Aktionsprogramm Mehrgenerationenhäuser - Herausforderungen und Chancen im ländlichen Raum

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Herausforderungen und Chancen im ländlichen Raum

Die Wege sind weit und die Einwohnerdichte ist gering: Im ländlichen Raum stehen Mehrgenerationenhäuser vor ganz besonderen Herausforderungen. Zahlen und Fakten aus der Wirkungsforschung zeigen, in welchem Umfeld die Häuser arbeiten, was diese Arbeit für das Miteinander der Generationen bedeutet und welche Chancen und Potenziale sich aus der Lage auf dem Land ergeben.

Alle Altersgruppen vereint im Mehrgenerationenhaus Nienhagen. vergrößern Alle Altersgruppen vereint im Mehrgenerationenhaus Nienhagen.

Häufig können Menschen im ländlichen Raum nur auf eine begrenzte Zahl von Bildungs-, Kultur- oder Freizeitangeboten zugreifen. Fehlende Betreuungsmöglichkeiten für Kinder und pflegebedürftige Angehörige stellen vor allem berufstätige Personen vor die oftmals schwierige Aufgabe, Beruf und Familie miteinander zu vereinbaren.

Mehrgenerationenhäuser im ländlichen Raum tragen mit ihren Angeboten dazu bei, bestehende Lücken zu schließen. Anders als in Großstädten und Metropolregionen, in denen für gewöhnlich eine Vielzahl verschiedener sozialer Dienstleister vorhanden ist, bleiben die Angebote der Häuser auf dem Land häufig ohne Alternative – weggebrochene Bildungs-, Sport-, Kultur- und Freizeitangebote müssen hier vollständig kompensiert werden. Wie die Fallstudien der Wirkungsforschung zeigen, verfügen die Verantwortlichen in den Häusern über umfangreiche Kenntnisse der regionalen Bedürfnisse und nutzen dies für die Entwicklung von passgenauen Dienstleistungsangeboten. Zusätzlich haben insgesamt 41 Prozent der Mehrgenerationenhäuser im ländlichen Raum eine umfassende Analyse durchgeführt, um die Bedürfnisse der Bürgerinnen und Bürger zu ermitteln.

Im Durchschnitt erbringen Häuser in ländlichen Regionen 22 regelmäßige Angebote. Damit unterscheidet sich die Zahl der Angebote kaum von derjenigen in Kleinstädten (24) beziehungsweise in Mittel-, Großstädten und Metropolen (23). Das ist umso bemerkenswerter, als die Einrichtungen im ländlichen Raum im Durchschnitt mit geringeren personellen Ressourcen arbeiten als die Häuser der anderen Regionstypen: Im ländlichen Raum sind durchschnittlich rund 28 Personen aktiv, während die Zahl in Kleinstädten bei etwa 50 Personen und in größeren Städten bei rund 49 Personen liegt.

Freiwillige übernehmen viele Leitungs- und Vernetzungsaufgaben

In allen Mehrgenerationenhäusern im ländlichen Raum ist vor allem die Leistung der Menschen, die sich freiwillig engagieren, kaum hoch genug einzuschätzen: Denn während sich die Angebote städtischer und ländlicher Mehrgenerationenhäuser im Umfang ähneln, müssen letztere mit deutlich weniger Personal auskommen. Sie werden im Durchschnitt mit Hilfe von 18 freiwillig Engagierten betrieben – in den Städten sind es 30. Auch die Anzahl der Festangestellten unterscheidet sich je nach Region. Die Häuser im ländlichen Raum arbeiten durchschnittlich mit vier Festangestellten. Den Häusern der anderen Regionstypen stehen durchschnittlich sechs Festangestellte zur Verfügung.

Die Unterschiede im Hinblick auf die Personalstruktur in den Häusern setzen sich auch bei der Aufgabenverteilung fort. Die Zahlen der Wirkungsforschung zeigen, dass freiwillig Engagierte in ländlichen Regionen mehr mit Leitungs- und Vernetzungsaufgaben und weniger mit der konkreten Umsetzung von Programmen betraut sind als in Klein-, Mittel-, Großstädten oder Metropolen.

Zusammenarbeit mit Partnern

Bei der genaueren Betrachtung der Kooperationsstrukturen der Häuser zeigt sich, dass in ländlichen Regionen durchschnittlich 25 Partner zusammenarbeiten. In Kleinstädten (40) und in größeren Städten (38) sind es deutlich mehr. Am häufigsten treten im ländlichen Umfeld die Unternehmen beziehungsweise Wirtschaftsverbände als Partner bei der Zusammenarbeit auf. Sie sind an 23 Prozent aller Kooperationen beteiligt. An zweiter Stelle stehen Vereine und Initiativen mit 19 Prozent.

Vor allem Kinder und Jugendliche nutzen die Angebote

Über 61.000 mal nutzen Bürgerinnen und Bürger im ländlichen Raum durchschnittlich täglich die Angebote der Mehrgenerationenhäuser. Allein der Offene Treff wird dabei täglich fast 18.000 mal besucht.

Knapp die Hälfte (45 Prozent) aller sind Kinder und Jugendliche, etwa ein Drittel sind ältere Menschen oder Hochbetagte. Insgesamt ist die Klientel in den ländlichen Gebieten etwas jünger als im Durchschnitt.

Herausforderung Erreichbarkeit

Die Häuser im ländlichen Raum stehen vor speziellen Herausforderungen: Dies gilt zum Beispiel für die Erreichbarkeit. Aufgrund der teilweise eingeschränkten Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr haben insbesondere ältere Menschen Probleme, die Häuser zu erreichen. Viele Mehrgenerationenhäuser bieten daher einen hauseigenen Fahrdienst an. Eine weitere Aufgabe für die Häuser im ländlichen Raum ist es oftmals, Wege zu finden, wie sie auch außerhalb von Veranstaltungen und Essensangeboten den Offenen Treff kontinuierlich beleben können. Wie das gehen kann, zeigt zum Beispiel das Mehrgenerationenhaus Langenfeld mit seinem „Weißwurst-Frühschoppen".

Fazit

Die Mehrgenerationenhäuser schließen in den ländlichen und kleinstädtischen Regionen bestehende Angebotslücken und setzen dabei vor allem auf das freiwillige Engagement. Durch die Bereitstellung und Vermittlung haushaltsnaher Dienstleistungen verbessern sie beispielsweise für Kinder, Familien und ältere Menschen die Lebensqualität im ländlichen Raum. Die Häuser sind ein wichtiges und belebendes Element in Regionen mit begrenzten kulturellen, infrastrukturellen und sozialen Angeboten. Sie fördern so die Standortattraktivität ihrer Gemeinde sowohl für Familien als auch für Unternehmen.


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