Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Blick in die Statistik: Einbindung und Teilhabe von jungen Menschen in Mehrgenerationenhäusern

Nikola Ornig, Isabelle Suchowitz, Anne Valtin (InterVal GmbH)

Die Einbindung von Jugendlichen (d. h. 14- bis 18-Jährige) und jungen Erwachsenen (d. h. 19- bis 27-Jährige) in Mehrgenerationenhäusern (MGH) sowohl als Besucherinnen und Besucher als auch als freiwillig Engagierte ist eine Säule der Generationenvielfalt in den Häusern. Die (Zusammen-)Arbeit mit jungen Menschen ermöglicht Einblick in ihre Lebenswelten, Interessen sowie Kompetenzen und trägt nicht zuletzt – Stichwort „Nachwuchssicherung“ – dazu bei, die Arbeit von MGH längerfristig zu gestalten.

Wie nutzen bzw. gestalten junge Menschen Angebote der Mehrgenerationenhäuser? 

In der Evaluation des Bundesprogramms zeigte sich, dass junge Besucherinnen und Besucher1 mehrheitlich durch Bekannte vom MGH erfahren haben, es sehr regelmäßig aufsuchen und vielfältige Angebote im MGH nutzen. Allen voran, jeweils von knapp einem Drittel der Befragten, werden der Offene Treff, Kurse (z. B. Sport, Sprache, Kreatives), Feste und Veranstaltungen besucht. Dabei bleiben die jungen Menschen nicht „unter sich“. Über drei Viertel geben an, sich auch regelmäßig mit deutlich jüngeren oder älteren Besucherinnen und Besuchern auszutauschen. Es zeigt sich zudem eine sehr hohe Zufriedenheit der Nutzerinnen und Nutzer. Dies spiegelt sich auch darin wider, dass viele als Freiwillige im MGH „mitarbeiten“.

Fast drei Viertel der jungen Menschen2, die sich freiwillig engagieren, machen dies mindestens einmal pro Woche. Am häufigsten engagieren sie sich im Offenen Treff, bei der Organisation und Umsetzung von Veranstaltungen und in Betreuungsangeboten (jeweils rund ein Drittel der Befragten geben an, sich in mindestens einer dieser Formen zu engagieren). Auch junge Freiwillige wurden mehrheitlich über Bekannte „geworben“. Die jungen freiwillig Engagierten berichten von engem Austausch mit Mitarbeitenden des MGH und sehr guter Unterstützung durch diese. 

Wie gelingt aktive Ansprache und Einbindung von jungen Menschen?

Auch wenn es für Mehrgenerationenhäuser oftmals eine Herausforderung darstellt, junge Menschen zu gewinnen (weil diese mit Schule, Ausbildung u. ä. zeitlich sehr gebunden sind oder ihnen nur bedingt bedarfsgerechte Angebote gemacht werden können, z. B. weil „coole“ Räumlichkeiten fehlen oder junge Freiwillige Unterstützungsbedarf hätten, der nicht gedeckt werden kann), gibt es viele gute Beispiele3 für eine erfolgreiche Ansprache und Einbindung junger Menschen. Ausgehend davon lassen sich vier Leitlinien formulieren: 

MGH bei jungen Menschen – auch durch andere junge Menschen – aktiv bekannt machen: Mit regelmäßigen Einladungen von Schulklassen und Jugendgruppen zu Vorträgen ins MGH werden Kontakte aufgebaut, Kooperationsprojekte mit Schulen, Berufs- oder Hochschulen initiiert und bereits engagierte junge Menschen als Multiplikatorinnen und Multiplikatoren oder Mentorinnen und Mentoren gewonnen.

Öffnungszeiten und Raumgestaltung an den Bedarfen junger Menschen ausrichten: MGH erreichen dies z. B. durch Öffnungszeiten am Abend bis 22 Uhr, Angebote am Wochenende, Klassiker wie Tisch-Kicker und Billard, „Chill-Areas“, Probe- sowie Konzerträume oder auch einen Offenen Treff im Stil einer Bar. 

Verschiedene Angebote und Einsatzmöglichkeiten für junge Menschen im MGH anbieten: MGH schaffen das durch Entwicklung oder Umsetzung von Angeboten und Projekten, die unterschiedliche Interessensgebiete abdecken, so dass jede und jeder je nach Neigung und Bedarf fündig wird. Beispiele sind: „Jugend-Ausbildungsmentoren“ für die Suche von Ausbildungsplätzen, Handy- und PC-Sprechstunden von Schülerinnen und Schülern für ältere Menschen, durch gemeinsame Theaterarbeit, über kürzere oder längere Praktika und nicht zuletzt über Freiwilligendienste.

Mit- und Selbstbestimmung von jungen Menschen im MGH und der Kommune fördern: MGH ermöglichen „hausintern“, über (themenspezifische) Arbeits- und Steuerungsgruppen, Kompetenzen und Ideen junger Menschen zur Gestaltung des MGH aufzugreifen. MGH schaffen zudem, diesen Ansatz in die Kommune zu tragen, beispielsweise durch Entwicklung eines kommunalen Gremiums zur Jugendbeteiligung aus dem MGH heraus.

 

1 Vgl. Befragung von Besucherinnen und Besuchern 2018 (n=4.033 davon 303 im Alter von 14-27 Jahren).

2 Vgl. Befragung von Freiwillig Engagierten 2018 (n=1.463, davon 146 im Alter von 14-27 Jahren).

3 Vgl. Vor-Ort-Fallstudien 2017, 2018 und 2019. Im Folgenden nennen wir Beispiele (in alphabetischer Rei-henfolge) aus den MGH Diakonie St. Martin (Rothenburg/O.L.), KOMM Nachbarschaftszentrum Nordstem-men e.V. (Nordstemmen), MGH Alte Schule Ottelau (Herford), MGH „Harold and Maude“ (Lutherstadt Wit-tenberg), MGH Haunetal (Haunetal), MGH Kirchheim - LINDE Zentrum für Begegnung, Jugend und Kultur (Kirchheim unter Teck) und MGH Sonnenblume (Bad Dürkheim).