. Die Autorinnen und Autoren sind meist junge geflüchtete Menschen, aber auch ältere Einwanderer aus der ersten Generation. Da die Zeitung kostenlos in der Stadt verteilt wird, haben wir insbesondere über unsere Verteilstationen in Kirchgemeinden viele ältere Leser. Da die jungen Leser eher Internet-affin sind, veröffentlichen wir das Magazin auch online über drei feste Adressen (Website des MGH, Website Bündnis für Demokratie und Toleranz, Website SAEK Zwickau). Die Themen des Magazins sind an Geschichten orientiert und handeln vom Zusammenleben in der Stadt, Geschichte, Literatur, Kunst und aktuellen interkulturellen Begegnungen. Gezielt eröffnen wir Diskussionen über relevante Themen der Einwanderungsgesellschaft und diskutieren sie über Statements und Leserbriefe. Auch die Verteilung der Zeitung in der Stadt wird ausschließlich über Freiwillige realisiert.


Wirkung

Die Zeitung verändert das Zusammenleben im Mehrgenerationenhaus und die öffentliche Meinung in der Stadt. Sie stärkt die beteiligten Menschen in ihrem Wissen, ihrem Selbstbewusstsein, ihren Sprachkenntnissen und ihren Erfahrungen mit der demokratischen Gesellschaft. Die eigene Meinung offen äußern zu können und darauf zuerst im geschützten Rahmen der Redaktionsrunde und später öffentlich Antwort zu erhalten, ist eine eindrückliche Erfahrung für die meisten. Die eigenen Arbeiten im Team zu diskutieren und mehrmals im Jahr in gedruckter Form in der Hand zu halten, ist für sie Wertschätzung ihrer Arbeit. Ihre Kontakte in die Stadtgesellschaft haben sich entscheidend ausgeweitet. Die Reaktionen aus der Stadt öffnen weitere Türen und positive Beziehungen, etwa zu Schulen oder dem Stadttheater. In der Kommune wird das Magazin als Beitrag für ein verständnisvolleres Zusammenleben geschätzt.


Erfahrungsbericht

Nach unseren Erfahrungen bietet die gemeinsame Arbeit an Themen, Texten und Bildern in der Redaktionsgruppe des Magazins ideale Möglichkeiten des kulturellen Dialogs: Nach innen in das Mehrgenerationenhaus wirkend, wo über die Themen des Magazins Interesse und Verständnis füreinander und für verschiedenen Kulturen entsteht, darüber hinaus für Geflüchtete und Unterstützerinnen und Unterstützer, weil Sprache geübt und Sprachkenntnisse vertieft werden auf beiden Seiten, für die freiwilligen Übersetzerinnen und Übersetzer (die zum Teil an den Redaktionssitzungen teilnehmen), weil sie sich mit kulturellen und philosophischen Texten beschäftigen. Draußen, in der Stadt wirkt das Magazin als Moderator zwischen den migrantischen Milieus, Katalysator der Stadtkultur, der Fremdheit abbaut und Sympathie generiert. Allein die Tatsache, dass wir in sechs Sprachen schreiben (jeweils in der Muttersprache der Autoren und in Deutsch) wird als Wertschätzung der jeweils eigenen Kultur gewertet. Die Beteiligung der Stadtgesellschaft wird mit Diskussionen über wichtige Themen und über Leserbriefe sowie mit Werbung für interkulturelle Projekte realisiert. Parallel zu seiner Verteilung kann das Magazin online gelesen werden, was besonders von Lehrern in der Arbeit mit Schulkindern gern genutzt wird.

Kontaktdaten

MGH Zwickau

mz-zwickau@sos-kinderdorf.de

http://www.sos-kd-zwickau.de


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