Bürgerschaftliches Engagement in Mehrgenerationenhäusern
Die Bundesregierung hat dem freiwilligen Engagement im Aktionsprogramm Mehrgenerationenhäuser eine besondere Rolle zukommen lassen und das generationenübergreifende freiwillige Engagement zu einer der zentralen Voraussetzungen der Förderung gemacht. Bürgerschaftliches Engagement verdient Unterstützung, weil die aktiven Bürgerinnen und Bürger nicht alle Aufgaben dem Staat überlassen wollen, sondern selber anpacken möchten. Die letzte Erhebung des Freiwilligensurvey (2004) gibt uns nicht nur an die Hand, dass die Zahl der Engagierten in Deutschland gestiegen ist, sie sagt auch: junge und ältere Menschen haben eine hohe Bereitschaft, sich freiwillig zu engagieren. Politik ist also gefragt, wenn es um die Schaffung guter Rahmenbedingungen für einen lebendigen Einsatz für das Zivilengagement geht. Das Aktionsprogramm Mehrgenerationenhäuser liefert hier einen breiten Aktionsbereich. Die ersten Zwischenergebnisse der Wirkungsforschung im Aktionsprogramm zeigen, dass die Mehrgenerationenhäuser offenbar ein ideales Umfeld für die Einbindung freiwillig Engagierter sind:
Ideales Umfeld für freiwillig Engagierte
In dem Aktivenmix aus Festangestellten, freiwillig Aktiven, Honorarkräften, Selbständigen und extern finanzierten Aktiven, auf den die Mehrgenerationenhäuser setzen, bildet die Gruppe der freiwillig Aktiven die größte Gruppe der Akteure. Mehr als die Hälfte der Aktiven (61 Prozent) sind freiwillig Engagierte. Mit insgesamt 15.000 Freiwilligen im Aktionsprogramm arbeiten durchschnittlich mehr als dreißig Freiwillige in jedem Mehrgenerationenhaus. Sie allein schultern über ein Viertel der wöchentlichen Stundenzahl in den Mehrgenerationenhäusern.
Zusammenarbeit Professioneller und Freiwilliger auf gleicher Augenhöhe
Die im Aktionsprogramm verfolgte Philosophie spiegelt sich insbesondere in der Aufgabenstruktur wider. In den Mehrgenerationenhäusern werden freiwillig Engagierte ihren Kompetenzen entsprechend in sehr verschiedenen Tätigkeitsbereichen eingesetzt. Insgesamt ähnelt das Aufgabenprofil der Freiwilligen dem der Festangestellten. Dadurch wird der Gedanke des Mit- und Füreinanders unter einem Dach tatsächlich gelebt. Teams aus Fachkräften unterstützen Laien in ihrer Tätigkeit und profitieren dabei von den Erfahrungen der Freiwilligen. Der gegenseitige Austausch zwischen Freiwilligen und professionellen Kräften im Rahmen der partnerschaftlichen Zusammenarbeit fördert in den Mehrgenerationenhäusern eine Professionalisierung der ehrenamtlichen Arbeit. Einerseits werden Freiwillige von den Fachkräften angeleitet. Andererseits werden sie im Rahmen ihrer Tätigkeiten z. B. durch Qualifizierungsmaßnahmen oder Reflexionsgesprächen unterstützt.
Erfolgsrezept: Wert legen auf Wertschätzung
Neben der Professionalisierung ist auch die Wertschätzung der freiwillig erbrachten Tätigkeit der Engagierten ein entscheidender Faktor zur Förderung des freiwilligen Engagements. Hier wählen die Mehrgenerationenhäuser verschiedene Formen, sie bieten z.B. die kostenlose Nutzung von Angeboten an, sie stellen Zeugnisse für die geleistete Arbeit aus oder führen Veranstaltungen durch, in denen sie das Engagement der Ehrenamtlichen würdigen. Professionelle Rahmenbedingungen und ein Klima der Anerkennung machen es für viele Menschen attraktiv, sich freiwillig in den Mehrgenerationenhäusern zu engagieren. Mehrgenerationenhäuser sind sich dieses Zusammenhangs bewusst: 88 Prozent der Mehrgenerationenhäuser geben an, dass die Motivation und Wertschätzung der freiwilligen Aktiven nach eigener Aussage eine große bzw. sehr große Bedeutung hat.
Jung und Alt sind gemeinsam aktiv
In jedem Mehrgenerationenhaus sind Jung und Alt über die vier Lebensalter hinweg gemeinsam aktiv. Aufgrund der hohen Anzahl an Begegnungsmöglichkeiten von Jung und Alt in den vielfältigen Betätigungsfeldern bieten die Mehrgenerationenhäuser hervorragende Bedingungen für die Etablierung eines generationenübergreifenden Engagements. So ist vor allem der eigene Beitrag zum Zusammenhalt der Generationen für jeden zweiten Freiwilligen ein Hauptmotiv für sein Engagement. Aber auch das spezifische Interesse, andere Menschen bei der Alltagsbewältigung zu unterstützen, ist ein sehr wichtiger Motivationsgrund. Für viele Freiwillige steht zudem die Unterstützung der Einrichtung im Vordergrund. Darüber hinaus ist für ein Viertel der Engagierten wichtig, sich im direkten lokalen Umfeld zu engagieren.
Freiwilliges Engagement in Mehrgenerationenhäusern ist keine Eintagsfliege
Freiwilliges Engagement in Mehrgenerationenhäusern ist keine Eintagsfliege. Wir finden eine enge Bindung der Freiwilligen an ihr Mehrgenerationenhaus, das sich in deren hohen zeitlichen Engagement widerspiegelt. Etwa zwei Drittel der freiwillig Engagierten sind mindestens einmal pro Woche in „ihrem“ Haus aktiv und gut zwei Drittel der Freiwilligen engagierten sich zum Erhebungszeitpunkt im April 2008 bereits seit mehr als sechs Monaten dort. Ältere Erwachsene engagieren sich bis zu sechs Stunden in der Woche und bringen insbesondere ihr Know-How bei der Erstellung von Angeboten ein. Aufgrund ihres breiten Erfahrungsschatzes sind sie eine wichtige Ressource für die Angebotsgestaltung. Die geringe Fluktuation gibt den Mehrgenerationenhäusern Sicherheit, ihre Angebote auch auf Dauer kontinuierlich und qualitativ hochwertig erbringen zu können.
Die berichteten Ergebnisse beziehen sich auf Erhebungen in den 500 Mehrgenerationenhäusern aus dem Monat April 2008.
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