Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Editorial

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

gute Politik beginnt mit dem Betrachten der Wirklichkeit. Dafür muss man zuhören. Als Bezirksbürgermeisterin von Berlin-Neukölln habe ich jede Gelegenheit genutzt, um die Menschen aus meinem Bezirk zu treffen und zu erfahren, was sie brauchen, was sie umtreibt und was sie sich wünschen. Auch als Bundesfamilienministerin werde ich viel unterwegs sein und mit den Menschen sprechen, die sich vor Ort kümmern. Vielleicht lernen wir einander schon bald persönlich kennen. Heute stelle ich Ihnen erst einmal den Newsletter des Bundesprogramms Mehrgenerationenhaus vor und freue mich, dass er das Zuhören zum Thema hat: „Hören, was gebraucht wird“. In den Mehrgenerationenhäusern passiert nämlich genau das: Jede und jeder, jung oder alt, zugezogen oder schon immer hier lebend, arm oder reich, findet Gehör. Auch den leisen Stimmen wird zugehört, denn oft haben nicht diejenigen Recht, die am lautesten schreien.

Wer zuhört, weiß, was nötig ist. Wer zuhört, kann sich kümmern. Auch das tun die Mehrgenerationenhäuser. Durch die enge Anbindung an die Kommune haben die Mehrgenerationenhäuser einen kurzen Draht in die Rathäuser. Sie können schnell und direkt vermitteln, was benötigt wird oder Sorgen bereitet. Im Austausch mit der Kommune können die Herausforderungen, vor denen die Menschen stehen, angepackt werden. Wie die Mehrgenerationenhäuser es schaffen, die Bedürfnisse der Bürgerinnen und Bürger zu ermitteln und mit diesem Wissen die Lebenssituation der Menschen vor Ort zu verbessern, ist das Thema dieses Newsletters. Sie erfahren außerdem, welche Ergebnisse die Befragung der Koordinatorinnen und Koordinatoren in den Mehrgenerationenhäusern dazu gebracht hat.
Das Mehrgenerationenhaus Schmalkalden ist ein gutes Beispiel dafür, wie man am Runden Tisch die Bedarfe aller Generationen ermitteln kann und wie daran anschließende Angebote das Leben für die Menschen in einem Stadtteil verbessern können. Der Bürgermeister von Roßleben, Steffen Sauerbier, berichtet von der Zusammenarbeit zwischen Kommune und Mehrgenerationenhaus – ihr gemeinsames Ziel: Angebotslücken für Seniorinnen und Senioren schließen. Das Mehrgenerationenhaus in Herford hat mit der Fachhochschule Bielefeld eine Haustürbefragung vorgenommen, um aktiv die Quartiersentwicklung voranbringen zu können. Um zu ermitteln, was vor Ort wichtig ist und welchen Herausforderungen die Menschen durch den demografischen Wandel begegnen, greifen die Mehrgenerationenhäuser auch auf vorhandene Daten und Analysen zu. Jan Knipperts vom Wegweiser Kommune der Bertelsmann Stiftung erläutert, wie die Kategorisierung von Kommunen in verschiedene Demografietypen, der sich das Bundesprogramm mit seinen Mehrgenerationenhäusern angeschlossen hat, zur Ermittlung der Bedürfnisse vor Ort genutzt werden kann.

Die Menschen in den Mehrgenerationenhäusern kümmern sich, und wir kümmern uns um die Kümmerer. Das ist mein Ziel als Bundesfamilienministerin, und es fängt mit Zuhören an. Ich freue mich darauf, in den nächsten Jahren viel von Ihnen zu hören, und bedanke mich bei den vielen haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitenden in den Mehrgenerationenhäusern dafür, dass Sie ein offenes Ohr haben und sich um die Wünsche und Bedürfnisse der Menschen in ihren Nachbarschaften kümmern.

Ihre
Dr. Franziska Giffey