Aktionsprogramm Mehrgenerationenhäuser - Die Jecken sind los!

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Die Jecken sind los!

Köln1 vergrößern Der Kinderchor „Pänz vom Erlenweg“ sorgt im Mehrgenerationenhaus Köln mit Karnevalsliedern für gute Stimmung.

Die einen nennen es Karneval, die anderen Fastnacht oder Fasching: In vielen Regionen Deutschlands und auch in den Mehrgenerationenhäusern wird dieser Tage gemeinsam gefeiert – ob in der Karnevalshochburg Köln oder im brandenburgischen Neuruppin.

Integration auf Kölsch

Wo sonst, wenn nicht im Kölner Mehrgenerationenhaus wird der Karneval groß gefeiert. Das Motto der diesjährigen Karnevalssitzung heißt „Jede Jeck es anders“ und spiegelt die gelebte kulturelle Vielfalt im Mehrgenerationenhaus wider. Peter Schmitz, der Koordinator des Hauses, ist überzeugt: „Gemeinsam Karneval zu feiern, ist echte Integration.“ Mit einem Augenzwinkern „integrieren“ die Kölner bei dieser Gelegenheit auch ihre Düsseldorfer Nachbarn. Inzwischen ist es Tradition, dass das Düsseldorfer Mehrgenerationenhaus eingeladen wird.

Karneval international

Köln2 vergrößern Die afrikanische Tanzgruppe bringt mit Hüftschwung und Rhythmus den Saal in Bewegung.

Damit an den tollen Tagen Sprachbarrieren keine Rolle spielen, wird im Mehrgenerationenhaus auf große Büttenreden in kölscher Mundart verzichtet. Stattdessen wird die internationale Karnevalssitzung mit viel Show, Tanz und Theater zum besonderen Erlebnis. Die Kindertanzgruppe „Kölschen Huhadel“ macht dabei den traditionellen Funkenmariechen echte Konkurrenz. Die afrikanische Frauengruppe des Mehrgenerationenhauses sorgt mit Rhythmus und Hüftschwung für gute Laune und der Kinderchor „Pänz vom Erlenweg“ gibt Karnevalslieder zum Besten. Ein eigens für die Karnevalssitzung produzierter Kurzfilm –  „Sinnflut övver Kölle“ – erzählt die Geschichte vom Kölschen Prinz, der nicht zu Noah auf die Arche darf. „Da der Kölner aber zäh ist, schwimmt der Prinz 40 Tage neben der Arche her“, erzählt Peter Schmitz, der die Rolle des Prinzen spielt. Ein weiterer Höhepunkt im Programm ist der Auftritt der brasilianischen Profi-Tanzgruppe „Magic Brazil“. Die temperamentvollen Damen verzichten sogar auf Ihre Gage – als Dankeschön an das Mehrgenerationenhaus für gelebte Integrationshilfe. Der echte Jeck Peter Schmitz freut sich schon auf die Sitzung, an der auch dieses Jahr wieder über 300 Personen teilnehmen. Stilecht heißt es dann: „Kölle Alaaf!“

Nachfrage schafft Angebot

Neuruppin1 vergrößern Kunterbunt und vielfältig: Der Kostümverleih des Mehrgenerationenhauses Neuruppin hat für jeden Geschmack etwas im Angebot.

Für die einen ist es Brauchtumspflege, für die anderen die alljährliche Gelegenheit, während der fünften Jahreszeit ein wenig Abstand vom (Arbeits-)Alltag zu bekommen und ausgelassen zu feiern. Etwas anders verhält es sich bei Claudia Hoffmann. Für die 43-Jährige und ihre Kolleginnen bringt die Karnevalszeit immer auch ein gehöriges Maß an Arbeit mit sich: „Im Augenblick stehen die Leute Schlange vor der Tür“, sagt die Leiterin des Kostümverleihs des Mehrgenerationenhauses Neuruppin in Brandenburg. Der Kostümverleih ist ein schönes, wenn auch ausgefallenes Beispiel dafür, wie die Nachfrage das Angebot bestimmen kann. Der Verleih entstand aus der früheren Änderungsschneiderei des Hauses. Mit der Zeit äußerten die Besucherinnen und Besucher immer häufiger den Wunsch nach ungewöhnlichen Verkleidungen. Seit 1992 werden deshalb fortlaufend neue Kostüme genäht. Mittlerweile gibt es im Fundus fast nichts, was es nicht gibt: Klassiker wie Prinzessinnenoutfits und Cowboymonturen finden sich genauso wie Schotten- oder Igelkostüme. Die Mitglieder der Theatergruppe des Mehrgenerationenhauses sind Stammkunden und Ideengeber zugleich. Für Inszenierungen wie „Das tapfere Schneiderlein“ wird auch schon mal das ganze Ensemble mit neuen Kostümen ausgestattet.

Heute Aladin, morgen Obelix

Neuruppin2 vergrößern Das Ensemble des "Tapferen Schneiderleins" wurde vom Kostümverleih des MGH Neuruppin ausgestattet.

Aber auch außerhalb des Mehrgenerationenhauses erfreut sich der Kostümverleih enormer Beliebtheit. Aus Neuruppin und den umliegenden Ortschaften kommen Jung und Alt in die Einrichtung. Bei der enormen Auswahl findet jeder etwas Passendes zwischen den meterlangen Kleiderstangen: Ein fein verarbeitetes beigefarbenes Burgfräuleinkleid mit Stickereien und goldenem Haarkranz, ein orientalisches Kostüm im Stil von Aladin oder eine gallische Verkleidung wie bei Asterix und Obelix. In sorgfältiger Kleinarbeit sammeln und entwerfen Claudia Hoffmann und ihre Kolleginnen Perücken, Masken und Schmuck – es sind diese kleinen Accessoires, die ein Kostüm perfekt machen.  Im Laufe der Jahre ist eine umfangreiche, ständig wachsende Sammlung von über 850 verschiedenen Kostümen entstanden, von denen mehr als 600 von Claudia Hoffmann und ihrem Team selbst genäht wurden. Für ein Kostüm inklusive Accessoires fallen je nach Aufwand Leihgebühren zwischen sieben und 15 Euro an, Kinder zahlen nur drei bis fünf Euro. Mit den Einnahmen finanziert das Team den Einkauf von neuen Accessoires und Stoffen. Beim Neuruppiner Rosenmontagsumzug werden auch in diesem Jahr wieder viele große und kleine Närrinnen und Narren, ausgestattet mit Kostümen aus dem Mehrgenerationenhaus, „Kamelle“ fangen und durch die Straßen tanzen.

08.02.2010


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