Engagiertenporträts

Jutta Hösl

„Man merkt, dass man gebraucht wird und gemeinsam etwas bewegen kann.“

Seit zehn Jahren rettet Jutta Hösl Lebensmittel, die nicht mehr verkauft werden können, und verschenkt sie im Mehrgenerationenhaus Schwabach an Bedürftige. Im Interview erzählt sie, warum es dabei um mehr als nur Nachhaltigkeit geht. 

© Mehrgenerationenhaus "Zentrum Mensch"

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, sich im Mehrgenerationenhaus Schwabach für die Initiative „Lebens-Mittel-retten“ zu engagieren?

Über eine Bekannte, die das „Lebens-Mittel-retten“ im Mehrgenerationenhaus initiiert hat, bin ich auf das Projekt aufmerksam geworden. Seitdem ordne und sortiere ich die geretteten Lebensmittel wöchentlich. Als die Bekannte vor ein paar Jahren weggezogen ist, wurde es ruhiger und es kamen kaum noch Lebensmittel an. Das hat mich motiviert, selbst aktiver zu werden. So habe ich eine Lebensmittelretten-Initiative rund um die Kirchengemeinde in Schwabach mit aufgebaut und Supermarktketten und Bäckereien organisiert, bei denen überschüssige Lebensmittel abgeholt werden können. Diese werden dann von privaten Helferinnen und Helfern an das Mehrgenerationenhaus geliefert.

Wie setzen Sie das Projekt konkret um?

Wir informieren die Leute über eine WhatsApp-Gruppe und Schilder im Mehrgenerationenhaus darüber, dass sie mittwochs und donnerstags ab 10:30 Uhr vorbeikommen können. Es werden immer mehr Menschen, die Lebensmittel benötigen oder Lebensmittel vor dem Verfall retten wollen, sodass nichts weggeworfen wird. Im Moment sind es etwa 25 bis 30 Personen, die sich die Lebensmittel abholen. Jeder kann kommen und sich im Regal bedienen, ein Abholschein ist nicht nötig. Zusätzlich gibt es ein „Verschenkeregal“, in dem Haushaltsgegenstände, Bücher und Spielsachen abgegeben werden können, die man verschenken möchte.

Was schätzen Sie besonders an diesem Projekt?

Besonders viel Freude bereiten mir die Begegnungen mit den Menschen. Oft entstehen ganz ungezwungene Gespräche. Außerdem macht es Spaß zu sehen, wie sinnvoll das Ganze ist. Lebensmittel werden gerettet und die Menschen freuen sich darüber. Ich stehe voll und ganz hinter dem Projekt und freue mich jedes Mal, wenn wir nichts wegwerfen müssen.

Gibt es Momente, an die Sie besonders gerne zurückdenken?

Wenn Menschen kommen und man merkt, wie sehr sie sich über die Lebensmittel freuen, wenn man das Strahlen in ihren Augen sieht. Auch die Zusammenarbeit im Team ist toll: Wir lachen zusammen und ziehen alle an einem Strang.

Was ist Ihre Motivation, sich im Mehrgenerationenhaus zu engagieren?

Es ist das Gefühl, wirklich etwas Sinnvolles zu tun. Die Lebensmittel werden nicht weggeworfen, sondern erreichen Menschen, die sie gebrauchen können. Gleichzeitig bekomme ich auch selbst viel zurück: die Begegnungen mit unterschiedlichen Menschen, die Gespräche und das Gefühl von Gemeinschaft. Man merkt einfach, dass man gebraucht wird und gemeinsam etwas bewegen kann. Außerdem möchte ich sagen, dass mir das Thema Nachhaltigkeit persönlich sehr wichtig ist. Da kann ich im Alltag ganz konkret etwas beitragen. Die Verbindung von sozialem Engagement und Umweltschutz macht das Projekt für mich besonders wertvoll.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft? Für das Mehrgenerationenhaus und für Ihr Engagement?

Für das Mehrgenerationenhaus wünsche ich mir, dass es ein Ort bleibt, der die Menschen verbindet. Was meine Tätigkeit und das Projekt betrifft, wünsche ich mir, dass es stabil weiterläuft und vielleicht noch mehr Menschen motiviert, sich ehrenamtlich zu engagieren. Es ist mein Herzblut, und ich mache das so gerne. Wenn man sieht, was man umsetzen kann und wie froh die Menschen darüber sind, dann macht man das doppelt und dreifach so gerne.

Zur Person

Jutta Hösl ist 68 Jahre alt, war früher Personalleiterin und ist nun im Ruhestand. Seit zehn Jahren engagiert sie sich im Mehrgenerationenhaus „Zentrum Mensch“ im Schwabacher Stadtteil Limbach.

Lust, sich zu engagieren?

Finden Sie Ihr Mehrgenerationenhaus!

ZUR SUCHE