Ein „Schlenkie“ für den guten Zweck
Dass Plüschtiere Kinderaugen strahlen lassen, ist nichts Neues. Aber wenn ein „Schlenkie“ verschenkt wird, macht dies nicht nur den neuen Besitzer glücklich. Denn der Erlös aus dem Verkauf der selbst genähten Stoffpuppen kommt sozial benachteiligten Mädchen und Jungen zugute. „Ich wollte ein Projekt ins Leben rufen, das Menschen aus der Gegend direkt und unbürokratisch hilft“, sagt Sybille Zugowsky, Leiterin des Mehrgenerationenhauses in Dommitzsch und Initiatorin der Spendenaktion. Dass ihre Idee ein so großer Erfolg und der „Schlenkie“ in Dommitzsch und Umgebung zu einem festen Begriff werden würde, hätte sich die engagierte Frau allerdings nie träumen lassen.
Kleine „Schlenkies“ – große Wirkung
Ein „Schlenkie“, das ist eine Stoffpuppe mit sehr langen Beinen. Den Namen für die lustigen Spielzeuge haben sich Grundschulkinder ausgedacht, die von Sybille Zugowski als kreative Köpfe im Namensfindungsprozess hinzugezogen wurden. Jetzt sind die „Schlenkies“ Teil einer ganz besonderen Spendenaktion. Mit den Erlösen des Verkaufs der selbst genähten Tierchen werden benachteiligte Kinder aus der Region unterstützt. Für eine symbolische Spende von fünf Euro haben bereits 150 „Schlenkies“ einen neuen Besitzer gefunden. So sind seit September letzten Jahres bereits 800 Euro zusammengekommen. Der Erlös soll nun einem Fünfjährigen aus dem benachbarten Welsau zukommen. Die Eltern des geistig und körperlich schwer behinderten Jungen verfügen nicht über genügend finanzielle Mittel, um die nötigen medizinischen Hilfsmittel, die nicht von der Krankenkasse übernommen werden, zu zahlen. Gemeinsam mit der Ärztin der Familie und dem Gesundheitsamt wird nun darüber entschieden, welches medizinische Gerät zur Unterstützung der Familie angeschafft werden soll.
„Schlenkies“ auf Erfolgskurs
Bei der Dommitzscher Bevölkerung sind die „Schlenkies“ ein echter Renner. Wie viele andere haben auch Christa und Peter Jaeckel eine der bunten Puppen erstanden: „Wir haben einen „Schlenkie“ gekauft, um den Jungen zu unterstützen. Wir haben zwar keine Kinder oder Enkelkinder im Haus, die damit spielen könnten. Aber es sieht lustig aus, wenn das Püppchen im Fenster sitzt und seine Beine baumeln lässt.“ Pünktlich zu Weihnachten wurde auch die Seniorensportgruppe am Mehrgenerationenhaus auf die besonderen Kuscheltiere aufmerksam. Frau Frisch und ihrer Kollegin war klar: „ Das ist das perfekte Weihnachtsgeschenk für unsere Gruppe.“ Und schon hatten wieder 17 „Schlenkies“ eine neue Heimat gefunden. „Das Projekt ist sehr sinnvoll,“ meint Frau Frisch, „denn ein „Schlenkie“ ist nicht bloß ein schönes Geschenk, sondern dient gleichzeitig einem guten Zweck.“ Auch bei den Schülern der Leipziger Heimerer Schulen stieß die Idee auf große Resonanz. Auf einem Basar verkauften sie gleich 26 „Schlenkies“. Durch den Erfolg der Spendenaktion wurde auch ein Sanitätshaus auf die schwierige Situation der Welsauer Familie aufmerksam und spendete kurzerhand einen speziellen Kindersitz, mit dem der schwerkranke Fünfjährige nun auch im Auto mitfahren kann.
Gemeinsam helfen
Am Anfang hatte Sibylle Zugowski noch alle Plüschtiere selbst genäht. Aufgrund der großen Nachfrage bekommt sie heute Unterstützung von fünf weiteren Mitarbeiterinnen des Mehrgenerationenhauses. Die Materialien für die Puppen stammen von den Dommitzscher Mitbürgerinnen und Mitbürgern. Regelmäßige Anzeigen im Amtsblatt rufen die Bevölkerung dazu auf, Stoffreste, Knöpfe und anderes Nähmaterial zu spenden. Zwei bis drei Stunden dauert es, bis so ein „Schlenkie“ fertig gestellt ist. Neben dem Erfolg der ersten Spendenaktion trägt die Zusammenarbeit der Frauen aber auch darüber hinaus Früchte. Die Ein-Euro-Jobberinnen identifizieren sich mittlerweile so stark mit dem Projekt, dass sie sich nach Auslauf ihres Beschäftigungsverhältnisses weiterhin für die Aktion engagieren möchten. An Arbeit fehlt es jedenfalls nicht, denn Sybille Zugowski hat schon eine neue Idee: Als Nächstes soll ein ganz besonderer Ferientag für Kinder aus sozialschwachen Familien mit Hilfe der „Schlenkie“-Einnahmen finanziert werden. Nach einem gemeinsamen Mittagsessen und einer Bastelstunde im Mehrgenerationenhaus soll es mit den Jungen und Mädchen in ein nahe gelegenes Erlebnisbad gehen. Vierzig „Schlenkies“ haben die Frauen bereits fertig genäht. Sie sollen beim verkaufsoffenen Sonntag vor Ostern in einem Torgauer Einkaufszentrum verkauft werden. „Das ist eine tolle Chance für das Projekt, aber auch für das Mehrgenerationenhaus, das dadurch in der Kreisstadt bekannter wird,“ meint Sybille Zugowksi.
22.02.2010
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