Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Was ist das Aktionsprogramm?

Der demografische Wandel, die Anforderungen der Arbeitswelt, kulturelle Vielfalt: Vieles hat sich in unserer Gesellschaft in den letzten Jahrzehnten verändert. Mehrere Generationen einer Familie leben heute nicht mehr selbstverständlich unter einem Dach zusammen. Mobilität und Flexibilität sind Begriffe, die für viele Menschen im Berufs- und Alltagsleben sowohl spannende Herausforderungen als auch Belastungen und Organisationsaufwand mit sich bringen. Gleichzeitig sehnen sich Menschen nach wie vor nach Gemeinschaft, nach stabilen Beziehungen und nach familiärem Zusammenhalt. Und die Lebenserwartung der Menschen ist in Deutschland in den letzten Jahrzehnten deutlich gestiegen: Wer heute 60 Jahre alt ist, hat im Schnitt noch 20 gesunde und aktive Lebensjahre vor sich. Viele Ältere wollen diese Zeit gewinnbringend für sich und andere nutzen und sich engagieren. Gleichzeitig suchen jüngere Menschen Rat und Orientierung oder wollen sich aktiv einbringen.

450 zentrale Anlaufstellen in den Kommunen

Mit Beginn des Jahres 2012 startete das Aktionsprogramm Mehrgenerationenhäuser II des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, in dem die 450 teilnehmenden Mehrgenerationenhäuser gemeinsam mit ihren Standortkommunen passgenaue Antworten und individuelle Lösungen für die kleinen und großen Alltagsherausforderungen der Menschen vor Ort entwickeln. Bundesweit verfügen heute nahezu alle Landkreise und kreisfreien Städte über ein eigenes Mehrgenerationenhaus.

450-mal offen, engagiert und generationenübergreifend

Das Aktionsprogramm Mehrgenerationenhäuser II fördert gezielt das generationenübergreifende Miteinander. Dieser Ansatz gibt dem Programm seinen Namen und ist sozusagen Alleinstellungsmerkmal jedes einzelnen Mehrgenerationenhauses: Jung und Alt können und sollen sich hier begegnen, voneinander lernen, miteinander aktiv sein und sich für die Gemeinschaft vor Ort stark machen. Im „Offenen Treff" kommen Menschen in ungezwungener Atmosphäre und ohne Verpflichtung zusammen, bieten einander Gesellschaft und haben ein offenes Ohr füreinander. Dieses Miteinander der Generationen bewahrt Alltagskompetenzen und Erfahrungswissen, fördert die Integration und stärkt den Zusammenhalt zwischen Menschen aller Generationen – auch und vor allem außerhalb der Familie.

Vier Schwerpunktthemen als Basis

Alle Mehrgenerationenhäuser richten ihre Angebote nach den regionalen Bedürfnissen in ihrer Stadt oder Gemeinde aus. Um darüber hinaus das Profil der Häuser zu schärfen, bilden vier Schwerpunkthemen im Aktionsprogramm Mehrgenerationenhäuser II einen gemeinsamen Rahmen. So haben die 450 Mehrgenerationenhäuser ein starkes Fundament, das immer neue Angebote möglich macht und das Profil der Häuser zu einem guten Teil prägt.

Die Schwerpunkte des Aktionsprogramms sind:

1. Alter und Pflege

2. Integration und Bildung

3. Angebot und Vermittlung von Haushaltsnahen Dienstleistungen

4. Freiwilliges Engagement

Mit ihren vielfältigen Angeboten sowie Beratungs- und Unterstützungsleistungen fördern die 450 Mehrgenerationenhäuser im Aktionsprogramm II gezielt die bessere Vereinbarkeit von Familie bzw. Pflege und Beruf. Orientiert am lokalen Bedarf werden betreuende und pflegende Angehörige entlastet und z.B. Hilfsangebote für demenziell erkrankte Menschen gezielt weiter ausgebaut.

In den Mehrgenerationenhäusern haben Menschen aller Generationen und jeder Herkunft zudem die Möglichkeit, sich freiwillig zu engagieren. Die Mitarbeit in den Häusern eröffnet vielen Freiwilligen neue Chancen und Möglichkeiten, stärkt sie in ihrer sozialen Kompetenz und vermittelt fachliche Fertigkeiten. Auf diese Weise unterstützen die Häuser die berufliche (Wieder-) Eingliederung in den Arbeitsmarkt und fördern die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund.

In ihren Städten und Gemeinden gehen die Mehrgenerationenhäuser verbindliche und langfristige Partnerschaften mit anderen Akteuren ein. Dazu gehören Verbände, Kultur- und Bildungseinrichtungen, Stiftungen, Freiwilligenagenturen, Medien und lokale Wirtschaftsunternehmen. So sind die Häuser mittlerweile ein fester Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens und stellen Knotenpunkte des freiwilligen Engagements dar. In jedem Haus des Aktionsprogramms kann zudem auch der Bundesfreiwilligendienst geleistet werden.

Aktionsprogramm Mehrgenerationenhäuser II verlängert bis Ende 2015

Jedes der rund 450 Häuser im Aktionsprogramm Mehrgenerationenhäuser II des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend erhielt über einen Zeitraum von drei Jahren (2012-2014) einen jährlichen Zuschuss in Höhe von 40.000 Euro. Davon wurden 30.000 Euro aus Mitteln des Bundes und des Europäischen Sozialfonds (ESF) finanziert. Bei unveränderter Gesamtfördersumme übernimmt der Bund im Jahr 2015 30.000 Euro pro Mehrgenerationenhaus. 10.000 Euro wurden bisher und werden auch in 2015 von der jeweiligen Standortkommune bzw. vom Land oder Landkreis übernommen.

Vier starke Partner im Programm

Damit alle Mehrgenerationenhäuser sich möglichst gut entwickeln und sich nachhaltig in der lokalen Infrastruktur etablieren können, erhalten sie umfassende Unterstützung und Beratung in allen inhaltlichen, finanziellen und strukturellen Fragen. Die Serviceagentur berät die Häuser vor Ort bei allen fachlichen Fragen zur Programmumsetzung, die Öffentlichkeitsarbeit unterstützt die Häuser bei der regionalen und überregionalen Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, die Servicestelle Förderung steht den Häusern bei allen förderrechtlichen Fragen zur Seite.

Große Bedeutung kommt darüber hinaus der Wissenschaftlichen Begleitung im Aktionsprogramm Mehrgenerationenhäuser II zu. Sie untersucht die Bedingungen für eine erfolgreiche Arbeit der Mehrgenerationenhäuser und zeigt Bereiche auf, in denen es noch Optimierungsbedarf gibt. Diese Erkenntnisse werden fortlaufend in die Beratung der Häuser integriert und auch direkt an die Mehrgenerationenhäuser weitergegeben. So kann die erfolgreiche Arbeit der Häuser kontinuierlich optimiert werden.

Die Programmbeschreibung von 2011, die dem Aktionsprogramm Mehrgenerationenhäuser II als Durchführungsgrundlage dient, bleibt auch für den Zeitraum der Verlängerung bis Ende 2015 gültig.

Programmbeschreibung zum Aktionsprogramm Mehrgenerationenhäuser II

Download der Programmbeschreibung (PDF-Dokument - 1,7 MB)