Aktionsprogramm Mehrgenerationenhäuser - Von Mensch zu Mensch

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Von Mensch zu Mensch

???aural:Bildanfang???Geislingen2???Gro�ansicht des Bildes???Die Geislinger IntegrationsbegleiterInnen bekommen von Oberbürgermeister Amann ihr Zertifikat überreicht. (v.l.n.r. Larissa Janz, Nese Bahadir, Nadja Haag, Aynur Keles, Thomas Reiff, Semra Boskurt, Sevgi Aslanboga, Wolfgang Amann)???aural:Bildende???

Nese Bahadir spricht türkisch und deutsch fließend. Ihre Sprachkompetenz betrachtet die 45-Jährige aber nicht nur als Geschenk, sondern auch als Verpflichtung. „Meine Sprachkenntnisse verstehe ich als Gabe, und ich wollte meine Gabe nutzen, um meinen Landsleuten und anderen Migranten zu helfen.“ Die Geislingerin mit türkischen Wurzeln ist eine von sieben zertifizierten Integrationsbegleiterinnen und Integrationsbegleitern im Mehrgenerationenhaus Geislingen. Seit etwas mehr als einem Jahr existiert dieses Angebot: Ziel ist es, Menschen mit Migrationshintergrund z.B bei Behördengängen zu begleiten oder auch sie im Umgang mit anderen öffentlichen Einrichtungen zu beraten.
Das Angebot trifft in der rund 60 Kilometer südlich von Stuttgart gelegenen Stadt auf eine große Nachfrage. Denn ein Viertel der in Baden-Württemberg lebenden Bevölkerung hat seine Wurzeln außerhalb Deutschlands – ein Anteil, der deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 19 Prozent liegt. Im Landkreis Göppingen, zu dem auch Geislingen gehört, sind es sogar 31 Prozent.  Entsprechend gut besucht ist der wöchentliche Sprechtag für Migrantinnen und Migranten im Mehrgenerationenhaus. In Geislingen ist das Angebot einmalig. Im Landkreis Göppingen, gibt es eine vergleichbare Einrichtung, die „AWO Integrationslotsen“, mit denen sich die Integrationsbegleiterinnen und -begleiter aus Geislingen regelmäßig austauschen.

Beratung und rasche Hilfe
Jeden Donnerstag bietet das Mehrgenerationenhaus Geislingen eine zweistündige Sprechstunde an. Dieser Termin erlaubt in Verbindung mit den längeren Servicezeiten vieler Behörden an diesem Wochentag oft eine umgehende Bearbeitung der Anliegen. Darüber hinaus sollen öffentliche Einrichtungen wie Schulen und Behörden für die Probleme und besonderen Bedürfnisse der Menschen mit Migrationshintergrund besser sensibilisiert werden. „Die Sprechstunde der Integrationsbegleiter soll ein Signal werden. Es soll zeigen: Der Beratungsbedarf ist da. Durch die offizielle Sprechstunde verlassen Probleme den privaten Bereich – und werden öffentlich,“ erläutert Sevgi Aslanboga, die sich ebenfalls für das Projekt des Mehrgenerationenhauses engagiert.???aural:Bildanfang???Geislingen3???Gro�ansicht des Bildes???Sevgi Aslanboga im Gespräch mit der Stuttgarter Zeitung bei der Eröffnung der ersten Sprechstunde.???aural:Bildende???


Sprache als Schlüssel zur Integration
Von rechtlichen und erzieherischen Fragen bis zu gemeinsamen Schul- und Behördengängen stehen die freiwillig Engagierten den Hilfesuchenden beratend zur Seite. Das Besondere: Für die meisten der Helferinnen und Helfer sind die Erfahrungen der Ratsuchenden Teil der eigenen Geschichte. Auch Sevgi Aslanboga weiß, was es bedeutet, sich in einer anderen Kultur zurechtfinden zu müssen. Im Alter von einem Jahr zog sie mit ihren Eltern aus der Türkei nach Deutschland. Die deutsche Sprache erlernte sie erst im Kindergarten. Oft sind es mangelnde Sprachkenntnisse, die den Alltag und den Umgang mit Behörden zusätzlich erschweren. „Sprache ist Schlüssel zur Integration,“ betont Sevgi Aslanboga. Sie weiß aber auch, dass das nicht alles ist. „Die Gesellschaft muss offen für Integration sein.“
Im Mehrgenerationenhaus Geislingen stehen die Türen für alle offen. Das Engagement der Freiwilligen geht in den meisten Fällen über die wöchentlichen Sprechstundenzeiten hinaus – wie der Einsatz von Nese Bahadir. Über einen Zeitraum von neun Monaten begleitete sie ein türkisches Elternpaar bei der Suche nach ärztlicher Hilfe und Unterstützung für ihr neugeborenes, schwerbehindertes Kind. Krankenhaustermine, regelmäßige Hausbesuche, Übersetzungen zwischen den Eltern und Ärzten – erst als eine türkische Familienbetreuerin den Eltern zur Seite gestellt werden konnte, hat sich die Integrationsbegleiterin aus ihrer Verantwortung langsam zurückziehen können. „Das ist mir sehr nahe gegangen. Die Familie ruft mich heute noch an,“ sagt Nese Bahadir.
Aus der wöchentlichen Sprechstunde wird so schnell eine umfangreiche Hilfe. Nese Bahadir nennt das „menschliche Beratung“ – bei der auch Einsatz in den Nachtstunden oder Ratsuchende, die vor der eigenen Haustür stehen, dazu gehören.???aural:Bildanfang???Geislingen1???Gro�ansicht des Bildes???Eine Geislinger Familie in der Beratung bei Integrationsbegleiter Thomas Reiff.???aural:Bildende???


Ein Ansprechpartner für alle Fälle
Seit das Angebot im Mehrgenerationenhaus Geislingen ins Leben gerufen wurde, kommen bis zu 15 Personen in die wöchentliche Sprechstunde. „Das Angebot wird sehr gut angenommen,“ fasst Sabine Wettstein, Leiterin des Mehrgenerationenhauses Geislingen und Initiatorin des Projekts, die Erfahrungen des vergangenen Jahres zusammen. Die Leiterin unterstützt die freiwillig Engagierten mit der nötigen Infrastruktur und hilft auch mal bei schwierigen Fragen. Es sind vor allem sozial benachteiligte Familien, die von dem Angebot im Mehrgenerationenhaus Geislingen Gebrauch machen und hier eine Hilfe erhalten, auf die sie sich verlassen können. (25.01.2010) 


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