Dienstleistungen für alle
Die Dienstleistungen der deutschlandweit 500 Mehrgenerationenhäuser sind so vielfältig wie die Bedürfnisse der Menschen, die sie in Anspruch nehmen. Im Einzelnen richtet sich das Angebot der jeweiligen Häuser nach dem Bedarf vor Ort. Ziel ist immer, die bestehende regionale Infrastruktur bestmöglich zu ergänzen und nicht zu ersetzen. Können die Aktiven eines Mehrgenerationenhauses eine Dienstleistung nicht selbst erbringen, bemühen sie sich um Vermittlung, denn sie wissen, wer zum Beispiel in der Nachbarschaft einen Hol- und Bringdienst anbietet oder Reinigungsarbeiten im Haus übernimmt. Einige Dienstleistungen stoßen bei den Besucherinnen und Besuchern der Häuser auf besonders hohe Resonanz. Immer beliebter werden laut der Wirkungsforschung beispielsweise Essensangebote – die Anzahl der Mittagstische in den Mehrgenerationenhäusern hat sich zwischen den Jahren 2007 und 2009 fast verdreifacht.
Viele Freiwillige schaffen ein vielfältiges Angebot
Ohne ein hohes Maß an freiwilligem Engagement wäre der Erfolg der Mehrgenerationenhäuser nicht vorstellbar. Auch das umfassende Angebot an Dienstleistungen beruht ganz zentral auf dem Einsatz freiwillig Engagierter, die ihre Erfahrung und ihre Kompetenzen in den Dienst der Gemeinschaft stellen. Von den 52 Personen, die im Schnitt in einem Haus tätig sind, bringen sich 33 auf freiwilliger Basis ein – das entspricht einem Anteil von 63,5 Prozent. Die übrigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind Festangestellte, Honorarkräfte, Auszubildende, Selbständige oder durch Dritte Finanzierte. Wichtig für die funktionierende Zusammenarbeit ist, dass Haupt- und Ehrenamt auf Augenhöhe kooperieren. Insgesamt sind in den 500 Mehrgenerationenhäusern über 16.000 Freiwillige beschäftigt. Gemeinsam leisten sie mehr als 50.000 Arbeitsstunden pro Woche, das sind rund 3 Stunden pro Person. Das Ergebnis ist ein Gewinn für alle und zeigt auch, dass ein vergleichsweise geringer zeitlicher Aufwand gemeinsam mit anderen viel bewirkt. (Quelle: Selbstmonitoring 2009)
Beruf und Familie vereinbaren
Umfragen bestätigen, dass die meisten Menschen Beruf und Familie miteinander vereinbaren wollen. Entsprechende Rahmenbedingungen und – ganz konkret – flexible und verlässliche Betreuungsangebote erleichtern es, diesen Wunsch zu realisieren. In vielen Mehrgenerationenhäusern können Mütter und Väter daher zusätzlich zu den Tagesbetreuungsangeboten auch auf kurzfristige Notfallbetreuung für die so genannten Randzeiten zurückgreifen. Über ihre engen Netzwerke vor Ort vermitteln die Häuser außerdem Babysitter sowie Plätze in Krippen oder Kindertagesstätten. Immer wichtiger werden dabei auch Kooperationen zwischen den Mehrgenerationenhäusern und regionalen Unternehmen. Das Haus in Buxtehude beispielsweise kooperiert mit ortsansässigen Betrieben, die ihrem Personal Kinderbetreuung anbieten möchten und damit die Vereinbarkeit von Familie und Beruf für ihre Beschäftigten verbessern, gleichzeitig aber auch das Abwandern von Fachkräften verhindern wollen.
Unterstützung für Alleinerziehende
Viele Mütter und Väter erziehen ihre Kinder alleine. Zwar konnte in den vergangenen beiden Jahren ein leichter Rückgang von 0,2 Prozent verzeichnet werden, dennoch ist der Anteil der Alleinerziehenden an der Gesamtheit der Familien weiterhin hoch – er beläuft sich auf etwa 18 Prozent. Für diese rund 1,5 Millionen Menschen ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf eine besondere Herausforderung. (Quelle: Familienreport 2009) Mehrgenerationenhäuser helfen ihnen dabei, die Hürden des Alltags besser zu meistern. Mehrgenerationenhäuser bieten praktische Unterstützung bei der Kinderbetreuung sowie im Haushalt an. Gleichzeitig sind die Häuser mit ihrem umfassenden Beratungsangebot auch eine Anlaufstelle für viele Erziehungs-, Berufs-, und Rechtsfragen. Das Dortmunder Mehrgenerationenhaus bietet als ausgewählter Standort im Rahmen des bundesweiten Modellprojekts „Vereinbarkeit für Alleinerziehende" ein besonders breites Spektrum an Unterstützungsleistungen insbesondere für weibliche Alleinerziehende. Dazu zählt unter anderem ein dreitägiges Bewerbungscoaching, das alleinerziehenden Müttern die Rückkehr in den Beruf erleichtern soll. Wo suche ich nach geeigneten Stellenanzeigen? Wie erstelle ich eine Bewerbungsmappe? Was sollte ich beim Bewerbungsgespräch beachten? Die Teilnehmerinnen des Seminars erhalten neben dem Bewerbertraining auch eine intensive Beratung im Hinblick auf Betreuungsmöglichkeiten für ihre Kinder.
Innovative Angebote in Zeiten des demografischen Wandels
Fast alle Mehrgenerationenhäuser bieten haushaltsnahe Dienstleistungen ganz gezielt für Seniorinnen und Senioren an – das Angebot reicht von Haushaltshilfen über Einkaufsservices bis hin zu mobilen Essensdiensten. Im Zuge des demografischen Wandels steigt auch der Bedarf an Angeboten für pflegebedürftige und an Demenz erkrankte Menschen. Die Mehrgenerationenhäuser haben es sich zur Aufgabe gemacht, dieser Entwicklung mit passgenauen Angeboten zu begegnen. Die Fachleute der Wirkungsforschung haben ermittelt, dass die Angebote für diese Zielgruppe in den letzten beiden Jahren noch erweitert wurde: Waren es 2009 bereits 133 Mehrgenerationenhäuser, die Betreuungs- und Beratungsmöglichkeiten für Demenzkranke und deren Angehörigen angeboten haben, so sind es 2011 bereits 169 Mehrgenerationenhäuser. Das Mehrgenerationenhaus Schwäbisch Gmünd beispielsweise hat das Projekt „Quelle der Kraft" initiiert. Unter Anleitung einer Fachkraft betreuen freiwillig Engagierte stundenweise Menschen mit Demenz – sie machen mit ihnen zuhause Gymnastik oder Gedächtnistraining. So werden demenzkranke Menschen körperlich und geistig gefordert und die Angehörigen entlastet.
08.03.2011
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