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Engagiertenporträts

Selda Öner

„Ich bin glücklich, wenn andere glücklich sind“

Jeden Dienstag trifft sich eine mittlerweile eng vertraute Gruppe von Frauen zum Frühstück im Mehrgenerationenhaus Herborn. Selda Öner organisiert das Treffen seit fast 14 Jahren – ihr wichtigstes Ziel: Niemand soll sich ausgeschlossen fühlen. 

Eine Frau lächelt in die Kamera.
© MGH Herborn

Wie kamen Sie auf die Idee, sich im Mehrgenerationenhaus Herborn zu engagieren?

Ich wohne mit meiner Familie ganz in der Nähe. 2012 nahm ich mit meiner vierjährigen Tochter am Eltern-Kind-Angebot für Zuwandererfamilien teil, von dem ich im Kindergarten erfuhr. Ich war neugierig und wollte meiner Tochter etwas Gutes tun. Das Frauenfrühstück gab es zu diesem Zeitpunkt schon, aber die Organisatorin musste es wegen der weiten Anreise aufgeben. Da fragte mich der Leiter, ob ich übernehmen möchte.

Wer nutzt das Frühstück – und was macht die Dynamik so besonders? 

Es ist eine wunderbare Mischung: Junge Mütter sitzen hier – ob allein oder mit Kindern – neben Seniorinnen und Witwen, die Gemeinschaft suchen. Wenn jemand mal einige Wochen am Stück nicht erscheint, mache ich mir richtig Sorgen. Dann rufe ich bei ihr an und erkundige mich, wie es ihr geht, ob alles okay ist. Und ich sage ihr, dass sie uns fehlt. 

Wie hat sich das Frauenfrühstück entwickelt?

Erst fand es nur einmal im Monat statt, dann alle zwei Wochen – und jetzt sehen wir uns jeden Dienstag. Anfangs lief es nicht so gut, es kamen nur wenige Frauen. Aber eine Freundin sprach mir positiv zu: „Gib nicht auf!“ Ich habe weitergemacht und langsam fanden durch Mundpropaganda immer mehr Teilnehmerinnen den Weg zu uns. Heute nehmen in der Regel 15 bis 20 Frauen teil – der Platz wird langsam knapp! Aber wenn es zu voll wird, stellt uns das Mehrgenerationenhaus einen weiteren Raum zur Verfügung. 

Wie läuft denn ein Frühstück bei euch ab?

Laut, chaotisch, aber voller Spaß. Das ist schon im starken Kontrast zum Handarbeitskurs, den ich auch organisiere. Der Kurs ist kleiner und es kommen Frauen ab 60 Jahren, um zu häkeln oder zu stricken. Wir lernen alle voneinander, das ist schön. Zum Frühstück ermuntere ich die Frauen, ihre Kinder mitzubringen. Die haben ihre eigene Spielecke und wir haben sie immer im Blick. Während der Feiertage bringe ich auch Schokolade und Bonbons für sie mit. Ansonsten haben wir eine WhatsApp-Gruppe. Dort frage ich am Morgen, wer was mitbringt. Das ist dann ein Mix aus deutschen und türkischen Gerichten, Börek und Brötchen. Manchmal auch das Beste aus beiden Welten: zum Beispiel ein Kartoffelsalat nach türkischer Art mit Zwiebeln und Petersilie statt mit Mayonnaise und Gurken. 

An welche Momente im Mehrgenerationenhaus denken Sie besonders gerne zurück?

Ich beobachte gern, wie die Kinder aufwachsen: Manche kommen noch im Bauch der Mutter, später sitzen sie im Hochstuhl am Tisch, bis sie zu alt sind und nicht mehr dabei sind. Kürzlich traf ich einen Jungen bei einer Hochzeit wieder, der heute in die vierte Klasse geht. Er war ganz überrascht, mich dort zu sehen. Ihm war nicht klar, dass ich abseits des Frühstücksstreffs ein ganz normales Leben führe. 

Was ist Ihre Motivation, sich im Mehrgenerationenhaus freiwillig zu engagieren?

Wenn ich jemanden glücklich machen kann, bin ich glücklicher als dieser Mensch selbst.  Mir tut das gut. Bevor ich das Frühstück übernommen habe, erlebte ich eine schwierige Phase. Ich brauchte einen positiven Impuls von außen. Jemand, der mir sagt: Geh raus und mach was! Die Aufgabe fiel mir quasi zu. 
Heute gibt mir der Treff Struktur und spornt mich an, aktiv zu bleiben. Wenn ich mal für ein paar Wochen im Urlaub in der Türkei bin, fehlen mir die Frauen gleich.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft? Für das Mehrgenerationenhaus und für Ihre Tätigkeit?

Dass alles so bleibt, wie es ist! Alle kennen sich sehr gut. Wir sind Freundinnen und besuchen uns auch außerhalb des Frühstücks. Dasselbe gilt für den Handarbeitskurs. Wenn ich zum Beispiel beim Häkeln nicht weiterkomme, kann ich direkt um Hilfe fragen. Wir tun einander gut. Es ist wie eine Therapie.

Zur Person

Selda Öner, 50, ist in Wetzlar geboren. Seit 14 Jahren engagiert sie sich ehrenamtlich beim Mehrgenerationenhaus Herborn und veranstaltet das Frauenfrühstück einmal die Woche. Daneben leitet sie seit rund vier Jahren einen Handarbeitskurs. 

 

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