Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Vorhang auf für das Mehrgenerationenhaus Wittenberg

Ein Mehrgenerationenhaus und eine Theaterbühne – der Beginn einer Erfolgsgeschichte.

Auf dem Foto ist eine Szene des Theaterstücks abgebildet. Der Müllmann betrachtet eine Gruppe Leute. Eine Frau hält einen Schirm, ein Kind fotografiert.

Szene aus "So ein Dreck hier", Foto TJC Chamäleon

Ein Mehrgenerationenhaus und eine Theaterbühne – der Beginn einer Erfolgsgeschichte. Bereits das sechste Theaterstück feierte in Wittenberg seine Premiere. Auf kreative Art und Weise behandelt man dort ernsthafte Themen und bewirkt Vieles: Wissen vermitteln, Sprache fördern und die Generationen und Kulturen vernetzen.

Am 12. Mai 2017 hebt sich im Theater in Wittenberg der Vorhang und Ahmad al-Hasbani tritt auf die Bühne. Als Müllmann verkleidet, ausgestattet mit Besen und Mülltonne sieht er sich den verschmutzten Park, in dem er steht, an und schüttelt den Kopf: „So ein Dreck hier!“. So lautet auch der Name des Stücks, das an diesem Abend seine Premiere feiert. „Es besteht aus abwegigen Einzelszenen, welche die Absurditäten des heutigen Alltags widerspiegeln sollen“, erklärt Markus Schuliers, der Koordinator des Mehrgenerationenhauses „Harold and Maude“ in Wittenberg und Leiter des örtlichen Theaterjugendclubs.

In einer Szene baut zum Beispiel eine Frau eine Bombe nach Plänen aus dem Internet. Der Müllmann Ali beobachtet das und weist sie darauf hin, dass sie ihre Zeit doch sinnvoller nutzen könne – woraufhin sie sich zur Teilnahme an einer Castingshow entschließt. Anschließend betritt eine Gruppe von Demonstranten den Park, die erhitzt zuerst gegen und anschließend für etwas demonstriert. Als Ali sie nach ihrem Anliegen fragt, antworten sie schlicht, dass sie das auch nicht wüssten.

„Theater hat bei uns Tradition“, erklärt Schuliers. Nach fünf anderen Stücken ist „So ein Dreck hier!“ bereits der sechste Teil einer langen Theaterreihe. „Wir legen im Mehrgenerationenhaus einen starken Fokus auf Bildung und die Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Menschen, die neu in Deutschland sind.“ Theater spielen ist ein guter Weg, all das zu kombinieren: „Die Rollen lassen sich individuell auf alle Generationen und Kulturen zuschneiden und die Kopplung der Sprache mit dem visuellen Aspekt führt dazu, dass die Leute auf der Bühne ganz schnell die Sprache lernen.“, beschreibt Markus Schuliers.

Es steckt einiges an Vorbereitung hinter den 15 einzelnen Szenen, welche die Zuschauer auf der Bühne zu sehen bekommen: die Konzeption, Sprachkurse mit den Darstellerinnen und Darstellern und schließlich Leseproben und szenische Proben. Aber dank des Engagements aller Beteiligten lief dieser Prozess problemlos ab. Schauspielerinnen und Schauspieler waren schnell gefunden: „Einige kannte ich bereits von vergangenen Aufführungen. Wir nutzten auch andere Angebote des Mehrgenerationenhauses, um über das Stück zu informieren und viele Menschen wollten sich beteiligen und brachten eigene Ideen ein“, erläutert Schuliers. Das Stück konzipierte er gemeinsam mit dem Hauptdarsteller um dessen Person herum.

Ahmad al-Hasbani kommt aus Syrien, arbeitete im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes im Mehrgenerationenhaus und ist dort mittlerweile fest beschäftigt.

Auch ein Chor formierte sich spontan. „Das sind alles eher ‚Nicht-Sänger’“, lacht Markus Schuliers, „aber sie eint der Spaß am Singen in Zusammenarbeit mit dem Theater – und in jedem Menschen steckt künstlerisches Talent.“ So stehen jetzt Teilnehmende des Strickclubs mit Schülerinnen und Schülern der Nachhilfekurse gemeinsam auf der Theaterbühne, zum Beispiel als singende Reisegruppe.

Die jüngste Schauspielerin, Danae, ist sechs Jahre alt und kommt aus dem Theaterjugendclub. Der Älteste, Mahmoud, ist 72 und der Vorsitzende des lokalen Islam-Vereins. Und auch dazwischen waren alle Altersgruppen zwischen 11 und 60 Jahren sowie 9 Nationalitäten vertreten.
Die ideale Mischung, soll das Stück doch auf Probleme zwischen den Generationen und Kulturen hinweisen. „Es findet im Alltag in der Regel wenig Kommunikation zwischen diesen verschiedenen Gruppen statt“, befindet Schuliers. Theater ist ein guter Weg, diese Barrieren aufzuzeigen und gleichzeitig einzureißen. „Wir haben beobachtet, dass im Laufe der Zeit Akzeptanz an die Stelle von kulturellen Vorbehalten tritt“, fährt er fort. Auch die verschiedenen Generationen finden zueinander und unterstützen sich gegenseitig. Brauchen zum Beispiel die Älteren einmal für Erledigungen ein Auto, sind die Jüngeren zur Stelle.

Und auch das Stück endet versöhnlich: Alle helfen zusammen, sodass der Park schnell wieder sauber ist und die anderen Darsteller heißen Ali mit Umarmungen und einem Ständchen in Deutschland willkommen.

 

Das Projekt gehörte zu den Wettbewerbsbeiträgen zum DenografieGestalter 2018 – Der Mehrgenerationenhauspreis.