Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Wüstenblumen auf der Schwäbischen Alb? – Geschichte aus dem Mehrgenerationenhaus Kirchheim unter Teck

Seit 2013 probt die Band „Wüstenblumen" für ihre Auftritte im Mehrgenerationenhaus Kirchheim unter Teck in Baden-Württemberg. 20 Musikerinnen und Musiker zwischen 15 und 60 Jahren aus acht Nationen spielen und singen jeden Mittwoch im Probenraum des Mehrgenerationenhauses.

Die „Wüstenblumen" aus Kirchheim unter Teck in ihrer Bühnenbesetzung. 1. Reihe ganz rechts Elyan Eshaq, 2. Reihe, 2. von rechts Sidahmed Serour, Foto: Jan Hanic

Zum „Welcome Abend" im Oktober 2013 war der Ratssaal „proppevoll", wie es auf Schwäbisch heißt. Angelika Matt-Heidecker, die Oberbürgermeisterin von Kirchheim unter Teck, hatte eingeladen, um all die Menschen zu begrüßen, die neu in die Stadt am Rand der Schwäbischen Alb gezogen sind. Manche von ihnen stammen aus europäischen Ländern, andere sind aus Afghanistan, Syrien oder verschiedenen afrikanischen Ländern nach Deutschland geflüchtet und lebten im Herbst 2013 noch in der Kirchheimer Flüchtlingsunterkunft.

Die Begrüßungsrede der Oberbürgermeisterin und vor allem der Bericht eines Familienvaters aus Afghanistan, der von den monatelangen Strapazen der Flucht für seine Familie berichtete, berührten das Publikum sehr. Im Zentrum des Abends stand aber die Freude darüber, dass die Menschen nun in Kirchheim angekommen und dort herzlich willkommen sind. Da zum Feiern vor allem Musik gehört, gab es ein Konzert von den „Wüstenblumen", der interkulturellen Band, die im Mehrgenerationenhaus Kirchheim unter Teck ihre Heimat hat.

Für die „Wüstenblumen", deren Mitglieder aus den unterschiedlichsten Ecken der Welt kommen, war der Abend die Bühnenpremiere. „Alle Bandmitglieder haben sich kurz vorgestellt – teils auf Schwäbisch, teils auf Englisch oder auf Deutsch mit arabischem Slang. Nur Hochdeutsch war nicht dabei, glaube ich", erzählt Anja Hezinger, die das Bandprojekt im Mehrgenerationenhaus betreut.

Gemeinsam rockt

Im Mehrgenerationenhaus gab es bereits vor der Bandgründung offene musikalische Abende. Gemeinsam mit dem Arbeitskreis Asyl, dem "club bastion – kultureller-literarischer-politischer club e.V." und der "Bruderhausdiakonie – Beratungsstelle für Flüchtlinge Chai" hat das Team des Mehrgenerationenhauses dann in den beiden Kirchheimer Flüchtlingsunterkünften Werbung für das musikalische Angebot gemacht. „Viele der rund 450 Flüchtlinge haben die Chance genutzt, gemeinsam mit den Kirchheimerinnen und Kirchheimern Musik zu machen", erzählt Anja Hezinger, die stellvertretende Koordinatorin des Mehrgenerationenhauses. Im Jahr 2013 wurde dann unter der musikalischen Leitung von Sidahmed Serour die Band „Wüstenblumen" gegründet. Der 20-jährige Elyan Eshaq war ebenfalls von Anfang an dabei. Er ist einer von vier Sängern und Sängerinnen der „Wüstenblumen" und singt in Englisch, Französisch und Arabisch.

So wie viele der Musikerinnen und Musiker der Band, haben auch Elyan Eshaq und Sidahmed Serour die Erfahrung gemacht, als Flüchtling nach Deutschland zu kommen. Sidahmed Serour kommt ursprünglich aus Algerien und lebt schon seit vielen Jahren in Kirchheim. Elyan Eshaq kam vor fünf Jahren mit seiner Familie aus dem Irak nach Deutschland. „Das gemeinsame Musikmachen hat mir sehr geholfen, schnell die Leute und die Sprache kennenzulernen", erzählt Elyan Eshaq.

Die „Wüstenblumen" – international und generationenübergreifend

Die Mischung aus verschiedenen Nationalitäten und Altersgruppen spiegelt sich natürlich auch in der Musik wider. Wer ein Konzert der „Wüstenblumen" besucht, unternimmt eine Reise durch die internationale Rock- und Popgeschichte. „Zu unseren Lieblingssongs gehören ‚Aicha' und ‚C'est la vie' von Cheb Kahled – das sind auch die Publikumslieblinge", berichtet Elyan Eshaq. „Mittlerweile haben wir aber auch zwei eigene Stücke erarbeitet", so Eshaq weiter. „Wir müssen schon Anfragen absagen, da die Band in der Region sehr begehrt ist", erzählt Anja Hezinger, die das Projekt im Mehrgenerationenhaus betreut. „Im Moment haben wir sogar eine Anfrage aus Berlin und wir sind sehr gespannt, ob wir auch in der Hauptstadt auftreten werden", so Hezinger. Wer es nun ganz eilig hat, die „Wüstenblumen" live zu hören, kann das am 13. Juni 2015 bei der Kirchheimer Musiknacht tun.