Engagiertenporträts

Juliane Lehmann

"Für die Kinder ist es viel mehr als Tanztraining"

Was bedeuten kulturelle Angebote für das Miteinander der Generationen? Juliane Lehmann erzählt, was sie in ihren vier Jahren als ehrenamtliche Tanztrainerin im Mehrgenerationenhaus erlebt hat.

Wie kamen Sie auf die Idee, sich im Mehrgenerationenhaus in Fürstenwalde zu engagieren und was machen Sie dort?

Das war am Anfang reiner Zufall. Ich habe vor vier Jahren für eine Tanzgruppe nach neuen Räumlichkeiten gesucht. Da hat mich der Jugendclub auf das Mehrgenerationenhaus aufmerksam gemacht. Als ich zum ersten Mal mit der Tanzgruppe dort war, gab es direkt eine ganz herzliche Atmosphäre – ich habe mich gleich zu Hause gefühlt. Als uns die damalige Leiterin die Räumlichkeiten gezeigt hat, waren wir vom großen Spiegel im Tanzraum total begeistert und wussten: „Hier können wir jetzt ankommen und unser eigenes Ding machen!“ Heute betreue ich die Tanzgruppen für Kinder und Jugendliche und die Seniorentanzgruppe, aber auch den Eltern-Kind-Sport. Dabei bereite ich die Tanzstunden vor, kümmere mich um die Kostüme und organisiere Auftritte. Wir bieten auch Trainingslager an, die ich umsetze und natürlich helfe ich bei den Teamtagen und den Feiern.

Wie schätzen Sie die Bedeutung Ihres Angebots für die Menschen vor Ort ein?

Das Mehrgenerationenhaus liegt im sozialen Brennpunkt und da kommen natürlich viele Kinder, die sich keine teuren Tanzschulen leisten können. In der Tanzstunde können sie ihre Sorgen im Alltag einmal vergessen, einfach tanzen und dabei in einer Gemeinschaft sein. Für die Kinder ist es natürlich viel mehr als nur ein Tanztraining. Wenn sie mal nicht weiterwissen oder stressige Situationen zu Hause erleben, dann bin ich für sie da.

Welches Erlebnis ist Ihnen im Zusammenhang mit dem Tanzen besonders in Erinnerung geblieben?

Hier im Haus treffen die verschiedenen Generationen aufeinander. Beim Tanztraining mit den Kindern gab es wegen der Lautstärke schon mal Beschwerden von älteren Besucherinnen und Besuchern. Wir haben dann nicht einfach weiter gemacht, sondern die Kinder sind rüber zu den Älteren und haben gefragt: „Wollt ihr uns einmal zuschauen beim Tanzen und unsere Kostüme ansehen?“ Darüber haben sich die älteren Leute dann sehr gefreut. Wir haben sie einfach miteinbezogen. Durch diese Begegnung ist hier eine ganz wunderbare Harmonie zwischen den Generationen entstanden. Das Miteinander – egal in welcher Form – ist ganz entscheidend. Das schützt vor Einsamkeit und es gibt eine Strukturierung im Alltag, weshalb die kulturellen Angebote hier im Haus so wichtig sind.

Was gibt Ihnen Ihr Engagement im Mehrgenerationenhaus zurück?

Ich bin selbst in einem sozialen Brennpunkt in Fürstenwalde großgeworden. Deswegen war es mir immer wichtig, Kindern zu ermöglichen, aus der Wohnung zu kommen. Sie sollen nicht immer nur vorm Fernseher sitzen. Ich lerne auch selbst sehr viel dabei – von den Kindern und Jugendlichen weiß ich jetzt viel über Soziale Medien, was ich vorher teilweise gar nicht kannte. Bei meinen Tanzgruppen mit den Seniorinnen und Senioren habe ich gelernt, wie man früher den „Disco Fox“ getanzt hat. Das Engagement ist für mich deshalb eine große Bereicherung. Und selbst, wenn es mal anstrengend wird, erfahre ich von so vielen Seiten Dankbarkeit.

Was ist Ihnen für die Zukunft wichtig?

Dass wir bald wieder tanzen können! Seit März biete ich meine Tanzgruppen auch online an, aber das wird gerade noch nicht so gut angenommen, wie ich es mir erhofft hatte. Ich denke, es liegt zum Teil auch an den fehlenden technischen Geräten bei den Teilnehmenden. Auch dass wir gerade keine Auftritte machen können, finde ich sehr schade. Das ist für alle so wichtig, weil wir dadurch besondere Erfahrungen ermöglichen, an die sich alle in zehn Jahren noch gerne erinnern.

Über Juliane Lehmann

Juliane Lehmann ist 24 Jahre alt und studiert im Master Erziehungswissenschaften. Schon früh entdeckte sie das Tanzen für sich und wurde bereits mit 16 Jahren Tanztrainerin. Anderen Menschen das Tanzen näher zu bringen, ist für sie eine große Bereicherung. Sie wünscht sich, dass noch mehr Menschen das Ehrenamt für sich entdecken.

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